Das aktuelle Wetter NRW 7°C
Mode

Deutsche Textilfirmen entdecken „made in Marokko“

01.06.2012 | 18:55 Uhr
Deutsche Textilfirmen entdecken „made in Marokko“
Die Bedeutung der Mode aus Marokko hat sich längst bis in die deutsche Modehauptstadt herumgesprochen: Im Fashionhaus Düsseldorf trafen sich Modeexperten kürzlich zur Messe „Maroc in Mode“. Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool

Düsseldorf.   Konzerne wie Zara oder Diesel lassen verstärkt ihre T-Shirts und Jeans in Afrika fertigen. Die Vorteile gegenüber China liegen auf der Hand: Es ist preisgünstiger – und schneller. Kritiker sorgen sich allerdings um die Näherinnen.

„Made in Bangladesh“. Dieses Etikett in Hemd oder Hose schreckt Kunden ab. Es liest sich wie eine Warnung vor etwas Verbotenem. Achtung! Ein Problemstück! Bei Mode aus China, Indien oder eben Bangladesch haben Käufer schnell schlimme Bilder vor Augen. Von ausgemergelten Näherinnen, die in sengender Hitze Stoffe bearbeiten, damit die reichen Herrschaften in Europa für kleines Geld schön aussehen können. Doch jetzt orientieren sich Hersteller um. Die Ersten leiten ihren Abschied von den kritisierten Billiglohnländern ein und lassen lieber in Marokko produzieren.

Aus Geschäftsleuten werden keine Wohltäter

„Made in Marokko“ steht also neuerdings auf den Etiketten zu lesen. Bislang vor allem von Spaniern und Franzosen geschätzt, sehen nun auch deutsche Hersteller in Marokko viele Vorteile. Was nun nicht bedeutet, dass aus Geschäftsleuten Wohltäter werden. Sie denken wohl mehr an das eigene Geld und an das Praktische, als an Fabrikjobs fern jeder Moral, die sie nicht länger unterstützen mögen.

Das Praktische sieht so aus: Gerade 14 Kilometer trennen Marokko vom europäischen Festland. Die Ware kann mit Lastwagen innerhalb von drei bis vier Tagen zum Ziel gefahren werden und muss nicht erst, wie im Fall China, per Schiff zwei Monate um die halbe Welt reisen. Marokkanische Fabriken können also kurzfristig auf Kundenwünsche reagieren. Was für Händler und Hersteller aber der wohl entscheidende Vorteil ist: Marokko macht’s günstiger. Hier lässt sich oft noch billiger produzieren als in Asien. Menschenrechtlern bereitet das Kopfschmerzen. Sie vermuten in marokkanischen Textilfabriken ähnlich schlechte Arbeitsbedingungen für die Näherinnen wie in Bangladesch.

Mindestlohn für Näherinnen: 200 Euro

Dem widerspricht Christiane Schultz entschieden. Die Deutsche ist vom Fach. Seit drei Jahren berät sie von Casablanca aus den marokkanischen Modeverband Amith in Sachen Exportmarketing. „In den Fabriken wird viel für die Näherinnen getan“, sagt Schultz. Damit meint sie Mindestlöhne von 200 Euro und einen Trend zu ökologisch und damit für alle Beteiligten schonend produzierter Bekleidung, mit der sich Marokko als Modeland profiliere. Keine Chemie, lieber Garn aus Biowolle.

Marken und Konzerne wie Zara, Diesel, Miss Sixty oder die Metro-Gruppe lassen bereits in Marokko fertigen – wenn auch längst nicht immer Öko-Mode. Und der Markt wird größer: 2011 war das Exportgeschäft nach Deutschland 158 Millionen Euro schwer, innerhalb eines Jahres hatte es um 33 Prozent zugelegt. Wie wichtig die Modeproduktion auch für die Wirtschaft Marokkos ist, zeigt diese Zahl: Fast jeder Zweite, der in Marokko in der Industrie beschäftigt ist, arbeitet in der Bekleidungsindustrie. „Das Land profitiert vom Aufschwung der Modebranche und baut seine Infrastruktur aus“, erzählt Christiane Schultz. Ab Ende 2015 soll der Schnellzug TGV von Casablanca bis in die nördliche Küstenstadt Tanger fahren, damit die Hosen und Hemden noch schneller Richtung Europa reisen können.

24 Hersteller im Fashionhaus

Die zunehmende Bedeutung von Marokko hat sich bis in die deutsche Modehauptstadt herumgesprochen. Das Mode-Marketing-Team um Margit Jandali hatte kürzlich zu der Messe „Maroc in Mode“ ins Düsseldorfer Fashionhaus geladen. 24 Hersteller stellten den Besuchern ihre Produkte vor. Ein Gipfel der guten Laune.

Davon lassen sich Kritiker nicht beeindrucken. Die Wuppertalerin Christiane Schnura kämpft im Auftrag der „Kampagne für saubere Kleidung“ für bessere Arbeitsbedingungen in Problemländern. Marokko zählt sie dazu. Sie berichtet von einer Bezahlung, die eher Hohn als Lohn ist: „Marokko ist nicht besser, aber auch nicht schlechter als andere Billiglohnländer.“ Ihrer Meinung nach könnte ein überschaubarer Preisaufschlag die größten Probleme beseitigen: „Aktuell gehen bloß 0,8 bis 1,2 Prozent des Verkaufspreises als Lohn an die Näherin. Centbeträge könnten die Frauen retten.“

Kirsten Simon



Kommentare
02.06.2012
23:33
Deutsche Textilfirmen entdecken „made in Marokko“
von oldgreywolve | #2

" Fruit of the Loom " stellt schon seit Jahren seine T-Shirts in Marokko her. Ich habe selbst damals die Route Buncrana ( Nord-Irland ) - Tanger/ Casablanca oder Rabat gefahren und die Arbeitsverhaeltnisse dort erlebt!! Aber was solls - Geiz ist Geil, so lautet doch der Wahlspruch!!!!!!!!!!!!!!!
Und was die " Kampagne fuer saubere Kleidung " betrifft - die habe ich dort nie gesehen!!!!!!

02.06.2012
08:21
Deutsche Textilfirmen entdecken „made in Marokko“
von TVtotal | #1

Ui billiger als China...das ist natürlich ein Argument...Menschenrechte Arbeitsschutz werden da wohl noch weniger Beachtet!

Aus dem Ressort
Verband plant wegen E-Zigaretten-Warnung Millionenklage
Klage
Weil das NRW-Gesundheitsministerium vor E-Zigaretten gewarnt hatte, will der Verband des E-Zigarettenhandels die Landesregierung auf 90 Millionen Euro Schadenersatz verklagen. Das Bundesverwaltungsgericht hatte entschieden, dass die Flüssigkeiten für E-Zigaretten weiter frei verkauft werden dürfen.
ADAC steht vor Strukturreform - Entscheidung im Dezember
ADAC
Nach dem Skandal um den Autopreis "Gelber Engel" stellt sich der ADAC völlig neu auf. Im Dezember soll die Strukturreform beschlossen werden. Im Kern will der ADAC aber ein Verein bleiben. Neben mehr Transparenz soll die Reform zwischen Vereins- und Wirtschaftsaktivitäten des ADAC trennen.
Gauck für mehr Risikobereitschaft in deutscher Wirtschaft
Handwerk
In Deutschland gibt es mehr als 50 Handwerkskammern. 407 Jungmeistern in Sachsen gratulierte Bundespräsident Joachim Gauck in Dresden persönlich zur bestandenen Prüfung - verbunden mit konkreten Erwartungen. Die deutsche Wirtschaft brauche mehr Risikobereitschaft, sagte Gauck.
Yi-Ko darf die Marke "Burger King" vorerst nicht mehr nutzen
Fast-Food-Kette
Die Fast-Food-Kette Burger King hat ihrem Franchise-Partner Yi-Ko die Nutzung der Marke untersagt. Das Landgericht München hat auf Antrag des Unternehmens eine einstweilige Verfügung erlassen. Ohne Logos und Burger-King-Produkten dürften viele der 89 betroffenen Filialen damit vor dem Aus stehen.
P&C eröffnet Outlet-Store in der City von Oberhausen
Eizelhandel
Jahrelang stand das frühere P&C-Haus an der Marktstraße in der Innenstadt von Oberhausen leer. Jetzt eröffnet die Düsseldorfe Modekette dort einen neuen Outlet-Store, in dem ab 28. November günstige Mode verkauft werden soll. Damit endet der lange kritisierte Zustand des denkmalgeschützten Hauses.
Umfrage
Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

 
Fotos und Videos