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Plagiatsvorwürfe gegen Oberhausener Comic-Zeichner

03.07.2012 | 09:00 Uhr
So sehen die Zeichnungen von Comic-Künstler Andreas Heinze aus, der zurzeit eine Ausstellung im Bert-Brecht-haus hat, wird Plagiat vorgeworfen. Er soll bei Jamiri abgeguckt haben.Foto: Ulla Emig

Oberhausen.   Hat der Künstler "Flauteboy" alias Andreas Heinze beim bekannten Comic-Zeichner Jamiri abgekupfert? Diese Debatte begleitet derzeit Heinzes Ausstellung im Bert-Brecht-Haus in Oberhausen. Der Künstler gibt zwar zu, einen ähnlichen Stil wie Jamiri zu benutzen, betont aber: "Ich bin kein Plagiator."

Andreas Heinze, Künstlername „Flauteboy“ oder manchmal schlicht „Petra“, versteht die Welt nicht mehr. Derzeit ist eine Ausstellung von ihm im Foyer des Bert-Brecht-Hauses zu sehen. Es sind Comic-Bilder, die auf Fotos basieren und Geschichten aus seinem Leben erzählen. Damit hat er sich nun in Internetforen einigen Ärger zugezogen.

Der Vorwurf: Er soll beim Zeichner Jan-Michael Richter, vielen besser bekannt als Jamiri, abgekupfert haben. Im Gespräch mit unserer Zeitung verteidigt sich Heinze: „Ich bin kein Plagiator.“

Geschichten basieren auf Fotos

Die Ähnlichkeiten sind frappierend. Auf den Zeichnungen im Bert-Brecht-Haus sieht man das Ebenbild von Heinze, wie er vor dem Gasometer steht oder am Schloss vorbeistreift. Dann wieder hockt er vor seinem Rechner und arbeitet auf seinen Bildern an einem neuen Comicstreifen. Auch Jamiris Geschichten stellen ihn in den Mittelpunkt. Beide bauen sich selbst, die Freundin und einen Hund in die Handlung mit ein. Bei Jamiri ist der Hund weiß, bei Heinze handelt es sich um einen Dobermannmischling. Das sei keine Kopie, findet er. Die Fotos werden am Computer mit Hilfe eines Stifts verarbeitet und zu Comics weiterentwickelt. So wirken die Zeichnungen täuschend echt.

„Wir benutzen die gleiche Technik, das ist erlaubt“, findet der 43-jährige Heinze. Sogar die Schriftart, in der die Dialoge notiert sind, scheint gleich. „Das ist irgendeine Schriftart“, wiegelt er ab. Er male seit vielen Jahren, arbeite als freiberuflicher Illustrator. Die Schau im Bert-Brecht-Haus ist allerdings seine erste Ausstellung. „Für unbekanntere Künstler ist es schwierig, so eine Plattform zu bekommen“, verteidigt er sich, dass er ausgerechnet diese Bilder und nicht etwa seine europäischen Mangazeichnungen, die es auch von ihm gibt, ausstellt. Von der heftigen Debatte via Internet sei er überrascht worden. Momentan stehe er über einen Bekannten mit Jamiri in Kontakt.

Gesprächstermin geplant

„Die Bilder sind handwerklich gut gemacht, der kann was. Allerdings stellt sich natürlich die Frage, warum er nicht sein eigenes Ding macht“, sagt Jamiri. Seit 20 Jahren ist er im Geschäft, hat schon neben seinem Studium die ersten Comics gezeichnet und seinen Stil über all die Jahre entwickelt. Inzwischen erscheinen seine gezeichneten Kolumnen bundesweit im Studentenmagazin „Unicum“ oder auf Spiegel-Online. „Ich habe viel herumprobiert und hatte vielleicht auch Glück, dass meine Zeichnungen dann entdeckt worden sind.

Jamiri: Oeyn Returns

Das Argument, dass junge Künstler kaum Ausstellungsmöglichkeiten haben, will der Essener nicht gelten lassen. „Es gibt unzählige Kunst-Blogs, die man für Veröffentlichungen nutzen kann. „Es gibt aber auch viele fotobasierte Comics, die ganz andere Geschichten erzählen.“ Manchmal bekommt Jamiri von seinen Fans selbstgemalte Comics geschickt.

Wenn sie sich von ihm inspirieren lassen und die Bilder privat verwenden, dann hat er dagegen nichts. Doch bei Heinze gebe es einfach zu viele Ähnlichkeiten. Demnächst soll es einen Gesprächstermin geben, bei dem Unklarheiten ausgeräumt werden sollen. Jamiris Verlag und Auftraggeber machen Druck, damit die Sache geklärt wird. Er erwägt rechtliche Schritte gegen den Oberhausener.

Heinze, dessen Bilder noch bis zum 20. Juli zu sehen sein werden, will hingegen weitermachen. „Alles andere würde ja so aussehen, als würde ich einknicken. Das sind meine Bilder und Geschichten“, gibt er sich unnachgiebig.

Fabienne Piepiora



Kommentare
04.07.2012
17:57
Plagiatsvorwürfe gegen Oberhausener Comic-Zeichner
von KilgoreTrout | #3

Fotocomics gibt es seit einem halben Jahrhundert, autobiografisches aus dem täglichen Leben ebenfalls.Seit jeher baut die Arbeit von Künstlern aufeinander auf.
http://www.undergroundcomix.de/index.php/neuigkeiten/item/372-mutant-monster-beach-party

04.07.2012
16:40
Plagiatsvorwürfe gegen Oberhausener Comic-Zeichner
von ugm | #2

Anders als im Blog der Rufmord(Ruhr)Barone kommen in diesem Artikel wenigstens beide Comiczeichner mal zu Wort. Bin gespannt, was bei dem Gespräch der beiden herauskommt.

03.07.2012
15:17
Plagiatsvorwürfe gegen Oberhausener Comic-Zeichner
von svend4 | #1

Einknicken Herr Heinze, es ist peinlich und stilistisch identisch.
Da ist nichts zufällig ähnlich!

1 Antwort
Plagiatsvorwürfe gegen Oberhausener Comic-Zeichner
von KilgoreTrout | #1-1

Soll nach Ihrer Meinung nur je ein Künstler einen bestimmten Stil ausüben dürfen? Nur ein einziger Kubist, ein einziger Ligne Claire Zeichner, ein Vertreter der École Marcinelle, einer des Nierentisch-Stils, nur eine Noir-Stil u.s.w. ?
Wenn Anwälte Ausstellungen Abbrechen können, weil jemand so ähnlich zeichnet, wie ein erfolgreicherer Anderer, ist es um die künstlerische Freiheit geschehen.
Dann könnte bald jede Band sagen: Die haben zwar andere Texte und Melodien aber der Sound dieser Band ist unserem zu ähnlich - Verbieten!

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