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Entscheidende Fehler in der Vergangenheit

12.01.2011 | 10:20 Uhr
Entscheidende Fehler in der Vergangenheit
Vor dem Aus: Bevor der Schlüssel umgedreht wird, verlässt in neun Tagen der letzte Patient Bad Laasphe.

Bad Laasphe.Nachdem die Laasphe Kliniken ihre Existenz trotz vieler und langwieriger Revitalisierungsmaßnahmen ausgehaucht haben, sind die Verantwortlichen dabei, das weitere Prozedere zu organisieren.

Der juristische Ablauf ist klar definiert und die Kölner Insolvenzverwalterin Dr. Sabine Feuerborn hält hierbei zum wiederholten Mal das Heft in der Hand. „Die Kliniken werden geschlossen. Am 21. Januar verlässt der letzte Patient das Haus,“ stellt die Juristin nüchtern die Situation dar.

Kommentar
Operation gelungen, Patient tot

Seit langem lag der Patient schwer angeschlagen darnieder. Zwischendurch immer wieder Hoffnung. Aber letztlich wirkte auch keine Notoperation mehr: Die Laasphe Kliniken sind tot. Emmaburg und Schlossberg-Klinik sind nicht mehr. Immer vorausgesetzt, es geschieht kein Wunder.

Aber daran glaubt eigentlich niemand so recht und unnötige Hoffnungen möchte auch keiner mehr wecken: Zu oft sind die Kliniken-Mitarbeiter enttäuscht worden. Fachkräfte übrigens, wie sie sich jedes Unternehmen nur wünschen kann: Engagiert und mit Herzblut bei der Sache, bzw. beim Patienten. Betroffen sind außerdem Handwerker und Lieferanten: Eine Dienstleistung für die beiden Häuser an der Lahn war in den letzten Jahren auch immer ein Vabanque-Spiel.

Es hat also, wie es aussieht, nicht sollen sein. Ein traditionsreiches Kapitel im Kneippheilbad Bad Laasphe geht damit zu Ende. Alle Revitalisierungsmaßnahmen sind damit ohne Wirkung verpufft. Zu lange ist damit gewartet worden, den Betrieb fit zu machen. Zu Zeiten der Kur-Hochkonjunktur wurde gutes Geld verdient und gleichzeitig vergessen zu investieren. Zuletzt haben die Krankenkassen immer häufiger die mangelnden Zustände der Zimmer moniert. Die Räumlichkeiten waren teilweise hoffnungslos veraltet und entsprachen in keiner Weise mehr den heutigen Standards. Die angestrebte Radikalkur kam zu spät. Zumindest die entscheidenden Geldgeber wollten das Risiko nicht mehr mittragen.

Peter Lehmann

Für sie ist damit der Job aber noch nicht erledigt. Das Inventar, soweit es dem Klinikunternehmen gehört, muss verwertet werden und die Kündigungen für die Mitarbeiter stehen an. Nur wenige Angestellte bleiben, bis alles abgewickelt worden ist. Das kann sich laut Dr. Feuerborn durchaus noch hinziehen, weil auch die alte Insolvenz der HGC-Kliniken mit bewältigt werden muss. Aus dieser Zeit stammen auch die Gläubiger-Forderungen in Höhe von rund 8 Millionen Euro, die sich mit denen der Laasphe-Kliniken auf insgesamt ca. 9 Mio Euro summieren. Ein trauriges Kapitel wird zu Ende gebracht.

Dr. Torsten Spillmann, Bürgermeister von Bad Laasphe, versucht noch einmal die Kräfte zu bündeln. Er hat die Beteiligten für heute an einen runden Tisch gebeten, um gemeinsam die Situation auszuloten. Wie ist der Stand der Dinge? Wo kann möglicherweise noch einmal angesetzt werden, um eine wie auch immer geartete Lösung zu finden? Stehen vielleicht doch noch seriöse Interessenten für das Haus vor der Tür? Letzteres scheint für Beobachter der Szene eher eine rhetorische Frage.

So stellt Tobias Pott, Helios-Pressesprecher für die Region Mitte klipp und klar fest: „Wir haben keinerlei Interesse am Betrieb der Kliniken oder deren Gebäuden.“ Dass Helios punktuell stets Bedarf an patientennahen Fachkräften habe, so Pott, sei hinlänglich bekannt.

Die Fachleute sind sich einig: An der Lahn sind die Fehler in der Vergangenheit gemacht worden, als die Verantwortlichen es versäumt haben, in die Immobilie zu investieren und Innenleben sowie Äußeres auf dem neusten Stand zu halten.

Dr. Dietmar Herberhold, letzter Geschäftsführer der Kliniken im Verein mit Rainer Räsch, sagte am Dienstag, dass genau diese Renovierung bis zum Ende dieses Jahres im Bereich der Zimmer durchgeführt werden sollte.

Letztlich ist die Gesamt-Finanzierung an dem entscheidenden Kreditgeber, der Bank für Sozialwirtschaft mit Sitz in Köln, gescheitert. Eine nachhaltige Finanzierung des Hauses war danach nicht mehr gewährleistet. In diesem Zusammenhang betonte Dr. Herberhold gestern ausdrücklich, dass die Volksbank Mittelhessen damit nichts zu tun habe. „Insgesamt ein echtes Drama“, wertet der frühere Klinik-Chef die Entwicklung und sagt: „Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass sich noch Interessenten zum Weitermachen finden.“ Zu hoch sind die Altlasten und im Reha-Bereich, so Dr. Herber­hold, „besteht mittlerweile ein gewisses Überangebot.“

Gemeinhin gilt die saloppe Feststellung: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich völlig ungeniert.“ Für die Laasphe-Kliniken trifft dies nicht zu. Vier Insolvenzen haben das Image derart ramponiert, dass ein Weiterleben kaum denkbar ist.

Peter Lehmann

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Kommentare
13.01.2011
06:25
Entscheidende Fehler in der Vergangenheit
von Bad Laaspher Wutbürger | #3

Genau so sieht es leider aus...

Wo ist denn der so Selbst-Verliebte und sonst in jeder Zeitung sehr gerne mit Wisent abphotographierte Landrat Paul Breuer ??

Aber was gilt schon in Siegen die Stadt Bad Laasphe ??

Und was sind denn schon 250 arbeitslose Mitarbeiter in einer immer mehr ausblutende Stadt ??

Somit wird sehr schnell aus Bad Laasphe nur noch der Ort Laasphe werden mit weiteren zunehmenden erheblichen finanziellen Problemen...

Vielen Dank Ihr lieben Politiker für Eure Unterstützung und natürlich auch den ehemaligen Gesellschafter der Kliniken, welche ja in den letzten Jahren kontinuierlich viel Geld aus den Kliniken gezogen haben, ohne das Geld wieder zu investieren...

12.01.2011
12:32
Entscheidende Fehler in der Vergangenheit
von Mitmensch | #2

Ich kann Ihnen nur zustimmen! Sich mit Wisenten fotografieren zu lassen macht eben mehr Spaß als sich um Bürger in Not zu kümmern. Aber wofür sind sie wohl gewählt worden? Schönwetterpolitiker brauchen wir nicht!

12.01.2011
11:46
Entscheidende Fehler in der Vergangenheit
von Witti-Emigrantin | #1

Schon vor vierzig Jahren war meine Mutter in der Emmaburg beschäftigt, um zur Erhöhung des Familieneinkommens beizutragen und die Familie durchzubringen. Bis heute ist sie emotional mit der Klinik verbunden und nimmt Anteil am Schicksal der dort Beschäftigten, die sich, wie sie, sehr stark mit Ihrer Emmaburg identifizieren.
Misswirtschaft und miserables Management haben nun zum Untergang geführt und ein Stück Laaspher Geschichte findet ein Ende.
Mein Mitgefühl gilt allen dort arbeitenden Menschen, die nun vor einer ungewissen Zukunft stehen.
Ich bin auch der Meinung, dass es an der Zeit wäre, dass unsere politischen Kreis- und Kommunal-Politiker, die ihr Konterfei bei allen möglichen Gelegenheiten in die Medien zu schleusen verstehen, mal Präsens zeigen sollten, um ihre Solidarität zu bekunden. Es geht hier immerhin um fast fast 300 Menschen und ihre Angehörigen, die jetzt vort einer sehr ungewissen Zukunft stehen und von denen sich in 12 Monaten wahrscheinlich noch viele vor dem Schreckgespenst Hartz IV fürchten müssen.
Also: Bitte, ihr gutbezahlten Polititker, zeigt Euch und demonstriert etwas mehr Mitgefühl und Solidarität!

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