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Senioren im Ehrenamt

Plötzlich kümmert sich da jemand

16.12.2009 | 19:00 Uhr
Plötzlich kümmert sich da jemand

Lippstadt. Seit heute sind sie mit an Bord: In den Stadtbussen der RLG in Lippstadt fahren Busbegleiter mit — es sind Senioren, die sich ehrenamtlich für andere Senioren einsetzen.

Erkennbar sind sie an den blauen Westen mit dem Aufdruck „Busbegleitung”, notfalls können sie sich auch ausweisen. Dieter Schade, Franz Kückmann und Mateo Llorens aus Lippstadt, Bernd Bohle aus Rixbeck, Rudi Michaelis aus Erwitte-Stirpe und Klaus Obermeier aus Geseke-Ehringhausen sind die ersten sechs Freiwilligen. Zunächst mittwochs und samstags, also an den Markttagen, sowie jeden zweiten Donnerstag im Monat zum Krammarkt fahren sie zur Hauptverkehrszeit von 8 bis 12 Uhr mit. 

Die Idee, Älteren bei der Nutzung von Bussen zu helfen, kam im Seniorenbeirat auf, wurde dann Ende 2008 konkreter verfolgt im Rahmen der Netzwerkarbeit des Bundesprogramms „Aktiv im Alter” und jetzt schließlich als erstes Projekt vom neuen „Büro für bürgerschaftliches Engagement” der Stadt Lippstadt umgesetzt. Die Ruhr-Lippe Gesellschaft griff natürlich zu: „Eine super Sache”, meinte Udo Spiekermann vom Verkehrsmanagement der RLG. Schließlich würden die Fahrgäste immer älter. Der Wunsch nach Hilfe beim Einstieg in den Bus und bei der Begleitung zum Sitzplatz sei immer wieder von Senioren geäußert worden. 

Bürgermeister Christof Sommer sieht „unglaublich viel Potenzial” in der Möglichkeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Er ist froh, dass die „Herzensangelegenheit” von Senioren jetzt erfüllt wird und ist schon ganz gespannt auf die Erfahrungen, die die Busbegleiter machen werden.  

Heute waren die Fahrgäste zunächst einmal sehr überrascht, dass sich da jemand kümmere, berichtete Dieter Schade — „und dann sehr dankbar”: Die Älteren kommen einfacher in den Bus hinein, und einfacher wieder heraus. Die Busbegleiter heben Einkäufe hinein, ebenso Kinderwagen, helfen jenen, die auf einen Rollator angewiesen sind, achten darauf, wenn die gewünschte Haltestelle erreicht ist und sorgen gegebenenfalls für das Anhalten des Busses. Bemerkenswert sei gewesen, fiel Schade auf, dass junge Leute auch sofort helfen wollten, als sie die Älteren bei der Arbeit sahen. 

Die Busbegleiter sind zuvor von der RLG in den Busbetrieb eingewiesen worden, außerdem machten sie beim Roten Kreuz einen Erste-Hilfe-Kursus. Eingesetzt werden sie jetzt zunächst einmal auf jenen Linien im Stadtgebiet, die von den meisten Älteren genutzt werden. An eine Ausdehnung auf die Ortsteile wird schon gedacht.  Zwischen 65 und 77 Jahre sind die Busbegleiter selbst alt. Sie sehen ihren Beitrag darin, zur Mobilität und Selbstständigkeit im Alter beizutragen — schließlich müsse eine Busfahrt kein Kraftakt sein. Der Älteste ist Franz Kückmann. Sein uneigennütziges Motiv: „Ich bin dankbar, das ich gesund bin und noch helfen kann.” 

Ansprechpartnerin im Büro für bürgerschaftliches Engagement ist Anita Polder,  02941 / 980 681. Dort können sich weitere Bürger melden, die sich engagieren möchten — vielleicht auch als Busbegleiter.

Jürgen Kortmann

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