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Improvisationstheater

Muskelkater für das Zwerchfell

29.10.2010 | 16:49 Uhr
Muskelkater für das Zwerchfell
Ein Besuch beim Zahnarzt a la Volksmusik.

Werdohl. Was für ein fulminanter Start in die Kulturbogensaison 2010/11! Mit der Verpflichtung des Improvisationstheaters „3 Kölsch ein Schuss“ hatten die Verantwortlichen des Werdohler Kulturamtes punktgenau den Nerv des Publikums getroffen.

Zwerchfellmuskelkater dürften wohl alle noch heute haben, die am Donnerstag den Weg in den Festsaal Riesei fanden. Dort nämlich feuerten am Abend die bei den „Springmäusen“ beheimateten Allround-Könner Axel Strohmeyer, Franco Melis und Betty LaMinga, die spontan für die erkrankte Susanne Pätzold eingesprungen war, auf der Bühne ein wahres Feuerwerk bester Unterhaltung ab.

Begleitet von Bernd Budden an Keyboard und Klavier, tauchten sie auf Zuruf des Publikums auf aberwitzige Weise in unterschiedlichste Rollen ein.

Improvisierter Disput mit Lokalkolorit

Dabei begeisterten die drei Künstler gleichermaßen mit ihrem komödiantischen, dramaturgischen und stimmlich-musikalischen Können. Ob bei einer emotionsgeladenen Begegnung von Fahrgast und Kartenkontrolleur in der U-Bahn, Hummeldiskuswurf-Trainer im Interview oder dem Bewerbungsgespräch eines angehenden Handelsfachpackers blieb bei den Gästen im Festsaal Riesei kein Auge trocken. Aberwitzig erzählt wurde der Besuch eines Schmerzpatienten beim Zahnarzt, zunächst in gesprochenem Wort, dann als tragende Oper, cooler Rap und in bayerischer Volksmusikmanier. Ganz besonderes Vergnügen bereitete auch der zwischen Franco Melis und Axel Strohmeyer spontan improvisierte Disput mit Werdohler Lokalkolorit pro oder contra Radwegbrücke über die Lenne, bei der die urkomische Betty LaMinga als Gebärdendolmetscherin fungierte. Einfach klasse war, dass neben dem restlos begeisterten Publikum auch das Kölner Ensemble sichtlich Vergnügen am Improvisieren und Austausch mit seinen Gästen hatte. Wie sonst hätte die Veranstaltung, die eigentlich auf zwei Stunden angesetzt war, satte 45 Minuten länger dauern können. „Für mich hätte es noch eine Stunde länger gehen dürfen“, lautete beim Hinausgehen der Kommentar einer Besucherin, der rundum auf zustimmendes, vehementes Kopfnicken stieß.

Barbara Schwetz-Schäfer

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