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Weg von den Druckfarben, rein in die Natur

28.06.2012 | 18:13 Uhr
Weg von den Druckfarben, rein in die Natur
Nach über 50 Jahren will er jetzt den Ruhestand von Setz-Buchstaben und Druckmaschinen genießen: Fritz Althaus schließt am 30. Juni 2012 seine Druckerei mitten in Medebach. Foto: Sonja Funke

Medebach. Ein Blick genügt. Hier ist - bis auf ein paar Farbkleckse auf dem Boden - alles aufgeräumt. Der Schreibtisch ist ordentlich, die Maschinen sind geputzt, Buchstaben liegen in ihren Kästen. Und auch Fritz Althaus wirkt geordnet. Seine Entscheidung steht fest: Am 30. Juni schließt er seine Druckerei im Medebacher Zentrum. Bis zum letzten Tag, also morgen, will er aber noch fleißig drucken: Prospekte, Vordrucke, Formulare und Hochzeitseinladungen, aber wahrscheinlich auch die ein oder andere Trauerkarte.

Dieser Mann ist in Medebach eine Institution. Seit 50 Jahren ist er Anlaufstelle für alle Drucksachen - und auch für die WP-Anzeigen. Wer im Juli damit für ihn weitermacht, daran wird noch gefeilt. Für Trauernde hat Althaus mit Johanna Müllenhoff eine Nachfolgerin gefunden. Die neue Inhaberin in der Buchhandlung Beuse in der Niederstraße 28 will diesen Bereich weiterführen. Aber Betriebe aus der Region, denen Althaus zum Beispiel Formulare gedruckt hat, müssen sich dann jemand anderes suchen.

Ein Blick in die Druckerei direkt hinter dem neuen Medebacher Rathaus ist gleichzeitig ein Streifzug durch die Buchstaben-Geschichte. Eine klassische Buchdruck-Maschine findet sich zentral im Raum. Dahinter: Unzählige Schubladen mit Bleibuchstaben. „Die brauche ich schon lange nicht mehr, aber ich konnte auch nicht einfach alles weg tun“, sagt der gelernte Schriftsetzer. Das Blei wurde durch den Fotosatz ersetzt - der so genannte „Offset-Druck“ kam, wieder neue Maschinen und wieder und wieder. Ein Drucker, bzw. gelernter Schriftsetzer, lernt nie aus. Und er hat genügend Arbeit: „Der Laden hat immer gebrummt.“ Zu tun hatte und hat er sogar mehr als genug. „Rechnen Sie mal nach, draußen an der Tür hängen meine Geschäftszeiten aus. Da kommen Sie auf 49 Stunden, ohne Samstagnachmittag und Sonntagmorgen fürs Büro!“

Manchmal habe sein Vater nachts um elf runtergerufen, er solle Schluss machen. Und ein langjähriger Kunde habe ihm mal einen Spruch geschenkt. „Mit Arbeit ist es so auf Erden, sie kann sehr leicht zum Laster werden! Du kennst die Blumen nicht, die duften, Du kennst nur Arbeiten und Schuften! So geh’n sie hin, die schönsten Jahre, bis endlich liegst Du auf der Bahre, und hinter Dir da grinst der Tod, kaputt malocht, Du Idiot!“ Der hängt nun an der Tür.

Unzufrieden oder gar krank wirkt der künftiger Ruheständler aber keineswegs aufgrund seines arbeitsreichen Lebens, denn er war doch auch immer sein eigener Herr. „Zeitlicher Druck kam nur vom Kunden.“ Der war gerade um Weihnachten und das Jahresende herum nicht ohne: Karten, Broschüren fürs nächste Jahr oder - noch schnell wegen der Steuer - ein paar Formulare gedruckt. „Den Stress wollte ich mir in diesem Jahr nicht mehr antun.“

Und darum schließt der 65-jährige auch schon am 30. Juni. Seine Maschinen und alles andere aus der Druckerei nimmt ein Verwerter-Unternehmen mit. „Ich werde dann Fahrrad fahren, zu meinem Kegelclub gehen, Skat spielen und meine Enkel verwahren“, freut er sich auf ein Leben ohne „Druck“ in zweifacher Hinsicht. Schon jetzt fragten seine Freunde, allesamt Ruheständler, was er denn noch in der Druckerei mache. Seine Frau freut sich auf die Löcher, die er demnächst bei Renovierungsarbeiten in die Wände der Wohnung bohrt. „Das habe ich bis dato gemacht“, meint sie augenzwinkernd. „Na ja, nicht alle!“, kontert ihr Ehemann.

Meister im Fehler finden

Den Kunden wird Fritz Althaus auf jeden Fall fehlen. Für sie war er DIE Anlaufstelle, wenn sie heiraten wollten oder einen Angehörigen betrauern mussten. „Vermählungs-Karten haben besonders viel Freude gemacht. Dann kommen die hier rein, voller Euphorie, Küsschen hier, Schätzchen da und man freut sich mit.“ Aber er weiß auch: „Ein Maler kann drüberpinseln. Ein Fehler auf meinen Karten und ich kann alles neu machen!“ So etwas vergisst man nach 50 Jahren im Berufsleben nicht - und er wird wohl weiter Fehler in Druckwerken finden. Nur müssen dann andere korrigieren, während er sich wohlverdient auf den Drahtesel schwingen kann.

Wir sagen: Viel Spaß dabei!

Von Sonja Funke

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