Aber nach geruhsamer Nacht anschließend ins Stehcafe
26.01.2010 | 18:29 Uhr 2010-01-26T18:29:00+0100
Brilon/Altkreis. Obwohl das Gesetz noch jung ist und niemand in der Hotellerie so genau weiß, wie's enden wird, gibt es Ängste. Während die Politik seit dem 1. Januar den Steuersatz für reine Übernachtungen auf 7 Prozent senkt, belässt sie es fürs morgendliche Frühstück bei 19 Prozent.
Brilon/Altkreis.
Das könnte, so die IHK in Siegen mit einer Blitzumfrage unter ihren Mitgliedsbetrieben, zu Umsatzeinbußen führen. Denn der Gast könnte nach dem Aufstehen in die nächste Bäckerei gehen oder in ein nahegelegenes Stehbistro, um dort bei einer Tasse Kaffee und Croissant zu frühstücken. Für die Hotels käme das einem deutlichen Umsatzverlust gleich. Sie hätten dann nur noch das Bett auf die Rechnung zu schreiben.
Gäste, die zukünftig verlangen, nur eine Rechnung auszustellen, sind gekniffen. Denn es ist dem Hotelier per Gesetz verboten, pauschal abzurechnen. Er muss wegen der unterschiedlichen Steuersätze zwei Rechnungen ausstellen. Neben dem möglichen Umsatzverlust kommt auf das Hotelgewerbe auch noch ein nicht zu unterschätzender Aufwand hinzu.
Die Geschäftskunden — und das sind in Brilon wegen der dichten Industrieansiedlung immerhin 30 Prozent — müssen seit Jahresbeginn für jeden Mitarbeiter das Frühstück als lohnsteuerpflichtigen geldwerten Vorteil erfassen. Bisher war es dem Arbeitgeber möglich, einen Betrag von 4,80 Euro von der Reisekostenpauschale abzuziehen.
Rüdiger Strenger von Briloner Wirtschaft und Tourismus (BWT) sieht die ganze Sache nicht so dramatisch. „Für den normalen Gast, also nicht für den Geschäftsreisenden, kommt es auf den Endpreis an, den er bezahlen muss. Da ist ihm der unterschiedliche Steuersatz völlig egal”, sagte er im Gespräch mit der WP.
Anders verhalte es sich bei den Geschäftsreisenden. Deren Firmen hätten früher den Kostensatz minus 19 Prozent geltend machen können, jetzt allerdings nur noch den Kostensatz minus 9 Prozent.
Auch der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Westfalen (HGV), Hans-Dietmar Wosberg, sieht die unterschiedliche Besteuerung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wir sind doch froh, dass wir überhaupt etwas bekommen haben. Viele, vor allem kleinere Betriebe, werden das Geld in die Modernisierung der Zimmer und Häuser investieren, auch ins Personal, um Entlassungen zu vermeiden”, sagte Wosberg am WP-Telefon. An Preisnachlässe glaube er kaum.
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