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Leben mit Parkinson

27.06.2012 | 20:50 Uhr
Leben mit Parkinson
WAZ - Medizinforum zum Thema Morbus Parkinson am Dienstag, 26.06.2012 im Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen an der Dorstener Straße 151. Chefarzt Prof.Dr.med. Helmut Buchner erläuterte die Frage: Was ist ein Morbus Parkinson?Foto: Lutz von Staegmann / WAZ FotoPool

Recklinghausen / Vest. „Am Anfang fühlen sich Betroffene wie auf einer Art Hochzeitsreise“: Diesen bildhaften Vergleich wählte Prof. Dr. Lars Timmermann (39), neurologischer Oberarzt an der Universitätsklinik Köln, um den über 100 Besuchern des WAZ-Medizinforums im Knappschaftskrankenhaus zu veranschaulichen, dass eine Parkinson-Erkrankung das Leben trotz des Auftretens erster leichter Symptome zunächst wenig beeinträchtigt. Es war dies nicht die einzige Erkenntnis, die die Anwesenden am Dienstagabend nach gut zwei Stunden voller geballter, locker vermittelter Informationen mit nach Hause nahmen.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung hatte Prof. Dr. Helmut Buchner, Chefarzt für Neurologie am Knappschaftskrankenhaus, den Forumsbesuchern anschaulich erläutert, was die Hauptursache für „Morbus Parkinson“ ist: ein zunehmender Mangel am Botenstoff Dopamin im Gehirn, der für die Bewegungssteuerung verantwortlich ist. Und auch, wie vielschichtig Parkinson ist, hatte der 57-Jährige den Anwesenden aufgezeigt. Doch wenngleich nicht bei jedem Patienten alle Symptome auftreten, so sind doch drei Hauptsymptome charakteristisch: 1. das Ruhezittern, insbesondere der Hände (Tremor), 2. die Muskelsteifigkeit (Rigor), sichtbar u. a. durch kleinere Schritte und ein nur geringes Mitschwingen der Arme; mitunter mündet ein Rigor gar in Unbeweglichkeit (Akinese); 3. eine Unsicherheit beim Stehen und Gehen mit einer erhöhten Sturzgefahr (posturale Instabilität). Hinzu, so Buchner, könnten im Verlauf der Erkrankung Sprech-, Schluck- und Schlafstörungen kommen. Und auch die Gedächtnisleistung könne bei Parkinson-Patienten mit zunehmender Dauer nachlassen.

Aber: Auch, wenn Parkinson eine „lebensbegleitende, fortschreitende Erkrankung“ ist, wie Buchner betonte: Die „Schüttellähmung“, an der allein in Deutschland jährlich 12 000 bis 13 000 Menschen neu erkranken, ist seit einiger Zeit gut behandelbar.

Dass es dabei sinnvoll sein kann, Betroffene möglichst früh zu therapieren, betonte Timmermann. Zumal die weitgehend beschwerdefreie „Honeymoon“-Zeit für die Betroffenen ja möglichst lange andauern solle (in der Regel dauere die Honeymoon-Phase bis zu drei Jahre). Gute, wissenschaftlich belegte Erfahrungen, um im Frühstadium der Erkrankung insbesondere die Beweglichkeit zu verbessern, seien etwa mit der Gabe von Rasagilin (1 mg/Tag) erzielt worden, nannte Timmermann ein Beispiel für eine erste medikamentöse Behandlung.

Doch sowohl er, als auch sein Recklinghäuser Neurologen-Kollege Buchner betonten: Eine erfolgreiche Parkinson-Therapie sei stets das individuelle Ergebnis zwischen einer Nutzen-Risiko-Abwägung. Von Alter und Beschwerden des jeweiligen Patienten einer-, den Vor- und Nachteilen des möglichen Medikaments andererseits. Dies gilt auch für die Gabe sogenannter Dopamin-Ersatzstoffe, die außer als Tabletten u. a. mittels verschiedener Pumpen verabreicht werden können. Und last but not least, so Timmermann über eines seiner Spezialgebiete, die „tiefe Hirnstimulation“, könne man bei Parkinson-Patienten mitunter auch die bewegungssteuernden Hirnareale mittels Elektrodrahts aktivieren.

Das Leben: Auch mit Parkinson kann es lebenswert bleiben.

Sabine Kruse


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