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Rekordeinnahmen beim Finanzamt

08.02.2012 | 16:41 Uhr
Rekordeinnahmen beim Finanzamt
Zahlreiche Erklärungen sind beim Finanzamt bereits eingegangen und warten auf Bearbeitung: Norbert Götte, Elke Heitmeier und Martin Frerich (v.l.) vor dem Aktenschrank.

Lippstadt.   Das Finanzamt Lippstadt hat 2011 mit 604,5 Millionen Euro so viele Steuern wie noch nie eingenommen. Und 2012 könnten es noch mehr werden.

Wäre es ein normales Wirtschaftsunternehmen, gälte es den höchsten Umsatz in der Firmengeschichte zu bejubeln. Aber auch beim Finanzamt freut man sich über das Top-Gesamtaufkommen in Höhe von 604,5 Millionen Euro.

Denn dieser Wert, der den bisherigen Höchststand von 1994 mit (umgerechnet) 603,1 Millionen Euro übertrifft, zeigt, dass die Wirtschaft in Lippstadt, Erwitte, Anröchte, Geseke, Warstein und Rüthen im vergangenen Jahr gebrummt hat. Die Gesamtsumme aller Steuern stieg innerhalb eines Jahres um 4,9 Prozent oder 28,3 Millionen Euro. Damit liegen die Lippstädter, die die Erklärungen von 17 000 Unternehmen, Selbstständigen und Gemeinschaften, 40 000 Arbeitnehmern und 900 Vereinen bearbeiten, deutlich über der Steigerung des Schnitts der Oberfinanzdirektion Münster (plus 2,88 Prozent).

Den größten prozentualen Sprung machte die Körperschaftssteuer, nämlich 9,75 Prozent. Der absolute Wert liegt allerdings „nur“ bei 19,64 Millionen Euro. Die Zahlen zeigen, dass sich die Wirtschaft nach der Krise erholt hat – der Wert des Jahres 2009 (26,2 Millionen Euro) konnte allerdings noch nicht wieder erreicht werden.

Haupt-Einnahmequelle ist auch beim Finanzamt Lippstadt die Lohnsteuer, die um 21,6 Millionen oder 8,1 Prozent auf 286,6 Millionen Euro stieg: Kurzarbeit gibt es praktisch nicht; der Arbeitsmarkt entwickelt sich hingegen in Richtung Vollbeschäftigung.

Die Umsatzsteuer steigerte sich 2011 „nur“ um 4,9 Millionen (2,5 Prozent) auf 201,6 Millionen Euro. Die Erklärung liefert der Vorsteher des Finanzamtes, Leitender Regierungsdirektor Norbert Götte: „Boomjahre sind Exportjahre“. Hella und Co. liefern viele Waren ins Ausland, wofür keine Umsatzsteuer anfällt; hingegen wird Material eingekauft, bei dem Vorsteuer abgezogen werden kann. Und außerdem wurde fleißig investiert.

Zurück gegangen ist hingegen die Summe der Einkommensteuer, und zwar um 7,42 Prozent (4,9 Millionen Euro) auf 61,68 Millionen Euro. Hintergrund: In einigen wenigen Fällen wurden deutlich zu hohe Vorauszahlungen geleistet, die nun im vergangenen Jahr zu Erstattungen führten.

Einnahmen sprudeln

Götte wagt die Prognose, dass auch in diesem Jahr die Steuereinnahmen weiter sprudeln werden und ein neuer Top-Wert beim Gesamtaufkommen erzielt werden kann. Und zwar vornehmlich aufgrund einer weiterhin prosperierenden Wirtschaft, aber auch, weil man bei den Steuererklärungen wieder genau hinschaut: In diesem Jahr wird nicht nur die Rentenbesteuerung genauer unter die Lupe genommen, sondern auch ein weiteres Mal die „Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte“. Nachdem 2011 Strecken ab 50 Kilometern überprüft wurden, sollen diesmal die Strecken bereits ab 35 Kilometern genauer kontrolliert werden. Dass sich das lohnt, zeigt ein krasser Fall, den Regierungsdirektorin Elke Heitmeier betreute: Die Strecke nach Bochum war zu lang angegeben, und anstatt der angegebenen 300 Fahrten waren es am Ende nicht einmal halb so viele.

Wer übrigens auf eine schnelle Steuererstattung hofft, dürfte einmal mehr enttäuscht werden. Dauerte es im vergangenen Jahr bis zu sechs Monaten (weil die Computer zunächst nicht fit waren), wird es diesmal nur etwas weniger sein, da die Finanzbeamten (in Lippstadt 158 Mitarbeiter, vier weniger als vor einem Jahr) zunächst abwarten müssen, bis Ende Februar die erstmals zentral erhobenen Daten für Krankenkassen, Renten und Altersvorsorge übermittelt worden sind.

Gleichwohl bittet Götte die Steuerbürger darum, von Nachfragen abzusehen, da diese Zeit für die Bearbeitung von Steuererklärungen fehlt. Aus diesem Grund hat auch das Bürgercenter mittwochs geschlossen. Die einfachste Kommunikation: Steuererklärung mit dem Elster-Programm (für Selbstständige in diesem Jahr Pflicht), benötigte Unterlagen per Post. Götte: „Schriftlich haben wir Sie am liebsten!“

Manfred Böckmann

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2012-02-08 16:41
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