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„Darf ich Sie umarmen?“

27.11.2011 | 19:18 Uhr
„Darf ich Sie umarmen?“
Beim Umram-Weltrekordversuch wollte Sandra Boesemueller (l.) in Dresden 10.000 Menschen umarmen - innerhalb von 24 Stunden. Letzlich ließen sich 6000 Leute von ihr herzen. Foto: Matthias Rietschel/dapd

Neviges. So einen Heidenrummel sieht man in der Elberfelder Straße wohl eher selten. Im Minutentakt stürmen Menschen in das Service-Center Neviges, wo es neben Lottoscheinen, Briefmarken und Angeboten eines Kaffeerösters heute noch menschliche Wärme gratis dazu gibt. Chefin Vera Brings und ihr Verkaufsteam laden bereits zum vierten Mal zum „Tag der Umarmung“ ein.

Gerade breiten die Chefin und Mitarbeiterin Freya Pohl weit die Arme aus. Eine Kundin lässt sich gerne drücken und ruft anschließend aus: „Eine Umarmung, das ist doch wunderbar!“ Und Tanja Walrecht, die mit Tochter Hanna eigentlich nur einen Lottoschein abgeben wollte, meint anschließend: „Das war schön, die Mitarbeiter hier sind mir ja nicht fremd, weil ich öfter herkomme. Und eine Umarmung tut im oft so stressigen Alltag doch mal gut.“

Als Vera Brings vor Jahren im Fernsehen das erste Mal von so einer Aktion hörte, war sie gleich angetan: „Alle verschenken zum Advent Schokolade oder Blumen, ich habe gedacht, verschenken wir doch mal ein bisschen Nähe“, strahlt sie. Und die Kunden nehmen das Angebot dankend an. Auch ihre Mitarbeiter machen inzwischen begeistert beim Massenknuddeln mit. So erzählt Heike Hafer: „Letztes Jahr wollte ich erst mal nur zugucken, die Reaktionen der Leute haben mich aber dann so ergriffen, dass ich gleich mitgemacht habe.“

Sie fühle sich dann auch selber gut; darüber hinaus spiegele die innige Beziehung zu den Kunden, unter denen viele Stammkunden seien, auch das gute Verhältnis der Mitarbeiter untereinander wider. „Ich finde das super, das ist wie eine Familie hier“, bestätigt dann auch strahlend Kunde Joachim Reimann.

„Ich finde das toll“, sagt auch eine benachbarte Einzelhändlerin, die ebenfalls extra reinschaut, um sich mal drücken zu lassen. „Frau Brings, ihre Idee, das hier in Zukunft mal auf ganz Neviges zu übertragen, ist richtig gut“, ruft sie in die Kuschelrunde. Tatsächlich wäre das mal ein Traum der Inhaberin des Service-Centers, die es nicht nur privat mag, wenn sich Menschen näher kommen: „Mir würde erst mal ganz Neviges reichen, später könnte man die Aktion vielleicht auf ganz Velbert, Wuppertal und dann auf Essen ausbreiten“, spinnt sie ihr Anliegen weiter.

Ihre Kunden, darunter welche, die ihr seit zehn Jahren treu sind, danken ihr ihre Herzenswärme, indem sie strahlend in ihre Arme fallen. „Ich finde das toll“, erklärt auch Heide Ringhand, „die erinnern einen hier daran, dass man mal netter zu seinen Mitmenschen sein sollte.“ Dennoch teilen nicht alle Kunden die Begeisterung für die Aktion. So reagiert ein Kunde auf die Frage von Vera Brings: „Darf ich Sie umarmen?“ eher ungehalten: „Können wir das lieber lassen? Ich bin erkältet, außerdem braucht der normale Nordeuropäer etwa einen Meter Abstand zu seinen Mitmenschen, und das sollte man auch so halten“, findet der Mann.

Eine andere Kundin lässt sich zwar erst ausgiebig herzen, schickt dann jedoch im Brustton der Überzeugung hinterher: „Ein Lottogewinn wäre mir aber lieber.“

Birgit Hölker-Schüttler

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