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Hallenberger ist an der Waterkant bekannt

07.08.2009 | 16:39 Uhr
Hallenberger ist an der Waterkant bekannt

Hallenberg. Wer, zum Klabautermann, ist Freddy Albers? Halb Freddy Quinn, halb Hans Albers? Und warum singt er morgen bei der Naturbad-Eröffnung in Hallenberg? Viele Fragen, viele Antworten. Und das kam so:

Hallenberg. Wer, zum Klabautermann, ist Freddy Albers? Halb Freddy Quinn, halb Hans Albers? Und warum singt er morgen bei der Naturbad-Eröffnung in Hallenberg? Viele Fragen, viele Antworten. Und das kam so:

Wann genau die Arbeiten für das neue Freibad abgeschlossen sein würden, das konnte Bürgermeister Michael Kronauge vor zwei Wochen noch nicht absehen. Natürlich soll es zur Eröffnung Musik geben. Doch das eigentlich vorgesehene Jugendblasorchester kann am Sonntag nicht spielen, weil viele Musiker bei der Freilichbühne mitmischen. Da ist guter Rat teuer.

Aus Sundern flattert ihm eine Einladung zu einer Veranstaltung am Sorpesee ins Haus. Dort tritt ein gewisser Freddy Albers auf. Ein kleines Foto des Künstlers ist ebenfalls abgedruckt. „Der Brief lag schon im Papierkorb, als ich nochmal auf das Bild geschaut habe: Mensch, den kennst Du doch! Ist das nicht der Carsten?” Flugs tippt der Bürgermeister „Freddy Albers” in die Internetsuchmaschine ein und - Bingo!

Nahe am Nuhnestrand

Der vermeintliche Junge von der Waterkant heißt Carsten Hesse, ist 38 Jahre alt, gelernter Großhandelskaufmann, gebürtiger Hallenberger und arbeitet bei Borbet in der Abteilung TÜV-Gutachten. Er wohnt ziemlich genau 100 Meter Luftlinie vom neuen Naturbad entfernt. Lieder vom Meer und ein Freibad - das passt! Rasch ist der Kontakt geknüpft und Freddy, äh Carsten, sagt zu. Warum schließlich immer „Unter fremden Sternen” singen?

Vollblutmusiker

Carsten Hesse ist absoluter Vollblutmusiker. Er braucht keine Noten, bei ihm kommt die Musik aus Bauch und Seele. Seine Großmutter spielt und singt damals zur Gitarre, seine Mutter ist 30 Jahre in verschiedenen Bands aktiv gewesen und sein Vater hat eine riesige Plattensammlung gehabt. Klar, dass Carsten vom Musikvirus infiziert wird, sich Gitarre, Ukulele und Klavier selbst beibringt. Mehr als 2000 CDs, 600 Musik-DVDs, 13 Gitarren, 7 Ukulelen und ein Klavier nennt er sein Eigen. Seit mehr als 15 Jahren ist er solo und mit verschiedenen Formationen deutschlandweit unterwegs. „Mit der Rock'n'-Roll-Band ,The Wanderers' haben wir in den Neunzigern in Hallenberg gespielt sowie Silvester mehrmals in der Stadthalle Winterberg. Auch mit den ,Lords', ,Hot Chocolate' und auf dem Hessentag mit Suzie Quattro und Ted Herold waren wir auf der Bühne.”

Dass der Carsten eine Mörder-Hammer-Stimme hat, das wissen viele. Ob Elvis, Sinatra, Engelbert oder Dean Martin - gäbe es noch Rudi Carrell mit seiner Show um begnadete Gesangstalente - Carsten hätte den Treppchenplatz sicher. Drei- bis viermal im Jahr tritt er mit einer 18-köpfigen Band aus Wiesbaden auf, im Hotel „Grimmeblick” in Elkeringhausen ist er regelmäßig mit seiner Show „A touch of Las Vegas” zu hören. Die Sache mit den Seemannsliedern ist aber neu und im Sauerland bis dato völlig unbekannt.

Per Zufall

„Das kam mehr durch Zufall. An einem Abend habe ich gemerkt, wieviel Spaß das Publikum an der Musik von Freddy Quinn und Hans Albers hat. Ende 2007 bin ich an die Original Begleitmusik, also Halbplaybacks, von Freddy gekommen und ich stellte fest: Mensch, das macht noch keiner.” Carsten Hesse geht mit großer Sorgfalt an die Interpretation heran. Für die Hans-Albers-Stücke lässt er sich eigens von einem Profi-Musiker die Instrumenalplaybacks erstellen. Die kosten immerhin um die 130 Euro pro Song. In der Tat klingt die Musik sehr authentisch und handgemacht. Hinzu kommen Freddys gerolltes „R” und der wehmütige Oktav-Kicks in der Stimme oder die für Hans Albers nicht immer ganz treffsichere Intonation. Verblüffend!

„Auf der Reeperbahn nachts um halb eins” ist Freddy Albers längst kein Unbekannter mehr. Im „ Hamborger Veermaster”, dem ältesten Speise- und Stimmungslokal auf der Reeperbahn, ist er gern gesehener Gast.

„Mensch Freddy, Du hast mir heute Abend ein Stück meiner Jugend zurückgegeben.”

„Trotz Vergnügungsmeile ist das ein sehr aufmerksames Lauschpublikum. Neulich kam ein älterer Herr mit Tränen in den Augen zu mir uns sagte: Mensch Freddy, Du hast mir heute Abend ein Stück Jugend zurückgegeben.” Aber auch in Rostock oder auf Rügen kennt man inzwischen den Freddy aus dem Sauerland.

Carsten Hesse hat zwar immer ein Augenzwinkern unter der Kapitänsmütze. Aber er macht keine Parodie auf die Schlager- und Pop-Größen. Obwohl er z.B. verteufelt echt wie Elvis klingt, würde er es niemals wagen, ihn in seiner Körpersprache zu imitieren. „An den King kommt keiner ran. Da kriege ich die Krise, wenn ich so etwas sehe. Ich Singe lieber seine Balladen, bei denen ich stimmlich Power geben kann.”

Authentisch

Ähnlich ist das mit Hans Albers und Freddy. Außerdem legt der 38-Jährige großen Wert auf die Optik. Bei einem Mützenmacher in Hamburg hat er mehrere Kapitänskappen mit aufwändigen Accessoires in Auftrag gegeben. Auch als Dean Martin oder Sinatra braucht er entsprechendes Outfit. All das kostet. Aber Carsten Hesse macht das Ganze ungemein Spaß. „Bei einem Auftritt an der Ostsee hat man mich als ,Kapitän der guten Laune' angekündigt. Das hat mir gefallen”, sagt er. Und dass ihm das Publikum „Junge, komm bald wieder!” zuruft, ist doch auch ein gutes Zeichen!

www.freddy-albers.de

Thomas Winterberg

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