Aus den Betrieben
Weißtöne sind eine Welt für sich
19.11.2009 | 18:12 Uhr 2009-11-19T18:12:00+0100
Hagen. Backpapier, Butterbrotpapier, Briefpapier: Papier ist nicht Papier.
Für jeden Zweck gibt es das passende Material. Stora Enso Kabel stellt holzhaltig gestrichene Druckpapiere für Zeitschriften und Kataloge her. Markus Kötter sitzt an der Schnittstelle der Herstellung: in der Streichküche.
Streichküche und Papierherstellung? Der Laie wundert sich. Welche Suppe rührt hier wer an? Kötter klärt auf: „Hier veredeln wir das rohe Papier.” Mit wir meint er seine 15 Kollegen und sich. Im Drei-Schicht-Betrieb mischen sie alle notwendigen Zutaten, um der Oberfläche des Papiers ein, salopp formuliert, schöneres und glatteres Gesicht zu verpassen. Der Papiermachermeister, „die Meisterschule habe ich 2003 absolviert”, kennt das Geschäft von der Pike auf. Ihm muss niemand mehr etwas über Zellstoffauflösung und Streichsumpf erklären. Seit mehr als 20 Jahren dreht sich in seinem Berufsleben alles um Rezepturen und Rohstoffe für unvorstellbare Größenordnungen. Allein Stora Enso Kabel stellt jährlich 485 000 Tonnen hochwertiges Magazinpapier her.
Weltweit produziert der schwedische Konzern 12,7 Millionen Tonnen Papier und Karton, 1,5 Milliarden Kubikmeter Wellpappe und 6,9 Millionen Kubikmeter Schnittholzprodukte an 85 Standorten in mehr als 35 Ländern.
In Hagen-Kabel verwandelt und steuert der 36-Jährige dreifache Familienvater als Vorarbeiter den Prozess der Aufbereitung der Schicht, mit der das rohe Papier überzogen wird. Der Blick auf insgesamt zwanzig Bildschirme zeigt ihm, ob in der Küche alles mit rechten Dingen abläuft. „Wir bestellen die Rohstoffe, kontrollieren sie auf Qualität, bereiten sie auf und vermischen sie. Für jede Farbe und für jede Sorte Papier, allein die Weißtöne sind eine Welt für sich, gibt es ein eigenes Rezept.”
Kaolin, eine weiße Porzellanerde, und Talkum, ein Schichtsilikat, werden aufgelöst und gemeinsam mit Calziumcarbonat zu Streichfarbe aufbereitet. „Außerdem werden Bindemittel wie Latex oder Stärke und weitere Hilfsstoffe zugesetzt.” Die Streichfarbe ist entsprechend jeder Sorte entwickelt worden. Um Fehler in der Herstellung zu vermeiden, sind Stichproben der Mischungen Pflicht. Mit unliebsamen Überraschungen muss im Produktionsprozess immer gerechnet werden.
„Bei einem Riss in der Leitung oder beim Ausfall einer Pumpe kommt man ins Schwitzen. Dann sind in aller Kürze alternative Lösungen gefragt. Wir müssen Schläuche ziehen und eine mobile Pumpe installieren.” Der Zustrom der Streichfarbe über ein Rohrleitungssystem zu den Produktionslinien darf nicht lange unterbrochen werden. Der Produktionsausfall wäre groß. Interessante Zahl am Rande: Jährlich verbraucht Stora Enso Kabel 220 000 Tonnen Pigmente und 30 000 Tonnen Hilfsstoffe.
Der gebürtige Hagener ist, nicht nur weil die Zeitung zu Gast ist, mit seinem Arbeitsplatz zufrieden. „Als junger Mann wollte ich zur Post. Das hat sich zerschlagen. Das Finanzielle und die Abwechslung haben den Ausschlag gegeben. Ich wollte nicht jeden Tag dasselbe machen.” Davon kann keine Rede sein. In der Küche „brodelt” täglich die Streichfarbe, die jede noch vorhandene Pore des Papiers schließt, so die Oberfläche ebnet und für eine hohe Detailwiedergabe beim Druck sorgt.

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