Das aktuelle Wetter Bad Berleburg 12°C
Wisentprojekt

Kleine Quelle gibt mit der Zunge Autogramme

08.06.2012 | 17:57 Uhr
Das Wisentkalb Quelle wurde jetzt ins Schaugehege, der Wisent Wildnis Wittgenstein zu seiner Mutter der Leitkuh Gutelaune gebracht.

Wingeshausen.   Sie ist anhänglich und wahnsinnig verschmust. Ein bisschen wirkt Quelle trotz ihrer 110 Kilogramm wie ein großer Hundewelpe. Und genau das ist das Problem - für ein junges Wisent.

Sie ist anhänglich und wahnsinnig verschmust. Ein bisschen wirkt Quelle trotz ihrer 110 Kilogramm wie ein großer Hundewelpe. Und genau das ist das Problem - für ein junges Wisent.

„Quelle muss jetzt erst einmal lernen, dass es ein Wisent ist“, erklärt Jochen Born. Der Wisent-Ranger aus Wingeshausen ist die menschliche Bezugsperson des sieben Monate alten Kälbchens. Auf seinen schlaksigen Beinen trottet es dem Wingeshäuser immer hinterher, stupst ihn mit der Schnauze oder leckt ihm mit der rauen Zunge über die Hand.

Echte Tierliebe

Das ist echte Tierliebe. Kein Wunder, schließlich haben Jochen Born und seine gesamte Familie auch dafür gesorgt, dass das kleine Kälbchen überhaupt eine Chance hat. Als es am 7. Dezember vergangenen Jahres bei strengem Frost im Auswilderungsgehege bei Bad Berleburg geboren wurde, standen seine Chancen schlecht. „Die Mutter Gutelaune konnte keine Milch geben“, erläutert Jochen Born die Situation.

Wisent Wildnis Wittgenstein

Im Trägerverein des Wisentprojektes wurde beschlossen, das mit nur 20 Kilogramm schwache Kalb aus der Herde zu holen. Es wurde von Jochen Born mit der Flasche aufgezogen und erlebte seine ersten Lebensabenteuer im Stall und auf dem Hof der Borns. Jetzt wartet ein noch größeres Abenteuer auf das junge Wisentmädchen. Vor einer Woche wurde es ins Schaugehege gebracht. Unter den Augen von Journalisten von Tageszeitungen, Radio und Fernsehen machte das Kälbchen am Freitag dann seine ersten Schritte in der Öffentlichkeit. Entsprechend nervös war das nun gut einen Meter hohe Tier und wich seiner Bezugsperson nicht von der Seite.

In neue Familie aufgenommen

Doch ihre Mutter und Leitkuh Gutelaune, Bulle Horno und die beiden jüngeren Kühe Fasel und Faye haben Quelle bereits in die Herde aufgenommen, so der Trägervereins-Vorsitzende Bernd Fuhrmann und Wisent-Ranger Born. Es sieht gut aus: „Ganz entscheidend ist, dass die Herde keine Aggressionen zeigt und das junge Herdenmitglied akzeptiert“, sagt Born.

Doch wenn der große schwarze Pick-Up-Truck mit Jochen Born ins Gehege fährt, wartet Quelle schon auf dem Weg, während die vier anderen Wisente einen respektvollen Abstand zu den Menschen wahren. Erst wenn das Futter ausgebracht wird, trotten auch sie heran; an der Spitze der 750-Kilo-Koloss Horno. „Der denkt nur ans Fressen, die Kühe sind da schon anders“, weiß Born.

Vorsichtig beäugen die vier ihren Neuzugang, der munter und ohne Angst auf die Menschen zugeht und mit der Zunge „Autogramme“ gibt. Quelle ist ein Glücksgriff für das Schaugehege, das im Sommer 2012 eröffnet und als Guckloch zum Artenschutzprojekt dienen soll. Quelle hat das Zeug, der Star in der Wisent-Wildnis am Rothaarsteig zu werden. Doch dafür muss sie auch ein bisschen mehr Scheu lernen. Ganz so, wie die sanften, braunen Riesen im Hintergrund. Aber Quelle ist ja noch ein ganz junges Wisent - und ein Menschenfreund.

Lars-Peter Dickel



Empfehlen
Themenseiten
Kommentare
Kommentare
08.06.2012
20:38
Kleine Quelle gibt mit der Zunge Autogramme
von indi1234 | #1

......schon wieder jemand, der aus dem Ausland sog. Nutztiere in Deutschland heimisch machen will, um sich an diesen Tieren zu bereichern.

Obwohl ich mich selbst zu der Gattung "Mensch" zählen muss, schwindet mein Respekt, meine Achtung und meine Loyalität zu dieser Gattung von Tag zu Tag, bis sie eines Tages an einem Nullpunkt angelangt ist.

Was dann folgt, kann sich jeder, halbwegs Intelligente an seinen fünf Fingern abzählen.

Aus dem Ressort
Chef der Sparkassen-Glocken hat lange selbst Musik gemacht
Kultur
Treffender könnte ein Musiktitel nicht sein: Mit dem bekannten Evergreen „Wenn die Glocken hell erklingen“ schallt jeden Morgen von der hohen Fassade der Sparkasse Wittgenstein eine besondere Melodie auf dem Glockenspiel und vermittelt gute Laune in der Berleburger Kernstadt. „Herr der Glocken“ ist...
Rund 100 Kräfte bei Großübung auf dem Hachenberg
Feuerwehr
Wenn man einmal gesehen hat, wie ein Feuerwehrmann aussieht, der gerade unter schwerem Atemschutz und Chemieschutzanzug einen Menschen aus einem brennenden Gebäude gerettet und einen weiten Weg nach draußen getragen hat, dann kann man nur allergrößten Respekt vor dieser Leistung haben. Die...
Leidenschaft für den hohen Norden
Multivision
„Finnland – zwischen Mittsommer und Polarnacht“ hat für den Hilchenbacher Klaus-Peter Kappest einen ganz besonderen Reiz. In dem Reisefotograf ist schon vor Jahrzehnten eine Leidenschaft für die nordischen Länder entbrannt. Speziell Norwegen, Schweden, die Arktis und wie aktuell Finnland sind hier...
„Hemmnisse“ für Vorrangzonen
Windenergie
Kritik an der Regionalplanung des Landes NRW zum Stichwort „Energie“ übt die Gemeinde Erndtebrück: Zu wenig Rücksicht auf vorhandene Natur-Räume und schützenswerte Tierarten, aber auch voreilig festgelegte Vorrangzonen für Windräder – hier liegen nach Ansicht der Fachleute aus dem Rathaus die...
Hexen ohne Besen und auch nicht wie bei Hänsel und Gretel
Spurensuche
Keine krumme Nase, wohl auch kein Buckel. Und erst recht kein Knusperhäuschen im Wald. Die Frauen, die vor rund 400 Jahren u.a. auch in Wittgenstein für Hexen gehalten wurden, waren ganz normale Menschen. Und selbst wenn das ihre Zeitgenossen nicht glauben wollten: Sie standen auch nicht mit dem...
Fotos und Videos
WP-Schützenköniginnen
Bildgalerie
Preisverleihung
Wittgensteins schönste Seiten 30
Bildgalerie
Leserfoto-Aktion