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Betriebsklima ist Auszubildenden wichtiger als das Geld

22.02.2013 | 17:00 Uhr
Betriebsklima ist Auszubildenden wichtiger als das Geld
Neue Generation von Auszubildenden hat starke Prinzipien.Foto: ÖZCAN, Hayrettin

Siegen.   Überraschende Ergebnisse bei einer Befragung von Schulabgängern: Wie gut sie mit ihren Kollegen auskommen ist ihnen wichtiger als das Gehalt. Anders gesagt: Die Freude an der Arbeit ist relevanter als das, was zum Monatsende auf dem Konto ist. Weniger wichtig ist dagegen der Bekanntheitsgrad der Firma.

Die Auszubildenden der neuen Generation legen mehr Wert auf ein gutes Betriebsklima, auf den Ruf des Unternehmens und die Wertschätzung, die ihnen entgegengebracht wird als ihre Vorgänger. Eine weniger große Rolle spielen der Bekanntheitsgrad des Betriebes, die Identifikation mit dessen Produkten und die Firmengröße. Das ergab eine Untersuchung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen unter rund 2000 Schülern aus allen Schulformen im IHK-Bezirk (Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe) - NRW-weit die erste Studie dieser Art, wie Klaus Gräbener, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung, mitteilte.

Die neue Generation, das sind die Absolventen, die auf den doppelten Abitur-Jahrgang folgen und die sich ihre Ausbildungsunternehmen wohl selbst aussuchen können - zum Ende des Jahrzehnts werden in Südwestfalen rund 25 Prozent weniger Schulabgänger erwartet als heute.

Aber nach welchen Kriterien sie suchen und wie sich die Betriebe darauf einstellen können, das ist die spannende Frage, die die IHK Siegen auch im Interesse ihrer Unternehmen beantworten wollte - schließlich gilt es, bei weniger Masse die Besten zu gewinnen, wie IHK-Hauptgeschäftsführer Mockenhaupt betonte.

Existenzsicherung

„Die Ausbildung im Unternehmen wird eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit zur Existenzsicherung“, beschrieb Gräbener den „personalpolitischen Gezeitenwechsel.“ Das lasse sich nicht, wie in manchen Betrieben noch üblich, mal eben nebenher erledigen. „Wir wollten sehen: Wie ticken die Jugendlichen?“

Laut Umfrage so, dass Betriebsgröße für sie offenbar keine große Rolle spielt - worüber sich die IHK-Verantwortlichen sichtbar erleichtert zeigten: „Das ist ein schönes Ergebnis für unseren Mittelstand“, sagte Mockenhaupt. Seine Schlussfolgerung: „Künftig werden nicht die Großen die Kleinen überflügeln, sondern die Flinken die Lahmen“.

73 Prozent der Befragten legten Wert auf eine hohe Ausbildungsvergütung. „Das ist wichtig, aber nicht überragend wichtig“, erläuterte Gräbener. Interessant dabei: Je höher die formale Bildung, desto unbedeutender der Geldaspekt: Angehende Abiturienten interessierte er am wenigsten - umso mehr dagegen ein gutes Betriebsklima. Realschüler legten laut Umfrage vor allem Wert auf gute Arbeitsbedingungen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und Hauptschüler - naheliegend - auf einen sicheren Arbeitsplatz mit einem Praktikum vorneweg.

Freude an der Arbeit

Überhaupt kommt die neue Generation Auszubildender bei den IHK-Verantwortlichen gut weg. Zwar ist der Wunsch nach „Spaß“ Mockenhaupt zufolge größer als früher. Aber, so schränkte er ein, gemeint sei wohl die Freude an abwechslungsreicher Arbeit und nicht an möglichst viel Freizeit.

Überraschend: Statt auf Informationsbeschaffung per Facebook, Twitter oder Xing („das spielt für die Lehrstellensuche keine Rolle“) setzen die jungen Leute auf aussagefähige Internetauftritte der Unternehmen, etwa in der Homepage, die Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten und Kontaktaufnahme enthalten sollte, erläuterte Gräbener: „Die Homepage ist als erstes betriebliches Aushängeschild anzusehen, das die Jugendlichen begeistern oder vergraulen kann.“

Mädchen erhielten ein Sonderlob für ihre Informationsbeschaffung: Mädchen recherchierten mehr im Internet und in dortigen Lehrstellenbörsen, fänden Praktika wichtiger, fragten eher die Arbeitsagenturen und läsen mehr Zeitungsanzeigen als Jungen, so der Geschäftsführer.

Empfehlungen an die Betriebe

Welche Empfehlungen ergeben sich daraus für die Betriebe außer der, überhaupt auszubilden? Mockenhaupt riet, die Jugendlichen zu pflegen. Die Firmen sollten sie wertschätzen, ihnen Verantwortung übertragen, sie wenn möglich ins Ausland schicken.

Zudem Arbeitszeiten einhalten, das Betriebsklima messbar machen und tarifliche Vergütungen nicht ohne Not unterschreiten. Und er schickte noch einen kleinen Weckruf an die Unternehmen hinterher: „Sie haben den demografischen Faktor zwar verstanden. Aber viele handeln noch nicht danach.“

Stefan Pohl

Kommentare
24.02.2013
13:05
Betriebsklima ist Auszubildenden wichtiger als das Geld
von Rumelner | #3

Auch diese Azubis werden sehr schnell merken das die von den Bossen auch nur verarscht werden

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2013-02-22 17:00
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