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Doppelmord

Suche nach Mördern von Geseke dauert an

24.08.2010 | 21:39 Uhr
Suche nach Mördern von Geseke dauert an
Zwei Tote liegen in Geseke-Störmede neben einem Pkw, während sich Zivilpolizisten neben einem Fahrzeug der Spurensicherung mit einer Anwohnerin unterhalten. (Foto: ddp)

Geseke.Am Dienstag wurden in Geseke zwei Männer erschossen. Die Identität der beiden etwa 30 Jahre alten Opfer ist unklar. Die Suche nach den Tätern dauert an.

Es ist 14.53 Uhr in dem idyllischen Geseker Dörfchen Störmede. Die Menschen erwachen aus der Mittagsruhe und wollen wieder ihrer Arbeit nachgehen. Da schreckt Motorengeheul die Anwohner auf.

Ein silbergrauer 5er BMW rast durch die Ringstraße, hinter ihm ein blauer Kleinwagen. Später werden Zeugen sagen, es sei ein VW-Golf oder ein Polo gewesen. Dann plötzlich - vor dem Haus Ringstraße Nr. 9 - schert der BMW nach links aus. „Warum, das weiß niemand“, berichtet Detlef Dewald, der hier mit seinen Eltern wohnt.

Sechs gezielte Schüsse

Staatsanwalt Dietmar Sauerland

Auch für das folgende Geschehen gibt es keinen Augenzeugen. Aber für Detlef Dewald, der bei Nixdorf arbeitet und um 15.45 Uhr aus Paderborn nach Hause kam, stellt sich das Geschehen so dar: „Die beiden müssen aus dem BMW ausgestiegen sein. Die Türen sind jetzt zu. Dann fielen sechs Schüsse. Die hat der Mann aus dem blauen Wagen abgegeben. Der muss auch ausgestiegen sein. Die sechs Patronenhülsen waren rund um den BMW verstreut.“

Die Männer aus dem BMW brechen tödlich durch Kopfschüsse getroffen zusammen. „Der mit der dunkleren Hautfarbe liegt halb in meiner Einfahrt“, sagt Detlef Dewald. Auf eine Nationalität der Toten will er sich nicht festlegen.

Weil die Ringstraße sehr eng ist - eben eine typische Dorfgasse zwischen alten Bauernhäusern - kommt der blaue Kleinwagen nicht an dem schrägstehenden BMW vorbei. Nach Augenzeugenberichten fährt der Pkw zuerst rückwärts, dann dreht der Fahrer das Auto in einer Einfahrt um und rast davon. Einige wollen ein LIP-Kennzeichen an dem Fahrzeug ausgemacht haben. Wieder andere haben ein Berliner Nummernschild gesehen. Sie wetten, „dass der in Erwitte auf die A 44 gebrettert ist - und ab nach Berlin“.

Da ist etwas Schlimmes passiert
Die enge Gasse, in der der Doppelmord geschah, wurde von der Polizei abgeriegelt. Foto: Thomas Nitsche

Josefa Nilges, die Ehefrau von Fleischbeschauer Josef Nilges, die in der Ringstraße 10 direkt dem Tatort gegenüber wohnt, hat von den Morden vor ihrer Haustür nichts mitbekommen: „Um die Zeit ist doch noch Ruhe im Dorf.“ Doch als sie gegen 15.30 Uhr auf den Hof geht, steht ein Polizeiwagen in ihrer Einfahrt: „Da hab ich sofort meinem Mann Bescheid gesagt. Und der wusste, ,da ist sicher was passiert’.“

Josef Nilges hatte Recht. Offenbar hat es in dem Dorf mit 2341 Einwohnern eine Hinrichtung gegeben. Bis spät in die Nacht liegen die beiden Toten auf der Straße. Die Mordkommission Dortmund ist eingeschaltet. Medienvertreter sorgen für große Aufregung in Störmede.

Ein Hubschrauber kreist gegen 19 Uhr für Luftaufnahmen über dem Dorfkern. Dietmar Sauerland, Staatsanwalt für Kapitalverbrechen aus Paderborn, ist am Tatort, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Die Polizei hüllt sich in Schweigen

Doch obwohl der Besitzer des BMW feststehen muss, es soll ein 45-jähriger Deutschrusse aus Lippstadt sein, hüllt sich die Polizei in Schweigen. Die Experten wollen erst ihre Arbeit tun. Rückschlüsse seien jetzt noch nicht möglich, vielleicht sogar übereilt. Keine Angaben zur Identität der Toten. Kein Wort zu ihrer Nationalität. Nur soviel: Sie sind etwa 30 Jahre alt. Kommen sie aus der Region? Vermuten die Ermittler einen Bandenkrieg? Hat die Mafia ihre Hände im Spiel? Fragen, die nicht beantwortet werden.

20.30 Uhr. Die Feuerwehr Störmede leuchtet den Tatort mit Scheinwerfern aus, Spürhunde suchen nach eventuell übersehenen Patronenhülsen. Und Polizeisprecher Winfried Schnieders stellt fest, dass es „nichts Belegbares gibt“. Alles reine Spekulation.

Volker Dörken

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