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Das Karmann-Dilemma

03.10.2007 | 00:00 Uhr

Osnabrück. (lnw/nö) Für Karmann waren es glorreiche Zeiten - als die Autohersteller die Osnabrücker im Fahrzeugbau noch mit dicken Aufträgen versorgten. Die Kooperation mit VW brachte mit Käfer-Cabrio und Karmann Ghia große Erfolge hervor. Doch das ist G

Die Fertigung des Audi A 4 Cabrios, das der Konzern als letztes Komplettfahrzeug bei Karmann in Auftrag gegeben hat, läuft bald aus. Und im Orderbuch für 2008 herrscht gähnende Leere. Der einst gefragte Partner Karmann steckt tief in der Krise und ist zum Bittsteller geworden - der Appell der IG Metall an VW, ein mögliches neues Polo Cabrio von Karmann fertigen zu lassen, klingt wie ein Hilferuf. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Wulff soll es nun richten. Der Regierungschef solle als Vermittler auftreten, um neue Aufträge zu generieren, fordern Teile der Belegschaft.

Doch Wulff scheint trotz der Beteiligung des Landes an VW praktisch machtlos zu sein. "Das wird nur über die betriebswirtschaftliche Wahrheit und nicht über die Politik entschieden", sagt ein Insider. Und die beinhaltet hochprofitable VW-Werke im Ausland, die noch nicht voll ausgelastet sind. Warum also sollte VW Aufträge an Karmann geben? Karmann-Betriebsrat Smolinski weiß: "Kein Politiker ist dazu fähig, uns einen Auftrag zu besorgen."

Karmann-Chef Harbig ist sich des Dilemmas ebenso bewusst: "Seit fünf Jahren hat kein Autohersteller mehr einen Auftrag an einen Zulieferer vergeben", sagte Harbig, als er am Montag den Abbau von knapp 1800 Stellen in den in Osnabrück und Rheine ankündigte. Am gleichen Tag übrigens, als BMW bekannt gab, sein geplantes 1er-Cabrio im eigenen Leipziger Werk bauen zu lassen.

Dabei gilt Karmann in der Branche als äußerst innovative und zuverlässige Cabrio-Schmiede mit exzellenten Technikern. Erst jüngst, auf der Frankfurter Automesse IAA, zeigten die Osnabrücker eine Cabrio-Studie auf Basis des VW Polo - mit der Hoffnung, die Wolfsburger würden anbeißen. Doch bei Volkswagen ist dieser Ruf bislang auf Zurückhaltung gestoßen.

Dafür steht vor allem der neue starke Mann im Konzern: Wendelin Wiedeking, Vorstandschef des Hauptaktionärs Porsche. Zwar hat VW-Chef Winterkorn Branchenkreisen zufolge im Aufsichtsrat Sympathie dafür zu erkennen gegeben, dem alten Weggefährten Karmann mit einem neuen Auftrag zu helfen, doch Wiedeking, der einen neuen Großkonzern Porsche/VW schmiedet, war dagegen. Seine Maxime: An erster Stelle liegt die Auslastung der eigenen Werke, es gilt, diese so effizient wie möglich zu machen. Nach dieser Devise hat Wiedeking Porsche saniert, auch bei VW sieht er noch Potenzial.

Dagegen kommt das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Aktionär nicht an. Seit dem Machtausbau von Porsche hat die Landesregierung bei VW an Einfluss verloren. Ministerpräsident Wulff, der aus Osnabrück stammt, dürfte der drastische Stellenabbau bei Karmann zwar schmerzen - doch den Kern des Karmann-Dilemmas kann die Politik ohnehin nicht kurieren. Die traditionsreiche Cabrio-Schmiede hängt am Tropf der Autoindustrie. Über das Wohl und Wehe von Karmann wird weniger in Osnabrück, als in Wolfsburg, Stuttgart oder München entschieden. Eine fatale Abhängigkeit, die sich nun bitter rächt.



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