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Wenn das Handtuch zum Verräter wird

08.07.2009 | 23:00 Uhr
Wenn das Handtuch zum Verräter wird

Wittgenstein. Reisezeit in Wittgenstein: Zeit, die Seele baumeln zu lassen und alles um sich herum zu vergessen. Das nehmen viele Touristen in Wittgenstein anscheinend wörtlich.

Unsere Zeitung hat sich in den heimischen Hotels einmal umgehört, was die Urlauber so alles auf ihren Zimmern vergessen.

Handyladegerät — das ist der häufigste Gegenstand, den die Gäste in den heimischen Hotels vergessen. Beim Packen fällt der Blick selten auf die Steckdosen. Deshalb bleiben auch regelmäßig Kabel für Laptop, I-pod und Co. zurück. „Fast täglich bleiben Ladekabel liegen”, erzählt Ursula Trappe-Drewes vom Westfälischen Hof in Bad Berleburg.

Vom Hausschuh bis zum Bikini, Wecker, Bücher, Kosmetik, von der Zahnspange bis zum Schmusekissen - auf den Zimmern wird eigentlich alles vergessen. „Oft vergessen die Gäste auch bei der Abreise noch einen Blick in den Schrank zu werfen”, so Trappe-Drewes. Besonders schlimm sei es dann natürlich, wenn das heißgeliebte Schnuffeltuch oder der Lieblingsteddy vergessen wurde - auch bei Erwachsenen, so Ellen Sinning, Geschäftsführerin im Bad Laaspher Hotel Lahnblick. „Das wird dann blitzartig verpackt und zur Post gebracht”, so Trappe-Drewes.

Hinter den meisten Rezeptionen gibt es deshalb ein Regal oder einen kleinen Schrank, in dem die Dinge dann aufbewahrt werden. „Wenn sich die Gäste melden, schicken wir es ihnen nach”, erzählt Mike Meschede, Empfangschef im Laaspher Ramada Hotel. So wird es auch in den anderen Hotels gehandhabt. Hierbei gilt die Faustregel: Je wertvoller der Gegenstand ist, desto eher melden sich die Gäste.

„Früher haben wir die Sachen immer sofort nachgeschickt”, erzählt Edmund Dornhöfer, Direktor vom Hotel Jagdhof Glashütte. Bis es vor vielen Jahren zu einem pikanten Zwischenfall kam: Drei Ferrari-Fahrer hatten ihre Handtücher vergessen, die jeweils farblich zum Gefährt passten. Als Service schickte das Hotel die Handtücher sofort zurück. Blöderweise kam so auch ans Tageslicht, dass einer der Herren seinen Urlaub in Wittgenstein nicht mit der Ehefrau verbracht hatte. „Seither schicken wir nur noch auf Anfrage zurück”, fügt Dornhöfer mit einem Schmunzeln hinzu.

Im Jagdhof bekommt jedes Fundstück eine Nummer. Wie im Fundbüro wird akribisch notiert, wo und wann die Sachen gefunden wurden. Gelagert werden die Sachen 14 Tage im Hotel und dann für zwei Jahre in einem extra Raum auf dem Dachboden. Wenn sich bis dato kein Eigentümer gemeldet hat, werden die Sachen entsorgt. Gleiches Schicksal wird dann auch die Hose mit dem Bundumfang von knapp 2 Metern, das BMW-Handbuch und der bunte Bikini erwarten, die allesamt in der vergangenen Wochen vergessen wurden.

Einen Sonderfall stellt hierbei übrigens die Edermühle in Erndtebrück dar. Denn: „Bei uns bleibt so gut wie nie etwas liegen”, erzählt Inhaber Henning Schorge. Hauptsächlich Geschäftsleute übernachten in der Edermühle. Die sind das Leben aus dem Koffer gewohnt und offensichtlich recht organisiert. Jedoch erinnert sich Schorge auch an einen Gast, der vor Kurzem einfach ohne seinen kompletten Koffer abgereist ist.

Viele Hotelgäste lassen etwas zurück, andere nehmen etwas mit. Diebstahl, davon kann zum Beispiel Ursula Trappe-Drewes ein Klagelied singen. Handtücher, Bilder von der Wand und sogar ein Fernseher haben im Westfälischen Hof schon Beine bekommen. „Teilweise ist das wirklich heftig”, erzählt Trappe Drewes.

Gern mitgenommen werden in der Edermühle auch die kleinen Plastikkämme und die Hausschlappen. „2008 haben wir 6800 Hausschuhe verbraucht”, so Henning Schroge. Weniger Probleme mit dreisten Dieben gibt es im Jagdhof Glashütte. Lediglich die Pfaue, die stolz ihre Runden auf dem Gelände gedreht haben, sind kürzlich über Nacht verschwunden. Der Täter war jedoch schnell überführt: Der Fuchs war's.

Übrigens auch die Patienten der Helios-Kliniken sind zuweilen vergesslich, bestätigte Pressesprecher Tobias Pott. Die skurrilsten Fundstücke der vergangenen Wochen: ein großes silbernes Kreuz, ein Damenslip bei einem Herren und eine Beinprothese.

Von Ilka Wiese

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