Das aktuelle Wetter Oberhausen 11°C
Subkultur

Punk im Pott - Festival zwischen Rebellion und Bürgertum

31.12.2012 | 14:00 Uhr
Nicht alles ist bierernst gemeint:2250 Fans rebellierten zwei Tage lang bei „Punk im Pott“.Fotos:Michael Dahlke

Oberhausen  2250 Fans kamen zu „Punk im Pott“, dem so ziemlich größten Hallenfestival für Punkmusik in Deutschland, grölten und feierten mit "Eisenpimmel", "Kotzreiz" oder den "Dödelhaien". 80 Besucher übernachteten im Bahnhof. Die meisten aber in Hotels: Was vom einstigen Bürgerschreck Punk geblieben ist.

Wenn es um die Punk-Bewegung geht, steht manchen Leuten direkt die Haarpracht zu Berge. Doch auch der einstige Bürgerschreck ist nicht mehr das, was er mal war. Eine ältere Frau weiß Bescheid: „Ach, die waren im vergangenen Jahr auch schon da.“ Ihre Begleiterin wird in den Eingangstüren des Hauptbahnhofs direkt aufgeklärt. „Das sind Punker, die fahren zur Turbinenhalle!“ Im nächsten Gesprächsfetzen geht es schon um die überfüllte Supermarktkasse vom Vormittag. Rund 80 Personen pellen sich am Samstagmorgen in der Bahnhofshalle aus ihren Schlafsäcken – die unkonventionelle Übernachtung sorgt für sparsam bemessenes Entsetzen.

Bands wie „Kotzreiz“ und „Eisenpimmel“

Zwei Tage rollen 2250 Fans mit Shuttlebussen zu „Punk im Pott“, so ziemlich das größte Hallenfestival für Punkmusik in Deutschland. Hier spielt alles, was in der ursprünglichen Szenen angesagt ist. Kein „Green Day“, keine „Toten Hosen“, die mittlerweile Anzugträger zu ihren Konzerten locken. Hier spielen „Kotzreiz“, „Vier Promille“, oder „Dödelhaie“.

Punk im Pott

Es gibt Musik bis in den frühen Morgen. Kutten mit Nieten, Buttons, gefärbte Haare. Die Szene hat sich seit der Anfangszeit in den 70er und vor allem 80er Jahren in ihrer Außenwirkung verändert, ist durch die Popkultur längst kein gesellschaftliches Marsmännchen mehr, doch auch nicht bis zur Unkenntlichkeit verwässert.

Rebellion als zeitloser Zeitvertreib

Rebellion ist scheinbar ein zeitloser Zeitvertreib. „Mittlerweile bekommen wir E-Mails von Oberhausenern, die uns beglückwünschen, dass wir die Stadt bunter machen“, sagt Alex Schwers, Organisator des Festivals und selbst einer der treibenden Köpfe der Punkmusik. Wie hat sich die Subkultur für ihn durch die Jahrzehnte gezogen? „Heute ist alles vielleicht etwas organisierter. In den 80er Jahren hätte so ein Festival wahrscheinlich nie funktioniert.“

Tatsächlich übernachten die meisten Festivalbesucher von außerhalb nicht am Bahnhof, sondern in Hotels und Pensionen. Schwers: „Es ist alles ausgebucht! Wir hatten schon Schwierigkeiten, noch manche Bands unterzubringen.“

Bürgerliche Bodenständigkeit hat aber noch immer ihre Grenze: „Eisenpimmel“ aus Duisburg sind beliebt. Bei ihrem Auftritt schwappen Bierduschen durch die Halle. Dunst, der jede Parfümerie in den Bankrott treiben würde, durchzieht die Luft. Fäuste hämmern gegen Zigarettenautomaten. Konsequentes Anrempeln gehört zum guten Ton. Mitgrölen sowieso. Die Band persifliert die Szene, nichts ist heilig oder bierernst gemeint. Das letzte Lied heißt „Wir fahren mit der Fotzenpimmelbahn“. „Dicke Eier Weihnachtsfeier“ wird diesmal nicht angestimmt.

Dirk Hein


Kommentare
01.01.2013
09:44
Punk im Pott - Festival zwischen Rebellion und Bürgertum
von dionte | #3

Auf den Fotos sind zum großen Teil nur Modepunks zu sehen und kaum jemand der vom Punk sein überzeugt ist.

31.12.2012
14:50
Punk im Pott - Festival zwischen Rebellion und Bürgertum
von Fassblender | #2

Naja, jeder Jeck ist anders und wir waren alle mal jung.

31.12.2012
13:31
Mhhhhhhhh
von StefanKaufmann | #1

Bei näherer Betrachtung des Fotos hege ich noch stärkere Zweifel an Norbert Blüms damaligem Spruch "die Rente ist sicher"

Dennoch, guten Rutsch :-)

Aus dem Ressort
Genossenschaft sagt Zweckbau Ade
Vorzeige-Siedlung
In Alsfeld baut die GWG eine moderne Siedlung ganz ohne Flachdach. Spitze Giebel, kleine Gemeinschaften, Barrierefreiheit, dazu ein qualitätvoller Ausbaustandard – das führt zu langen Wartelisten. 19 Millionen investiert der genossenschaftliche Bauherr in die sieben Mehrfamilienhäuser.
Das Buch eines Deutschland-Fans
Integration
Nader Aslamjar kam mit 20 Jahren aus Afghanistan nach Deutschland. Der 64-jährige Hausarzt hat das Land lieben gelernt. Nun hat der Sterkrader Arzt seine Geschichte aufgeschrieben – und seine Meinung zu Thilo Sarrazin: „Sein Buch wurde nur wegen zwei, drei dummer Aussagen verteufelt.“
Klitschko mag das Ruhrgebiet - Russland-Boykott trübt Freude
Box-Interview
Wladimir Klitschko setzt vor dem WM-Kampf am Samstag in Oberhausen gegen Alex Leapai auf die Unterstützung von Bruder Vitali. Im Interview spricht er über Grenzen bei Sport und Politik, Kritik an der sportlichen Qualität seiner Gegner und die Menschen im Ruhrgebiet.
Fahnder aus Oberhausen legen Fälscher-Bande das Handwerk
Ermittlungserfolg
Der Polizei in Oberhausen ist ein Schlag gegen eine kriminelle Fälscher-Bande gelungen. Fast ein Jahr hatten die Beamten ermittelt, bevor sie den Fälschern das Handwerk legen konnten. Vier Männer sind festgenommen worden. Sie sollen viel Geld mit gefälschten Ausweisdokumenten ergaunert haben.
Klitschkos brisanter Kampf zwischen Sport und Politik
Box-WM
Am Samstag blickt die Welt auf das Boxduell von Weltmeister Wladimir Klitschko und Gegner Alex Leapai in der Oberhausener Arena. Zuvor trafen die beiden Kontrahenten beim Showtraining im Centro aufeinander. Bruder Vitali Klitschko reist zu „99 Prozent“ aus der Ukraine an.
Fotos und Videos
LVR-Museum
Bildgalerie
Geschichte
Kreuzweg auf Halde Haniel
Bildgalerie
Karfreitag
Gewerbegebiet Erlengrund
Bildgalerie
Straßen in Oberhausen