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„Heimat ist nicht nur ein Ort“

06.12.2010 | 11:14 Uhr
„Heimat ist nicht nur ein Ort“
Zu Gast im Heimat-und Dorfmuseum Altenbüren bei Willi Mester und seiner Frau Reinhilde

Altenbüren. Irgendwann wird Willi Mester selbst eine Quelle sein. Eine sehr verlässliche. .

Es ist urig hinter Türchen Nummer sechs. Der Geist der einst sehr angesehenen Familie Tüllmann schwebt hier durch die Räume. Willi Mester hat sich das Mobiliar der Tüllmann-Linie vor vielen Jahren gesichert und so möglich gemacht, dass man im ersten Stock der ehemaligen Altenbürener Dorfschule das Schlaf-, Wohn- und Esszimmer der Tüllmanns quasi im Originalzustand erleben kann. Betten, Sessel und Tische aus dem 18. Jahrhundert.

„Ich will der Wegwerf-Gesellschaft zuvorkommen“, sagt Mester. Er hat keinen Sammel-Wahn. Er ist eben ein genauer Mensch. Heimat liegt ihm am Herzen. Heimat nicht nur als Ort, sondern auch als Gefühl. „Das kommt bei vielen Menschen in Altenbüren doch heutzutage viel zu kurz. Das Leben ist schnell geworden“, sagt Mester.

Sein eigenes Leben war bis heute zwar nicht wesentlich langsamer, aber es spielte sich 79 Jahre in Altenbüren ab. Schule, Ausbildung, der Beruf als Schreinermeister, das Leben im Schützenverein und Mitsprache in der kommunalen Politik. 50 Jahre an der Seite von Ehefrau Reinhilde. Mester ist eines der Gesichter von Altenbüren.

Sein Dorf- und Heimatmuseum hat er systematisch kategorisiert. Kirche, Wohnen, Jagd, Politik und Vereine. Jeder Raum entführt in einen neuen Gesellschaftsbereich. Und während man aus dem Fenster auf die viel befahrene Altenbürener Straße blickt, kann man sich drinnen an einer Küchenzeile aus dem 19. Jahrhundert einen Tee aufkochen. Gestern und heute liegen hier nah beieinander.

Seit 2003 besteht Mesters Museum in der alten Dorfschule. Aber schon seit Mitte der 90er-Jahre sammelt und archiviert er alles, was mit Altenbüren zu tun hat. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler verlieh im das Bundesverdienstkreuz für seine großen Verdienste um seine Heimat.

Während wir im Jagdzimmer auf alte Luftaufnahmen Altenbürens blicken, erinnert sich Mester an den schlimmsten Moment der Dorfgeschichte: „1945 hat der Amerikaner das halbe Dorf zerschossen. Auch der damalige Bürgermeister kam ums Leben. Altenbüren lag am Rande des Ruhrkessels. Es hat uns mit voller Wucht getroffen.“ Bilder, Briefe, Protokolle und wichtige Schriftstücke, Mester hat die Ereignisse von damals fein säuberlich aufgearbeitet. Nichts soll vergessen werden. Sein Archiv erhebt den Anspruch auf Vollständigkeit.

In der kleinen Bücherei zieht Mester ein verstaubtes Buch aus dem Regal. „Hier drin“, sagt er mit gedämpfter Stimme, „stehen alle Männer aus Altenbüren, die im Krieg ihr Leben lassen mussten.“ Von vielen ist ein Foto eingeklebt worden. Vielleicht schaut mal irgendjemand irgendwann vorbei und fragt nach Vorfahren oder Angehörigen. Mester wäre vorbereitet.

Viele Stunden hat er in den Archiven von Brilon und Olsberg verbracht. Und trotzdem ist seine Arbeit niemals beendet. Aber wer führt die von Heimatliebe entfachte Akribie fort, wenn Mester mal nicht mehr in der Lage dazu ist? „Ich habe mir ein kleines Team aufgebaut. Wir sind insgesamt fünf Leute. Mit Marc Reermann habe ich außerdem einen jungen Mann gefunden, der auch mit technischem Wissen an die Archivierung herangeht.“ Computer sind nicht Mesters Sache.

Das Dorfmuseum ist an jedem ersten Donnerstag im Monat und nach terminlicher Absprache besuchbar.

Mike Fiebig

Kommentare
06.12.2010
21:39
„Heimat ist nicht nur ein Ort“
von Willi 1 | #2

Im Sinne einer seriösen Geschichtsbetrachtung muss man ergänzen: Die Verantwortung dafür, dass der Amerikaner im April 45 im Sauerland noch halbe...
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2010-12-06 11:14
Nachrichten aus Brilon, Marsberg und Olsberg