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27.06.2012 | 10:00 Uhr
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Vor allem um den sozialen Kontakt geht es beim häuslichen Unterstützungsdienst.

Oberhausen.  Ehrenamtliche Helferinnen der Caritas wie Monika Dickmann gehen in Familien, in denen Angehörige einen an Demenz erkrankten Verwandten pflegen

Für einige Stunden pro Woche bieten sie Entlastung im Alltag, vor allem aber ein offenes Ohr: Seit vergangenen Oktober gibt es den häuslichen Unterstützungsdienst der Caritas. Ehrenamtliche Helferinnen, die eine 30-stündige Weiterbildung hinter sich haben, werden dabei in Familien entsandt, in denen Angehörige einen an Demenz erkrankten Verwandten zu Hause pflegen.

„Sie kann stundenlang erzählen“

„Sie kann stundenlang erzählen“, sagt Monika Dickmann. Zwei Mal in der Woche besucht die 60-jährige Pensionärin ein Ehepaar in den Siebzigern, bei dem die Frau seit drei Jahren an Demenz leidet und von ihrem Mann gepflegt wird. „Am liebsten berichtet sie von den gemeinsamen Schiffsreisen, die ihr Mann und sie unternommen haben.“ Diese Erlebnisberichte werden von dicken Bildbändern untermauert. „Ihr Mann hat bei jeder Reise, ob nun auf der Nordsee oder im Mittelmeer, eine Unmenge Fotos gemacht.“

Etwas anderes, woran die ältere Dame sich gern zurück erinnert, ist die Kinderlandverschickung während des Zweiten Weltkrieges . „Sie beschreibt dann mit großer Freude ihre Zeit im Schwarzwald.“ Keine Frage: Die Frau lebt vor allem in der Vergangenheit. „Das ist aber normal bei Demenzkranken . Die Vergangenheit ist das, was noch im Kopf vorhanden ist.“

Demenz - ein wachsendes Problem

Natürlich gibt es bei den Begegnungen auch das eine oder andere Hindernis. „Sie kann sich nie an mich erinnern“, sagt die ehrenamtliche Helferin. „Zwar merkt man, dass da eine gewisse Chemie zwischen uns besteht, aber die muss immer wieder aufs Neue angeschoben werden.“ Um das Eis zu brechen, hat Monika Dickmann ein festes Ritual. „Bei jedem Besuch frage ich sie nach dem Wochentag. Sie guckt dann auf die Fernsehzeitung und ist stolz, wenn sie die richtige Antwort gibt.“

Sorge um die Zukunft

Eine weitere Schwierigkeit besteht bei der Verständigung. „Beide Partner sind sehr schwerhörig. Man muss schon fast schreien, um sich zu unterhalten.“ Außerdem hat der Mann ein Leiden am Kehlkopf. Sprechen kann er kaum noch. „Er teilt sich mit, indem er einfach aufschreibt. Inzwischen kann ich aber auch etwas verstehen, wenn er versucht zu sprechen.“

Was Dickmann nachdenklich macht, ist die Frage, wie lange der Ehemann seine Frau noch alleine pflegen kann. „Er ist sehr besorgt um seine Frau und macht alles, was man sich vorstellen kann: Kochen, Waschen, Anziehen.“ Mit der Situation sei er dennoch überfordert. „Ihm schlottern schon mächtig die Knie, wenn er etwa ein Kaffeeservice von der Küche ins Wohnzimmer trägt. Ihm etwas abnehmen – das darf ich aber nicht.“ Da sei der Mann stur. „Er will das alles noch alleine machen und sich nicht helfen lassen.“

Lange könne es aber so nicht weitergehen. „Vielleicht merkt er auch nicht, wie sich sein eigener Zustand immer weiter verschlechtert“, zeigt sich Monika Dickmann besorgt. „Es ist höchste Eisenbahn, dass die beiden ambulante Hilfe bekommen. Sie sollen schließlich weiter in der eigenen Wohnung bleiben können.“

Nächste Fortbildung im September

„Die Angebote im ambulanten Bereich für Demenzkranke sind in unserer Stadt nicht ausreichend“, schildert Sabine Köther vom Caritas-Zentrum Osterfeld. Vor diesem Hintergrund wurde der häusliche Unterstützungsdienst im letzten Jahr ins Leben gerufen. „Sechs ehrenamtliche Mitarbeiterinnen sind aktuell in Familien mit Demenzkranken. Zwei weitere sind gerade im Übergang.“

Die Kosten für die Helfer werden von der Familienkasse übernommen. „Für ihre Tätigkeit bekommen sie eine Aufwandsentschädigung.“ Im September steht der nächste Fortbildungskurs an. Unter 9404211 kann sich melden, wer selbst helfen will oder Hilfe sucht.

Marcel Sroka

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