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Landhaus bekommt seine Seele zurück

29.04.2010 | 19:00 Uhr
Landhaus bekommt seine Seele zurück

Kallenhardt. Das letzte Bier wurde hier ungefähr vor vier Jahren gezapft. Jetzt kommt wieder Leben ins „Landhaus Heide”. Denn zwei Holländer sind in Kallenhardt gelandet: Robert Everts, ehemals Test-pilot bei Fokker, und seine Frau Monique, ehemals Stewardess bei der KLM.

Morgen findet ab 11 Uhr die Eröffnung mit geladenen Gästen statt — ja, parallel zum „Königinnentag”, dem hohen Feiertag in den Niederlanden. Morgen, zum deutschen Feiertag am 1. Mai, erwacht das Landhaus dann für alle Besucher erstmals wieder aus seinem Dornröschenschlaf.

Kallenhardts Ortsvorsteher Ditmar Kruse ist „sowas von froh”, dass sich zwei mutige, sympathische und humorvolle Betreiber gefunden haben — und er ist „sowas von den Socken”, was die schon verwirklicht haben: „Das Haus bekommt wieder eine Seele.” Diese ist nämlich in der Vergangenheit abhanden gekommen. Viele Pächter versuchten sich an dem ehemaligen Haus Eickhoff, für das es auch mal Pläne für ein Hotel oder ein Altenheim gab. Nichts wurde daraus. Die letzten Jahre stand es leer, kam herunter. „Das war kurz davor, eine Ruine zu werden”, sagt Kruse. 

Bis die Everts kamen. Seit sieben Jahren ist Robert Everts Rentner. Mit seiner Frau spielte er mit dem Gedanken, in Deutschland Gastronom zu werden. Am Flughafen in Korbach wollten ihnen Freunde eigentlich die Betreuung des Geländes überlassen — da kamen sie am Ende aber eine Woche zu spät. „Dadurch wurden wir aber überhaupt erst aufs Sauerland aufmerksam”, sagt Robert Everts. Bei der Suche im Internet fanden sie im Januar 2008 dann schließlich das 5000 Quadratmeter große Grundstück samt Landhaus, Baujahr 1928, in Kallenhardt: „Glücklicherweise wusste das Navi, wo Kallenhardt war”, schmunzelt Everts. Obwohl das Gelände in einem so desolaten Zustand war, war es die berühmte Liebe auf den ersten Blick. „In den ersten fünf Minuten wussten wir: Das ist es”, erinnert sich Monique Everts.

Im Dezember 2008 zogen sie endgültig vom Ijsselmeer, aus dem Dörfchen Andijk, fort.  In Kallenhardt fanden sie blitzschnell eine neue Heimat: „Wir haben uns hier vom ersten Tag an wohlgefühlt.” Sie schwärmen immer noch: „Mensch, ist das hier schön.” Beide sind ganz offiziell (beim Heidefest im letzten Jahr) als „Heidekinder” getauft, beide feierten im letzten Jahr das komplette Schützenfest mit durch, sie spielt inzwischen in Warstein Tennis. Nein, sagen beide: Die Sauerländer seien auch nicht stur — man müsse ihnen nur offen begegnen. Dann kommt es eben auch zu solchen Begegnungen, als sich Robert Everts eines Tages beim Herrichten des Geländes plagte, und Landwirt Franz-Josef Teutenberg mit seinem funkelnagelneuen Trecker neben ihm hielt, und sagte: „Damit geht es leichter.” Everts Einwand, er habe so einen Trecker aber noch nie bedient, konterte der Landwirt trocken: „Wenn du fliegen kannst, dann kannst du auch mit diesem Ding...” 

Zwei Jahre lang werkelten die Holländer an dem Landhaus. Auch von einem wirtschaftlichen Erfolg mit ihrem Angebot aus Kaffee und Kuchen sind sie überzeugt: Nur ein paar hundert Meter von der Sauerland-Waldroute entfernt gelegen, warten sie nun auf Wanderer und Radfahrer, die an dem Landhaus eine Pause einlegen. Der Thekenraum ist ebenso hergerichtet, wie der Speisesaal (mit rot-karierten Gardinen) und der Biergarten draußen. Schnitzel wird's nicht geben, dafür original holländische „Pannenkoeken” — Pfannkuchen in allen Variationen. Eine Renaissance erlebt auch Eickhoffs „Heidebecher” (Heidelbeeren, zwei Sorten Eis, Eierlikör, Mandeln und Sahne); Nachbarin Luzie Eickhoff bringt Monique Everts auch schon eifrig bei, deutsche Kuchen zu backen. Robert und Monique Everts stecken voller Tatendrang. Sie denken schon an eine Phase 2 — nächstes Jahr sollen vier Fremdenzimmer entstehen. Und an Phase 3: Eine Ferienwohnung, irgendwann... 

Geöffnet ist das Landhaus Heide freitags, samstags und sonntags von 11 bis 21 Uhr (die Küche ist von 11.30 bis 19.30 Uhr offen).

Jürgen Kortmann

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