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Begleitung auf dem letzten Weg

03.05.2007 | 20:19 Uhr

Wie vielen Menschen sie schon beim Sterben zur Seite gestanden hat, weiß Ella Spychalski nicht mehr.Sie engagiert sich ehrenamtlich beim Ambulanten Hospizdienst Witten-Hattingen

"Man muss bereit sein, sich ganz zurück zu nehmen und den Menschen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen." Seit rund 14 Jahren begleitet Ella Spychalski sterbende Menschen im Rahmen ihrer Hospizarbeit.

"Sterbebegleitung im weitesten Sinne", beschreibt die Hattingerin die Arbeit ihres Vereins, der in Witten und Hattingen tätig ist. Wie viele Menschen sie schon auf ihrem letzten Weg begleitet hat, weiß sie nicht. "Ich habe das bewusst nicht gezählt." Seit einiger Zeit habe sie keine Wache mehr gehalten, erzählt sie. Alter und Krankheit haben sie davon abgehalten. Im Verein kümmert sich jetzt um Organisatorisches.

Die Mitglieder des Hospizdienstes halten Wache beim Sterbenden, stehen aber auch den Angehörigen zur Seite, lösen sie ab, wenn sie keine Kraft mehr haben. "Man macht das ja auch, damit die Angehörigen sich ein paar Stunden hinlegen können. Man geht da hin, um den Menschen Zuversicht zu vermitteln", erklärt Ella Spychalski. Die Ausnahmesituation mache es möglich, dass man einander schnell vertraut werde. "Man spürt, was der Mensch braucht. Das kann beten sein, oder singen, oder etwas ganz anderes." Oft entscheiden die Patienten selbst, wen sie als Begleitung akzeptieren. "Es ist ein gutes Gefühl, wenn dieser Mensch seinen Weg beenden konnte."

Wie lange eine Wache dauert, lässt sich im Vorfeld nie sagen. "Das können Stunden, Tage, aber auch Wochen sein." Die meisten Begleitungen finden im Krankenhaus oder Pflegeheimen statt, seltener in Privathaushalten. "Wir werden immer noch zu wenig gerufen, besonders von Privatleuten", meint sie.

Das Engagement im Hospizdienst verlangt den Ehrenamtlichen einiges ab. "Man sollte ein normaler, ein kraftvoller Mensch sein. Ein gewisses Maß an Güte und Mitmenschlichkeit sollte auch dabei sein - aber bitte bloß kein Helfersyndrom", beschreibt Ella Spychalski die Anforderungen. Viel Aufhebens mag sie darum nicht machen: "Das, was wir machen, ist früher auf dem Lande von der Familie übernommen worden."

Die Hospiz-Mitarbeiterinnen wechseln sich alle drei Stunden am Bett eines Sterbenden ab. Mindestens drei Frauen teilen sich eine solche Sitzwache. "Man hat auch eine Verantwortung für die Gruppenmitglieder", meint Ella Spychalski. Jedes Mitglied des ambulanten Hospizdienstes muss vor dem ersten Dienstantritt eine rund einjährige Ausbildung absolvieren. Seminare und ein abschließendes Praktikum sollen sie auf ihren Einsatz vorbereiten.

Nur, wer sich stark genug fühlt, wird eingesetzt. "Das muss absolut freiwillig sein. Man sollte absolut unbelastet dorthin gehen." Es gehöre zu den Aufgaben der Mitglieder, ein wachsames Auge aufeinander zu haben. "In dieser Gruppe geht man sehr behutsam miteinander um." Bei ihren Treffen werden Erfahrungen ausgetauscht. "Wir können auch jederzeit eine Supervision in Anspruch nehmen." "Was wir machen, hat früher die Familie übernommen"

Von Nina Estermann



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