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"Die größte Blase ist aufgestochen"

12.08.2008 | 18:37 Uhr

Hagen/Hamburg. Autofahrer und Heizöl-Kunden spürten die Folgen als erste: 1,369 für den Liter Super - so vorgestern in Schwerte - ließen die Schlangen vor den Zapfsäulen wachsen. ...

... Und auch, wer Heizöl einlagern will, fragt sich bei seit Anfang Juli um im Schnitt 12,50 Euro pro 100 Liter gefallenen Preisen, ob er noch abwarten sollte. Grund: Der Ölpreis fällt und fällt. Aber wie lange noch?

Diese Frage kann auch Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst nicht beantworten. Tipps gibt er daher nur sehr vorsichtig: "Wessen Heizöl-Tank jetzt leer ist, der sollte zumindest eine Teilmenge einlagern, um später möglicherweise wieder gestiegenen Preisen nicht hilflos ausgeliefert zu sein", rät er. Zum künftigen Spritpreis könne man gar nichts sagen. Denn der orientiere sich nicht nur am Rohölpreis, sondern auch an anderen Faktoren wie dem Wettbewerb unter den Mineralölkonzernen.

Zu den Gründen für den Rückgang des Rohölpreises von in der Spitze 147 auf mittlerweile knapp unter 115 Dollar kann er dagegen eine Menge sagen: "Die größte Blase in diesem aufgeblähten Markt ist aufgestochen. Kaum redet alles über die bevorstehende Konjunktur-Abschwächung vor allem in Europa und den USA, sorgt das für die Erwartung eines geringeren Ölverbrauchs - und das reicht schon: Die Preise sinken." Fachleute sehen durchaus Parallelen zum Platzen der Internet-Blase mit künstlich aufgeblähten Werten Ende der 90-er Jahre. Ähnlich wie die Kurse der jungen Internet-Firmen am Neuen Markt ist auch der Ölpreis nach oben geschossen: Innerhalb von 10 Jahren hat er sich verzehnfacht. Nicht wenige Auguren sprachen schon von einem Horror-Preis von 200 Dollar pro Fass - eine Giftpille nicht nur für die deutsche Wirtschaft.

Nun fällt er wieder, wegen Konjunktursorgen und größerer Förderung. Nur für wie lange? Da gibt es zwei Theorien: Die eine, wahrscheinlichere, setzt auf die langfristigen Faktoren und geht davon aus, dass die steigende Energienachfrage aus Ländern wie China, Indien und natürlich den USA das Öl zwangsläufig immer teurer macht, weil es knapp ist. Und die andere geht von einer Stabilisierung des Preises bei etwa 120 Dollar aus, wenn dauerhaft mehr gefördert werde und die Spekulation mit dem wertvollen Rohstoff unterbleibe.

Doch während das eine gerade passiert - so ist die Produktion der OPEC-Länder in diesem Juni auf 32,4 Millionen Barrel am Tag gestiegen, 1,8 Mio. Tagesbarrel mehr als im Juni 2007 - ist das andere ein frommer Wunsch. Zumal der Begriff des Spekulanten nicht klar definiert ist. Anleger, die zur Erzielung kurzfristiger Profite hohe Risiken eingehen, waren kaum für den Ölpreisboom verantwortlich, meint Thorsten Prottel von der Landesbank Baden-Württemberg. Viele Investoren hätten aber Rohstoffe als Alternative zu Anlageformen wie Aktien entdeckt - das seien aber keine klassischen Spekulanten. Aber sie treiben den Preis.

Für schlechte Laune wird der fallende Rohölpreis bei den Export-Ländern sorgen, die dank des schwarzen Goldes im Geld schwimmen, es aber oft für deutsche Produkte wieder ausgeben. Darunter leiden wird möglicherweise auch die Solarbranche, der die steigenden Ölpreise volle Auftragsbücher beschert hat, sowie die Bahn, der die hohen Spritpreise Zulauf gebracht haben. Dennoch ist die Liste derer viel länger, die von billigerem Rohöl profitieren: Gute Laune dürften die Zentralbanker in Frankfurt haben, die die ausufernde Inflation nun besser in den Griff bekommen können und die Aktienhändler, denn mit sinkenden Ölpreisen steigen wieder die Aktienkurse. Die Unternehmen, die nach Ansicht von Ökonomen den Ölpreisanstieg bislang gut weggesteckt haben, erhalten nun eine Verschnaufpause und nicht zuletzt freuen sich die privaten Verbraucher über niedrigere Sprit- und Heizölpreise. - Die Frage ist nur, wie lange dieses Glück noch anhält.

Von Stefan Pohl



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