Heimat Soest lag ihm am Herzen
06.02.2012 | 17:29 Uhr 2012-02-06T17:29:00+0100
Soest.Trauer um Hans Rudolf Hartung: Der Jurist, Journalist und Publizist starb am Samstag völlig unerwartet mit 82 Jahren.
Geboren 1929 in Münster, verbrachte er seine Kindheit bis 1938 in Brilon; seit 1938 lebte er in Soest. Seine journalistische Laufbahn begann Hartung direkt nach dem Abitur 1949 bei der Westfalenpost als einer der ersten Volontäre: Seine zweijährige Lehrzeit verbrachte er in Soest und Siegen, wurde 1951 Lokalredakteur der WP in Olpe und Soest.
Ein Jahr später nahm er das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn auf, wobei er auch Volkswirtschaft, Geschichte und Kunstgeschichte integrierte. 1955 legte Hans Rudolf Hartung das juristische Staatsexamen am Oberlandesgericht Hamm ab. Anschließend wollte er zurück zur WP; der Chefredakteur wollte ihn in die Redaktion Hamm schicken – doch das missfiel Hartung, und er orientierte sich anders.
1956 folgte so der Dienstantritt beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) in Düsseldorf als Pressereferent; in diesem Jahr heiratete er auch die Rechtsreferendarin Marie-Antoinette Freiin von Eltz-Rübenach. Das Paar mit der Wahlheimat Köln bekam drei Kinder.
1958 gründete Hartung das „Neue Rheinland“, eine Monatszeitschrift für Landschaft und Kultur, Kunst und Literatur. Er blieb der Publikation 32 Jahre als Chefredakteur treu. Hartung, inzwischen Beamter auf Lebenszeit, wurde 1972 zum Landesrat (Kulturdezernent) gewählt; er wurde damit Mitglied der Kulturausschüsse von Städtetag und Landkreistag. Acht Jahre später, 1980, folgte die Wahl zum Ersten Landesrat; er wurde Mitglied der Organe von WestLB, Provinzial Versicherungen und WDR. Hinzu kam die Mitarbeit im Vorstand Höhere Regionalverbände.
Seinen kunst- und kulturwissenschaftlichen Hintergrund nutzte Hans Rudolf Hartung bei zahlreichen Gründungen im Rheinland, deren Federführung er übernahm, darunter dem Archäologischen Park Xanten, dem Rheinischen Museumsamt, dem Amt für Landeskunde, der Museumsschule, des Industriemuseums, des Bergischen Freilichtmuseums und der Stiftung Rheinlandtaler
Hans Rudolf Hartung war Mitgründer und Vorstandsmitglied beim Landesverband Lokaler Rundfunk NRW, setzte sich für die Ausbildung von Lokalradio-Redakteuren für die NRW-Lokalradios in Düsseldorf ein, als er 1985 beim Landschaftsverband ausschied.
Langeweile kannte Hartung, dessen Passion das Schreiben und Lesen war, nicht: Seit 1988 war er wieder zurück in Soest, veröffentlichte Bücher und Serien. Er startete mit einer Chronik des Soester Turnvereins bereits 1987, widmete sich in der Folge unter anderem dem Kreis Soest (1989), Soest in den 1950er Jahren (1990) und Rundgängen durch die Kreisstadt (2000); er präsentierte deren Schönheiten („Soest zum Mitnehmen“, 2005), das „Soester Bier“ (2007) samt lokalen kulinarischen Genüssen sowie Soests „fünfter Jahreszeit“, der „Allerheiligenkirmes Soest“ (2008). Die Erfahrungen der Soester im 2. Weltkrieg hat Hartung in seinem Werk „Soest im Fadenkreuz“ (2009) dokumentiert. Seine „Jugend in Westfalen zwischen Krieg und Frieden“ verarbeitete Hartung in „Das große Morgenrot“ (1998), seine Zeit im Rheinland in „Sind Sie Rheinländer?“ (2001). „Soest in der Sage“ ging er 1994 nach.
Nach dem Tod von Ehefrau Marie-Antoinette (2000) heiratete Hans Rudolf Hartung 2001 Gisela Lohmann, mit der er am Kohlbrink lebte.
Der Verstorbene soll im Kolumbarium der Paulikirche beigesetzt werden.
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