Tüfteln bis in die Nacht
09.02.2010 | 18:22 Uhr 2010-02-09T18:22:00+0100Wiemeringhausen. Als Chefmechaniker im deutschen Skeleton-Team gibt es eine Menge zu tun. Auch außerhalb von Olympia. Aber in den letzten Tagen kam Wolfram Schweizer richtig ins Schwitzen. Von Altenberg aus koordinierte er mit Kollegen den Transport des wertvollen Materials nach Vancouver.
„Da muss alles gut verpackt sein, darf nichts kaputt gehen. Und vor allem, es muss alles dabei sein”, berichtet der 46-jährige Wiemeringhauser. Vor 21 Jahre machte er erstmals mit einem Bobschlitten Bekanntschaft. Und seitdem hat ihn die Leidenschaft für die schnellen Kufen gepackt.
Skeleton-Pionier
Als einer der Ersten im Sauerland entdeckte er den Skeletonsport und machte ihn mit salonfähig. Da es häufig - auch aus Kostengründen - am richtigen Material haperte, nahm Schweizer die Sache selbst in die Hand und entwickelte eigene wettbewerbsfähige Schlitten.
Sein Sachverstand blieb auch dem deutschen Bob- und Schlittensportverband nicht verborgen. Schon bald wurde er in den engeren Skeleton-Kreis berufen und bekleidet seit nunmehr fünf Jahren das Amt des Chefmechanikers.
Ganz nebenbei steht er noch an der Spitze der RSG Hochsauerland, einer der erfolgreichsten Bob- und Skeletonvereine überhaupt.
Für den Wiemeringhauser sind es auch schon die zweiten Winterspiele. Doch über Turin vor vier Jahren deckt er am Liebsten das Mäntelchen des Schweigens. „Das war nichts. Keine Stimmung an der Bahn, wenig Interesse an unserem Sport. Zudem waren wir weit ab vom Geschehen in Cesana. Bis zu 50 Kilometer mussten wir täglich anreisen.”
In Vancouver wird alles besser. Davon ist Wolfram Schweizer überzeugt. „Die Kanadier sind skeletonverrückt. Schon jetzt sollen - ähnlich wie bei Bob und Rodeln auch - alle Wettbewerbe ausverkauft sein. Das ist für unsere Sportart etwas ganz Neues. Ich bin mir sicher, dass die 14 000 Zuschauern an der Bahn für eine Bombenstimmung sorgen.”
Und noch etwas ist neu. Auch die Mechaniker sind im Olympischen Dorf untergebracht. „Da bekommt man die Olympische Atmosphäre hautnah mit”, freut sich der 46-Jährige riesig.
Doch Zeit für andere Wettbewerbe bleibt kaum. „Wir reisen am 11. Februar an und müssen dann sofort alles vorbereiten. Da ist die Eröffnungsfeier leider nicht drin.”
Die Mechaniker müssen sich nahezu täglich mit den unberechenbaren Wetterbedingungen in Vancouver auseinandersetzen.
„Wir haben extra Kufen für die Bahn in Whistler gebaut. Die werden vor Ort aber noch abgenommen”, berichtet der 46-Jährige. Erstmals gehen auch die Skeleton-Wettbewerbe über zwei Tage. Da kommt viel Arbeit auf die Mechaniker zu. Wenn es sein muss, tüfteln Schweizer und sein Team bis in die Nachtstunden, um die Schlitten am nächsten Morgen in die richtige Spurt zu bringen.
Medaillen möglich
„Wir gehören in Whistler zu den Favoriten. Die Erwartungen sind wegen unserer guten Leistungen in den Weltcups viel höher als in Turin. Damit stehen wir aber auch mächtig unter Druck”, so der Wiemeringhauser.
Natürlich drückt er seinen RSG-Sportlerinnen Kerstin Szymkowiak (Skeleton) und Sandra Kiriasis (Bob) besonders die Daumen. Wenn alles gut laufe, seien bis zu zwei Medaillen drin, meint Wolfram Schweizer. „Wir Mechaniker geben jedenfalls unser Bestes. Wenn die Sportler dann auch noch ihren Schlitten gut runterbringen, sollte es schon klappen.”
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