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Martinrea-Honsel

Geschasste Auszubildende von Martinrea-Honsel hoffen auf neue Lehrstellen

11.06.2012 | 17:45 Uhr
Geschasste Auszubildende von Martinrea-Honsel hoffen auf neue Lehrstellen
Sie geben der Meldung von den Kündigungen bei Martinrea-Honsel ein Gesicht: Betroffen davon sind von links Axel Ryk, Fabian Hanses, Enes Aydos und Niklas Busch. Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.   Die 37 geschassten Auszubildenden von Martinrea-Honsel und ihre Eltern hoffen nun, dass sich in der Region tatsächlich auf die Schnelle bis zum Herbst noch neue Lehrstellen finden werden. Bei einem Treffen in Meschede tauschten sie sich jetzt aus.

Deutlich wurde: Das sind alles junge Leute zum Vorzeigen. Alle hatten sich auf eine Berufskarriere gefreut, die mit einer Lehre bei Martinrea beginnen sollte. Besonders bitter in ihrer jetzigen Situation: Die meisten von ihnen hatten auch Zusagen für einen Ausbildungsplatz bei anderen Betrieben. Sie ließen sie aber für Martinrea sausen.

Enes Aydos zum Beispiel. Neun Bewerbungen hatte der 17-Jährige, der das Berufskolleg in Olsberg besucht, geschrieben. Zwei Zusagen gab es. Er gab der Stelle als Gießereimechaniker bei Martinrea, wo auch sein Vater arbeitet, den Vorzug: „Leider“, wie er heute sagen muss. Dass die Kündigung kommt, erfuhr er vor einer Woche aus dem Kollegenkreis seines Vaters: „Ich habe das nicht geglaubt. Ich bin so enttäuscht.“ Jetzt muss er erneut suchen. Am liebsten würde er in der Industrie arbeiten: „Hauptsache, erst einmal eine Ausbildung. Das ist das Wichtigste.“

Ausbildung zum Werkzeugmechaniker geplatzt

Wütend ist auch Dominik Waldau. Der 17-Jährige aus Warstein sollte als Werkzeugmechaniker anfangen. Kurz vor Weihnachten hatte er sein Vorstellungsgespräch. Erfolgreich. Ein tolles Weihnachtsgeschenk: „Ich habe mich tierisch auf die Stelle gefreut.“ Gemeinsam gestartet hätte er dann im Herbst mit Axel Ryk. Auch der 16-Jährige sollte als Werkzeugmechaniker anfangen: „Mein Traumjob. Der hat richtig viel mit Metall zu tun.“

Auch er hatte vor Weihnachten die Zusage bekommen – und bekam von seinem Vater noch das Honsel-Jubiläumsbuch dazu geschenkt, zum Einlesen. Und auch er hätte eine andere Lehrstelle haben können. „Enttäuschung und Wut“ empfindet er jetzt: „Das ist scheiße, was Martinrea mit uns macht“, sagt er unverblümt.

Martinrea hatte guten Ruf unter Jugendlichen

„Martinrea war der Volltreffer“, meint Niklas Busch. Der 16-Jährige wollte Elektroniker für Betriebstechnik werden. Martinrea hatte einen guten Ruf unter Jugendlichen. „Ich habe das für einen schlechten Scherz gehalten“, sagt er über den Moment, als er von den Kündigungen hörte. Auch er hätte bei einem anderen Unternehmen anfangen können.

Gleich vier Zusagen für eine Lehrstelle hatte Fabian Hanses. Der 16-Jährige entschied sich ausdrücklich für die als Mechatroniker bei Martinrea: „Das ist ein großes Unternehmen mit gutem Ruf und einer guten Ausbildung, dachte ich.“ Er schüttelt den Kopf: „Uns so kurzfristig stehen zu lassen...“

Eltern sind verbittert und aufgebracht

Die Eltern sind verbittert und aufgebracht. Ihre Kinder hatten doch alles richtig gemacht: Gute Noten und ein Praktikum im Betrieb mündeten in einem Lehrvertrag. Die Kinder schienen das große Los gezogen zu haben. Einer der Väter will die Kündigung rechtlich prüfen lassen. Er spricht von vorsätzlicher Täuschung.

Ein anderer sagt voraus: „Der Imageverlust wird exorbitant sein. Das wird sich herumsprechen.“ Martinrea-Honsel habe immer gern von einem nachhaltigem Handeln als Grundlage seiner Unternehmenspolitik gesprochen: Da seien die Kündigungen der Auszubildenden ein Hohn – „da ist nichts mehr nachhaltig.“

Jürgen Kortmann

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