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Andreas Kreutz zog es mit...

Marathon auf allen Kontinenten

20.03.2010 | 05:00 Uhr

Erndtebrück/Aschau. Ein bisschen hat es vielleicht doch mit seiner alten Heimat zu tun. Am Flugplatz in Schameder sah Andreas Kreutz die ersten Maschinen in die Lüfte steigen. „Damals kamen noch die Red Arrows zu den Flugtagen. Das war eine Sensation.”

Heute arbeitet er für Eurocopter, den größten europäischen Hubschrauberhersteller in der Nähe von München. Bis dahin war es allerdings ein langer Weg.

Luft- und Raumfahrttechnik

Dass er nicht in Wittgenstein bleiben konnte, wenn sich sein Berufswunsch verwirklichen sollte, war Andreas Kreutz schon früh klar. Auch wenn der Vater ihn lieber in seiner eigenen Branche gesehen hätte, dem Stahlbau. „Aber die Mondlandung und Flugzeuge haben mich mehr fasziniert als statische nichtssagende Gebäude”, erzählt der 47-Jährige von seinem Entschluss, statt Bauingenieur-Wissenschaften doch lieber Luft- und Raumfahrttechnik in Braunschweig zu studieren.

Nach dem Abitur am Johannes-Althusius-Gymnasium in Bad Berleburg verließ er, 19 Jahre alt, Erndtebrück um seinem Ziel näher zu kommen, das er auch in den USA vor Augen hatte, wo er seine Diplom-Arbeit schrieb. „Ich hatte den Gedanken, bei Boeing anzufangen, aber die hatten in dem Jahr gerade eine Phase, wo es stark nach unten ging.” Er blieb trotzdem und nahm einen Job an, der so gar nichts mit seinen Flugambitionen zu tun hatte. Bei Microsoft arbeitete er an den deutschen Versionen des Betriebssystems und der Anwendungen des Softwareriesen. „Das war trotzdem eine tolle Erfahrung.”

Bei Eurocopter

Aber nicht nur die Tatsache der beschränkten Arbeitserlaubnis verschlug ihn zurück nach Deutschland. „Es ist auch schwierig, 15 Flugstunden von der Heimat entfernt die Verbindung zu Freunden und Familie aufrecht zu erhalten.” 1998 ging er deshalb zurück nach Deutschland und erfüllte sich bei Eurocopter dann doch noch seinen beruflichen Traum. Er arbeitet dort als technischer Instrukteur, wenn Piloten ihre neuen Maschinen übernehmen. Selbst steigt er bislang nur mit einmotorigen Flugzeugen in die Luft. Aber die Hubschrauber-Lizenz steht auch noch auf dem Plan.

Ähnlich ausgefallen wie der Beruf ist auch sein Hobby. „Sportlich war ich immer schon aktiv,” berichtet er. Erst beim TuS Erndtebrück bis zur B-Jugend. Anschließend beim Tennis-Club Gottfried von Cramm, dem er auch noch während seiner Bundeswehrzeit treu blieb. Im Studium wurde ihm dann der Marathon nähergebracht. An seinen ersten Lauf erinnert er sich noch gut: „Das war 1986 - noch vor dem Mauerfall.”

Neue Leidenschaft

Was eigentlich ein einmaliger Test sein sollte, „um die eigenen Grenzen einzuschätzen”, entwickelte sich rasch zu einer neuen Leidenschaft - allerdings mit persönlichen Attributen: „Ich habe dann immer versucht, Läufe zu machen, denen ich was abgewinnen kann.” So blieb es nicht bei Marathons in New York oder Chicago. „Irgendwann habe ich gelesen, dass man auch in der Antarktis laufen kann.” Und nach der Teilnahme stand sein Entschluss fest: Einmal auf allen Kontinenten laufen. Die hat er jetzt voll: In der Mongolei (Asien) ging er ebenso an den Start wie in Sydney (Australien), den Osterinseln (Südamerika), Boston (USA) oder Athen (Europa). Und in Algerien (Afrika) startete er jüngst zu einem Lauf durch die Sahara.

Und was macht man, wenn man all diese Erfahrungen schon hinter sich hat? „Man fängt an, verrückte Läufe zu machen”, sagt Andreas Kreutz. Für den letzten fuhr er zu einem Bergwerk nach Sandershausen bei Erfurt. In 500 Metern Tiefe ging es auf die gut 42 Kilometer lange Strecke. Das war fast so extrem wie in der Sahara. Insgesamt 1200 Meter Anstieg waren bei Temperaturen um 25 Grad zu meistern.

In freier Natur

Angenehmer allerdings sind die Läufe in freier Natur. „Da nimmt man Dinge wahr, die man sonst nicht sieht”, schwärmt der 47-Jährige über seine Verbundenheit zur Natur „Vielleicht tauchen da ja die Ursprünge in den Wittgensteiner Genen wieder auf.”

Das kurioseste Erlebnis hatte Andreas Kreutz übrigens in Boston. 50 000 Menschen tummelten sich dort zum 100-jährigen Jubiläum. „Ich habe 29 Minuten gebraucht, um überhaupt die Startlinie zu überqueren.” Umso erstaunlicher für ihn, dass die Mutter ihn anschließend aus Erndtebrück anrief und versicherte, sie habe ihn im Fernsehen gesehen. „Wir haben das dann anhand einer Videoaufzeichnung überprüft. Und tatsächlich war ich für eine Sekunde im Bild.”

Am liebsten allein

Familiär bereitet sein ausgefallenes Hobby übrigens keine Probleme. Denn auch Ehefrau Claudia ist Läuferin - „und zwar noch extremer als ich. Sie liebt Bergstrecken.” Nicht nur deshalb geht es selten zusammen auf die Strecke. „Ich laufe am liebsten allein”, sagt der Erndtebrücker. Und fast möchte man glauben, dass auch da die Wittgensteiner Gene eine Rolle spielen.

Karl-Peter Rasche

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