Schulverbund platzte wie eine Seifenblase
21.04.2008 | 00:05 Uhr 2008-04-21T00:05:22+0200Netphen. (wp) Ist die katholische Grundschule Salchendorf noch zu retten? Bis gestern lautete die politische Lösung, die unter Schülerschwund leidende Bekenntnisschule im Verbund mit Hainchen als Filiale weiterzuführen. ...
... Dieser Traum zerplatzte gestern wie eine Seifenblase.
Im Schulausschuss rechnete der SPD-Ratsherr, Schulexperte und Grundschulrektor Karl-Wilhelm Nowak vor, was diese Fusion Sieg- und Werte aufwärts bedeutet: In Deuz übergroße Klassen, in Salchendorf und Hainchen kleine Kassen aber zu wenige Lehrer. Nur ein Verbund von Deuz und Salchendorf komme in Frage, Hainchen sei allein lebensfähig, so Nowak.
Der Rat hatte vor zwei Jahren erstmals die Schullandschaft neu ordnen müssen und damals mit dem Verbund der Schulen in Nieder- und Obernetphen sowie in Dreis-Tiefenbach und Eckmannshausen erste Einschnitte vorgenommen.
Vor dem Thema Salchendorf drückte man sich damals, wohl auch mit Blick auf den Schulleiter, der nun im Februar 2008 ausschied. Die damals von den Politikern vorgegebene Richtung sah den Verbund von Salchendorf als Juniorpartner von Hainchen vor. Die Verwaltung hatte dazu letzte Woche eine entsprechende Vorlage veröffentlicht.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Nowak die Zahlen aus dem Rathaus längst überprüft und dazu eine umfangreiche Bewertung vorgenommen. Seine Berechnungen machten das Rathauskonzept zum Altpapier, bevor es noch in der gestrigen Schulausschusssitzung beraten werden konnte.
Schlimmer noch: Schulrat Volker Reichel setzte nach. Er bestätigte nicht nur die Richtigkeit von Nowaks Berechnung, sondern setzte auch noch einige grobere Keile drauf.
Das vorliegende Konzept zur Rettung Salchendorfs werde dazu führen, dass es in Deuz ausreichend Lehrer gebe, nicht aber in Hainchen und Salchendorf: "Die eine solche Entscheidung treffen, müssen mir sagen, wohin ich die aufgebrachten Eltern schicken soll". Bei zu kleinen Klassenstärken im oberen Johannland werde es zu wenig Lehrer geben. Reichel: "Damit erzeugen Sie deutlichen Unterrichtsausfall".
Reichel war in der gestrigen Ausschusssitzung kein Wort über ein anderes Konzept zu entlocken. Es sei Aufgabe des Schulträgers, also der Stadt Netphen, solche Konzepte vorzuschlagen.
Dass die CDU mit ihrer Idee völlig daneben lag, machte Reichel allerdings unmissverständlich deutlich.
Iris Cremer hatte für die Christdemokraten beantragt, die drei Schulen selbständig zu belassen, keinen Schulverbund zu vollziehen und dafür in Arnsberg Lösungen zu finden.
Dies werde aber, so der Schulrat, keinesfalls dazu führen, dass die beiden offenen Schulleiterstellen in Hainchen und Salchendorf ausgeschrieben würden. Auch der Verbund Salchendorf/Hainchen sei nicht genehmigungsfähig, sagte Reichel unter Berufung auf die Bezirksregierung.
Wie Netphens Stadtverwaltung ohne solche Informationen in die gestrige Ausschusssitzung gehen konnte, wurde nicht bekannt. Ausschuss-Vorsitzender Peter Katz hatte aber schnell erkannt, dass ein Beschluss nun unmöglich geworden war. Die von der SPD vorgeschlagene und auch schlüssig vorgerechnete Verbundlösung zwischen Deuz und Salchendorf, müsse erst in den Deuzer Schulgremien beraten werden.
Nach einer Sitzungsunterbrechung kam es zur Vertagung. Das Wort haben nun zunächst die Eltern und Lehrer der Schulen in Hainchen (sie will selbständig bleiben), in Salchendorf (dort wollte man den Verbund mit Hainchen) und Deuz (wo man bislang noch nicht beraten hat).
Im Raum bleibt Reichels Appell, die Politiker sollten möglichst eine Entscheidung fällen, die sie nicht in zwei oder drei Jahren überdenken müssten. Diese Frage aber, ob der Schulstandort Salchendorf länger lebensfähig ist, so wurde gestern deutlich, will kein Politiker ein Jahr vor der Wahl ansprechen.
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