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Historie

„Von unschätzbarem Wert“

18.01.2012 | 18:00 Uhr
„Von unschätzbarem Wert“
/ WAZ FotoPool

Neukirchen-Vluyn. Helmut Brüggestraß übergab den umfangreichen geschichtlichen Nachlass seiner Frau Anne an die Stadt.

„Wow“, war der erste Kommentar der Stadtarchivarin Petra Ketelaers beim Anblick der vielen Unterlagen, die auf mehreren Tischen vor ihr ausgebreitet lagen. Helmut Brüggestraß übergab gestern offiziell den Nachlass seiner Frau Anne.

Diese hatte bekanntlich fast 30 Jahre lang die Geschichte Neukirchen-Vluyns und damit im Zusammenhang das Leben der Einwohner von damals zusammengetragen.

In vielen Archiven geforscht

„Sie hat nicht nur in den Archiven der vielen umliegenden Kirchengemeinden, sondern auch im Landesarchiv und im Staatsarchiv geforscht“, erklärt Helmut Brüggestraß, wieso das Material, das nun im Stadtarchiv aufgearbeitet wird, so umfangreich ist: Alte Karten, Fotos, Stammbäume, zahlreiche Kopien alter Urkunden und Papiere und vor allem dicke Bände mit den Übersetzungen aus den Staatsarchiven, in denen Anne Brüggestraß beim Durchforsten auf interessante Originale stieß. „Sie hat alles übersetzt und mit der Schreibmaschine übertragen, damit es lesbar ist.“

Eine umfangreiche Aufgabe war auch die Aufarbeitung des Kirchenarchivs in Neukirchen. „Die Dokumente waren in einem bedauernswerten Zustand. Wasserschäden, Mäusefraß und anderes hatten den Papieren arg zugesetzt“, erinnert sich Helmut Brüggestraß. Inzwischen ist das Archiv nicht nur ordentlich sortiert, sondern es gibt auch die Übersetzungen von altem Material, dass die Altvorderen oft in Mundart und mit linkischer Hand geschrieben hatten.

Schon die Mutter von Anne Brüggestraß forschte gern in Ahnentafeln. Zusammen mit Tochter Anne fuhr sie bis nach Süddeutschland zum Fugger-Archiv. Anne Brüggestraß’ erste Arbeiten handelten denn auch häufig von Ahnenforschung, sie fertigte Stammbäume von Familien vieler alter Bauernhöfe in Neukirchen. „Dabei fand sie so vieles nebenher, dass sie anfing, auch dies alles zu erforschen und aufzuschreiben. Sie sagte immer: Das muss man doch der Nachwelt erhalten“, erinnert sich Erwin Büsching vom Arbeitskreis Kultur des Stadtmarketings. Auch diesen gründete Anne Brüggestraß übrigens.

Der Arbeitskreis Kultur ist aktiv. Unter anderem finden jährlich zwei Radtouren zu alten Höfen statt. Dort erfahren die Teilnehmer viel über die bäuerliche Geschichte. „Diese Veranstaltungen sind nicht nur beliebt, sie sind auch ein touristisches Angebot in unserer Stadt“, lobt Bürgermeister Harald Lenßen die Aktivitäten von Heide Schmidt, Peter Pechmann, Erwin und Klara Büsching sowie der Stadtarchivarin und Hans-Willi Pergens vom Stadtmarketing.

Zehn Bände erzählenvon damals

Auch der Bürgermeister staunte nicht schlecht, als er den Umfang des Nachlasses der Forscherin sah. Das Material sei von unschätzbarem Wert für die Stadt, kommentierte er gestern. Ein wichtiges Werk der Forscherin sind auch die zehn Bände „Damals“, die von Handwerk, Gerichtsbarkeit, Kirche und vielem anderen in früherer Zeit handeln. In ihrem letzten Buch arbeitete sie die 100jährige Geschichte der Sparkasse auf.

Klara Helmes



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