Das aktuelle Wetter Warstein 24°C
Interview

Kunden können der Diskussion entgehen

25.01.2012 | 11:35 Uhr
Kunden können der Diskussion entgehen

Warstein/Lippstadt. Wer nicht bei „seiner“ Bank den Geldautomaten bemühte, wunderte sich in der Vergangenheit oft über extrem hohe Gebühren für das Abheben. Seit einem Jahr ist damit Schluss. Fragen an den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Lippstadt, Jürgen Riepe.

WP: Seit dem 15. Januar vergangenen Jahres müssen bei Geldabhebungen an Fremdautomaten die Kosten dafür vorher angezeigt werden? Hat sich dadurch bei Ihnen etwas an der Nutzung durch Fremdkunden geändert?

Jürgen Riepe: Ein verändertes Kundenverhalten von Fremdbankkunden ist nicht erkennbar, die Nutzungszahlen lagen in 2011 nahezu identisch auf dem Niveau von 2010. Was uns hingegen sehr erfreut, ist, dass die Nutzung von Kunden anderer Sparkassen signifikant zugenommen hat. Das zeigt, dass die Sparkassenkunden die Vorteile des kostenfreien Abhebens im Sparkassenverbund mit 26 000 Geldautomaten kennen und der Diskussion um Kundenentgelte dadurch entgehen.

Jürgen Riepe.

Frage: Volksbanken und Sparkassen argumentieren, weil sie in der Fläche präsent sind, seien Geldautomatengebühren für Nichtkunden von vier Euro und mehr gerechtfertigt. Der Verband der privaten Banken hatte kürzlich diese Gebühren kritisiert. Das Bundeskartellamt prüft eventuelle Schritte. Was ist Ihre Argumentation für die 3,50 Euro, die die Sparkasse Lippstadt verlangt?

Riepe: Auch wir sind überzeugt, dass die Präsenz in der Fläche – die Sparkasse Lippstadt unterhält im Geschäftsgebiet insgesamt 36 Geldautomaten – ein großer Mehrwert für unsere Kunden ist, der natürlich auch von Kunden anderer Banken genutzt wird. Aber die überdurchschnittliche Ausstattung mit Geldautomaten verursacht auch Kosten, die dann auch ein Entgelt von 3,50 Euro für Fremdbankkunden rechtfertigt.

Frage: Es handelt sich schließlich um eine automatisierte Service-Leistung. Hört sich doch ganz einfach an...

Riepe: Das trifft es sicherlich nicht ganz. Der Abhebungsvorgang ist eine automatisierte Serviceleistung. Aber die Automaten müssen gefüllt, abgestimmt und gewartet werden. In einer Flächensparkasse wie der Sparkasse Lippstadt fallen da einige Stunden für unsere Mitarbeiter und externe Sicherheitsunternehmen an.

Frage: Sie liegen mit Abhebekosten von 3,50 Euro unter dem vom Verbraucherportal Biallo.de ermittelten Durchschnittswert von 3,97 Euro und sogar recht deutlich unter den 4,31 Euro, die Sparkassen durchschnittlich verlangen. Die großen Geschäftsbanken haben sich hingegen auf nur 1,95 Euro verständigt. Was macht den Unterschied aus?

Riepe: Den Unterschied machen unsere Filialen, Geldautomaten und andere Selbstbedienungsgeräte in der Fläche aus. Wir versorgen nicht nur Ballungszentren mit Geldautomaten, die eine hohe Nutzungsquote aufweisen, sondern eben viele Standorte. Die Diskussion auf den Preis zu reduzieren ist aber nicht richtig: Die Sparkassenkunden zahlen diesen Preis erst gar nicht, da sie einen Geldautomat der Sparkassenorganisation nutzen. Die Geschäftsbanken dagegen bieten in ihrem Verbund nur zirka 9000 Geldautomaten an und ich glaube auch nicht, dass dort viele Fremdbankkunden Geld abheben. Es handelt sich wohl eher um einen symbolischen Preis, um die leidige Diskussion aufrecht zu erhalten.

Frage: Welche tatsächlichen Kosten entstehen eigentlich der Sparkasse durchschnittlich bei einem Auszahlungsvorgang, sei es bei eigenen Kunden, Kunden anderer Sparkassen oder ganz fremder Banken?

Riepe: Bitte haben Sie bei aller gewünschten Transparenz Verständnis, dass wir hier keine konkrete Aussage treffen. Dazu fließen zu viele Faktoren ein, die das pro Geldautomat anders darstellen. Seien es Miete, Befüllungskosten, Personalkosten und viele weitere Einzelpositionen.

Frage: Und was halten Sie von der Initiative der Rewe-Gruppe, dass deren Kunden dort mit ihrer Maestro-Karte kostenlos Bargeld „ziehen können“, ganz egal, von welcher Bank diese stammt?

Riepe: Ein toller Service für die Kunden, im Notfall schnell kleinere Summen Geld zu bekommen. Inwieweit das tatsächlich genutzt wird, ist schwer zu beurteilen. Aber auf jeden Fall ein guter Marketingeffekt.

Manfred Böckmann

Facebook
Kommentare
Fotos und Videos
Stadtfest Belecke
Bildgalerie
Stadtfest Belecke
GymNet-Triathlon
Bildgalerie
GymNet-Triathlon
Wasserwerk Wald am Kahlen Asten
Bildgalerie
Rundgang
3D-Druck hilft LMD
Bildgalerie
Technik
Aus dem Ressort
Das Wohl des Kindes steht im Vordergrund
Warstein
Wenn ein Kind geboren wird, dann ist das in der Regel ein Grund zu uneingeschränkter Freude. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht das oft ganz anders aus: Da ist das Kind manchmal gar nicht erwünscht oder aber die Eltern leben in schwierigen sozialen Verhältnissen und wissen nicht, wie sie dem...
"Die Menschen dort haben alles verloren"
Hochwasser
„Grauenhaft“ – Es ist dieses Wort, was Mario Flügel über die Lippen kommt, wenn er den Anblick des völlig überfluteten Städtchens Aken versucht zu beschreiben. Der Hausmeister des Warsteiner Gymnasiums war am Samstag nach Sachsen-Anhalt aufgebrochen, um die zahlreichen Spenden der Warsteiner Bürger...