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Trauung

Pfarrer verweigert Brautpaar die Kommunion

02.06.2012 | 05:33 Uhr
Pfarrer verweigert Brautpaar die Kommunion
Die Kirche St. Sixtus wird von einem Skandal umwabert. Foto: Hans Blossey

Haltern am See.   Für ein Halterner Brautpaar wurde der schönste Tag im Leben zum Alptraum. Pfarrer Heio Weishaupt brach die Trauungsmesse in der Sixtus-Kirche einfach ab. Die Hochzeit endete mit Tränen.

Für Paare ist es der schönste Tag im Leben, für ein Brautpaar in Haltern am See wurde die kirchliche Trauung zu einem Alptraum. Der Priester verweigerte dem Paar und der Hochzeitsgesellschaft die Kommunion und brach die Messe einfach ab.

Die Kirche war am Samstag vor einer Woche gut besucht. Die Braut, Grundschullehrerin mit Missio canonica, also der Befugnis, katholische Religion zu unterrichten, und tätig in Gladbeck, der Bräutigam, aktiver Fußballer in Hamm-Bossendorf, hatten viele Gäste eingeladen. Schulkinder, Kollegen, Nachbarn, Freunde, Verwandte füllten die Sixtus-Kirche. Das Paar hatte seine Trauung gut vorbereitet: Blumengesteck und Kerze für den Altar, ein Hochzeitsbuch, Fürbitten, ein Gospelchor, der für den feierlich-musikalischen Rahmen sorgen sollte.

Doch schon der Einzug in die Kirche mit Pfarrer Heio Weishaupt, der zuvor mit dem Brautpaar zu Hause das Traugespräch geführt hatte, geriet „unfreundlich“. „Aber das Schlimmste kam noch“, berichtet ein Gottesdienstbesucher. Der Priester habe bewusst auf das Mikrofon verzichtet, die Gemeinde ihn kaum verstanden. Schon zu Beginn der Feier sei Weishaupt deutlich „ungehalten“ gewesen, habe die Gemeinde angeherrscht, das sie „nicht mitmachen würde“, weder Liturgie noch Liedtexte kenne.

Die Braut weinte

Nach dem Evangelium und der Predigt erfolgte der eigentliche Trauritus. Der Text für das Eheversprechen sei auf dem Altar so platziert gewesen, dass der Bräutigam ihn kaum habe lesen können. Nach dem Aufstecken der Ringe und vor der Eucharistiefeier verkündete der Pfarrer, dass er die Kommunion nicht austeilen könne, weil sie nicht in die Kirche gingen. Es gab weder Friedensgruß noch Abschlusssegen. „Der Pfarrer ließ das Brautpaar einfach stehen, ging mit den Messdienern zum Taufbecken, zog eine Runde durch die Kirche und war weg. Die Messdiener wussten gar nicht, wohin, so perplex waren die“, berichtet der Besucher. Die Hochzeitsgesellschaft sei wie „gelähmt“ gewesen, die Braut habe geweint.

Weder Pfarrer Martin Ahls noch Bistumssprecher Karl Hagemann wollen zu dem Vorfall Stellung nehmen. „Wir sind in mehrfacher Seite im Gespräch, zu diesem Zeitpunkt ist eine Stellungnahme für die Öffentlichkeit von meiner Seite aus nicht möglich“, so Pfarrer Ahls. Und Karl Hagemann: „Das ist ein lokaler Vorfall. Da muss der Pfarrer selbst was sagen. Die Zeiten von ,ich sage nichts ‘ sind heute vorbei.“

Das Brautpaar findet viel Unterstützung und Mitgefühl. Selbst will es sich zu dem Vorfall nicht äußern. Das tun inzwischen andere. Der Gospelchor, Verwandte, Besucher der Messe haben sich bei Pfarrer Martin Ahls bzw. beim Bischof in Münster beschwert. Auch, weil es immer wieder Hinweise gibt, dass Leute „mit der Art des Pfarrers unzufrieden“ sind. Er selbst feierte gestern sein silbernes Priesterjubiläum in der St. Sixtus-Kirche.

Irene Stock


Kommentare
06.06.2012
16:03
Pfarrer verweigert Brautpaar die Kommunion
von angua61 | #98

Grundsätzlich muss man sicherlich den Menschen an der einen oder anderen Stelle ein wenig entgegen gehen. Aber im alltäglichen Leben, in jeder Beziehung trifft man sich in der Mitte. Für mich heisst das, dass jemand, der kirchlich getraut werden möchte, sich auch bewegen muss. Genau so, wie ich in jedem Verein, bei jeder Sportart, gewisse Regeln beachten muss, weil ich sonst Gefahr laufe, den Verein oder die Spielstätte verlassen zu müssen. Warum akzeptieren die Menschen überall gewisste Grundregeln, in der Kirche jedoch nicht? Wenn du nicht willst, dass ich dir die "Rote Karte" zeige, dann spiele nach den Regeln... so einfach ist das!

05.06.2012
20:24
Pfarrer verweigert Brautpaar die Kommunion
von Mondschatten | #97

Ich habe aus dem Neuen Testament das Bild eine Rabbis Jeshua entnommen, der sich über die festgefahrenen Dogmen und Stigamtisierungen seiner Religion (das Judentum) und Gesellschaft hinweg gesetzt hat, weil er die Menschen als Menschen und in den Menschen Gott gesehen hat, dessem vorderstes Prinzip es war, niemanden Abzuweisen, weil die einer gewissen Vorstellung nicht entsprachen sondern sich diesen Menschen sogar zugewandt hat. Diesen Jeshua kann ich in der Kirche nicht mehr entdecken - und zwar schon seit einigen Jahrhunderten.

05.06.2012
04:26
Pfarrer verweigert Brautpaar die Kommunion
von auchkatholisch | #96

Prinzipiell kann man für diesen Pfarrer Verständnis haben, aber die Art und Weise, wie er das offensichtlich umgesetzt hat, gehört sich nicht. Wahrscheinlich eine Kurzschlußreaktion, sonst hätte er sich wohl nicht entschuldigt.

Das wirft auch ein sehr schlechtes Licht auf die Braut und gefährdet ihre berufliche Zukunft. Hoffentlich hatte sie noch keine gemeinsame Wohnadresse mit dem Bräutigam, das gibt auch Probleme. Die Begründung "ihr kommt nicht in die Kirche, daher keine Kommunion" ist so wohl auch nicht haltbar. Es gibt Gründe, nach denen die Kommunion verweigert werden könnte, aber unzureichender Kirchbesuch gehört nicht dazu.

Der Pfarrer muss sich auch fragen lassen, warum er nicht mit gleicher Begründung andere Brautmessen, Beerdigungen oder Erstkommunionfeiern abgebrochen hat. Hier sollte er schon alle mit "gleicher Elle" messen.

05.06.2012
00:16
Pfarrer verweigert Brautpaar die Kommunion
von schriftsetzer | #95

#15, #16

mirap muss wirklich in Behandlung... was der hier und in anderen Threads bei derwesten.de zum Besten gibt, kann einem schon Angst machen...

04.06.2012
20:10
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #94

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

04.06.2012
18:13
Pfarrer verweigert Brautpaar die Kommunion
von ccbeegee | #93

Man kann davon ausgehen, dass die Mehrheit der Gottesdienstbesucher "durch die Taufe" zu Christus gehören.

Wenn ich nun merke, dass diese Mehrheit mit den liturgischen Handlungen, mit den Gebeten, mit den ausgewählten Kirchenliedern nicht mehr vertraut ist, ja es ihnen fremd erscheint.

Wenn ich also merke, dass meine Glaubensgeschwister keine feste Speise, kein "Vollkornbrot" vertragen, dann muss ich ihnen Milchspeise geben.

Das heisst in der Praxis, (und das ist nach meiner Meinung die vertane Chance): ich muss die Eucharistiefeier in ihren liturgischen Handlungen soweit herunterziehen, dass meine Glaubensgeschwister begreifen, was da vor sich geht. Ich muss diese Brautmesse dazu nutzen, Menschen zu Christus zu führen, Menschen an die Hand nehmen und sie in das "Allerheiligste" führen, was diese Kirche zu bieten hat.

Wir haben es in unserem Glauben mit einem "heruntergekommenen" Gott zu tun, der sich eben nicht dafür zu schade war, auch für den letzten Sünder zu sterben...

04.06.2012
17:20
Pfarrer verweigert Brautpaar die Kommunion
von Distanz5 | #92

Da kann er sich 100mal entschuldigen, den Tag hat er unwiederbringlich versaut. Wenn die und alle ihre Gäste in 50 Jahren an ihre Hochzeit zurückdenken, wird doch zuerst an dem Pfarrer gedacht. Und nein, ich würde da auch in 50 Jahren NICHT drüber lachen!

04.06.2012
15:29
Pfarrer verweigert Brautpaar die Kommunion
von greybeard | #91

Solche Pfarrer sorgen dafür, dass sich die Kirche zur Kleinen Herde der Getreuen gesundschrumpft. Was daran gesund sein soll, kann ich allerdings nicht erkennen.

1 Antwort
Pfarrer verweigert Brautpaar die Kommunion
von auchkatholisch | #91-1

Aber genau das will doch ein bestimmter Teil des Klerus, nämlich die Kirche gesund schrumpfen lassen. Letzlich ist es das gleiche, als wenn eine Firma eine Entlassungswelle aus Kostengründen durchführt. Ausgesiebt werden die, die nicht zu 150% funktionieren. Also krankfeiern, Ansprüche stellen, Reformen wollen.
Genau den Weg wollen manche in der Kirche auch beschreiten. Anschliessend lebt sichs leichter und die Kostenstrukturen sind verbessert.
Lesen sie: pius.info, Kreuzgang.org, Kreuz.net, Kath.net, Introibo.net, den "Herrn Alipius" und viele andere Internetseiten.

04.06.2012
12:01
Pfarrer verweigert Brautpaar die Kommunion
von angua61 | #90

Hier schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Zum einen stört es mich, wenn die Kirche für viele Menschen nur ein "Partyservice für Familienfeste" ist. Nehme ich die Kirche für mich in Anspruch, sei es nun bei der Kommunion oder eben bei einer Hochzeit, dann sollte ich mich schon mit dem auseinandersetzen, was dieses Sakrament bedeutet und voraussetzt. Zum anderen hat sich unsere Gesellschaft gewandelt und auch die Kirche hat das eigentlich begriffen. Wenn Menschen auch unter Gott etwas sehr verschiedenes verstehen, dann muss ich dies hinterfragen und mich darauf einstellen. Sollte man dies aber nicht von beiden Seiten erwarten dürfen? Wenn man eine kirchliche Hochzeit wünscht, aus welchen Gründen auch immer, dann darf auch "Kirche" Respekt erwarten. Es gab übrigens in meiner Stadt gestern eine Firmung, bei der die Jugendlichen nach einem halben Jahr der Vorbereitung noch nicht einmal in der Lage waren, an einer bestimmten Stelle "ich schwöre" zu sagen... Wie schwer kann das sein?

1 Antwort
Alles hat seinen Grund. Nur welchen?
von WhatDoesItAllMean | #90-1

Die Beobachtung, daß Jugendliche nach einem halben Jahr der Vorbereitung nicht an der richtigen Stelle einer religiösen Zeremonie "ich schwöre" sagen konnten, ist als Faktum durch Sie nun verbürgt und vergleichbar mit dem vorliegenden Fall. Sie wirft unzählige Fragen auf, die religiös Gestimmten überhaupt nicht passen, z.B.

Wie steht es um

- die Akzeptanz und den Sinn religiöser Werte und Vorstellungen, Rituale und Vorbilder?

- die Qualität derjenigen, die die Jugendlichen vorbereiteten?

- die Qualität des Materials und derjenigen, die Vorbereiter vorbereiteten?

- das Ansinnen, einen Schwur von Jugendlichen zu fordern?

- den Inhalt dieses Schwures, und was würde passieren, nähmen ihn die Jugendlichen ernst? (Nota bene: der Begriff "Talibanisierung", hier im Forum verwendet, wurde heftig angegriffen.)

Nimmt man einmal die besagten Jugendlichen wie auch die Gäste des Brautpaares und dieses selbst als Rückspiegel und Maßstab, um die kirchliche Sphäre zu beurteilen ... (Platz fehlt)

03.06.2012
19:26
@ #79-2 & #79-3
von Tritt_Brettfahrer | #89

Ich denke, wir haben hier zwei Fraktionen von Fundamentalisten erleben müssen:
- die wütenden Atheisten, die keine Möglichkeit ausließen, die Kirche am Fehlverhalten eines einzelnen zu verdammen und
- die scheinheiligen Pharisäer, die ihre bibeltreuen Sprüche zum Nachtreten gegen ein unglückliches Brautpaar nutzten.
Dabei verstehe überhaupt nicht, warum beide hier so herumkrakeelten, in zehn Jahren wird es kaum noch Priester geben und die Kirchen werden ebenfalls mehr und mehr verschwinden. Letzteres wird sich mit jeder Kirchenzusammenlegung noch beschleunigen, wenn die weiterhin einer feindlichen Übernahme ähnelt, die engagierte Menschen vor den Kopf stößt und als verstörte Menschen aus den Kirchen treibt. Mit jedem Kirchenabriss geht allerdings auch ein Stück Heimat verloren…
http://www.youtube.com/watch?v=V3LKIESqlec

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