„Das größte Abzockmodell aller Zeiten”
21.01.2010 | 10:00 Uhr 2010-01-21T10:00:00+0100Bad Laasphe. Dem Bad Laaspher Hotel Ramada droht nach der Schließung am Montag der langsame Verfall: Verwalter Hermann Schatz glaubt nicht daran, dass die Wohneigentümergemeinschaft (WEG) noch einmal in das recht herunter gekommene Haus investieren wird.
Das seit Montag geschlossene Hotel Ramada in Bad Laasphe könnte zu einer Bauruine vergammeln - nämlich dann, wenn die Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) nicht weiter in das Objekt finanziert. Und genau diese Tendenz sieht der Verwalter der Immobilie, Hermann Schatz, aus Rott am Inn.
Im Telefonat mit unserer Zeitung sprach Schatz von „privaten Dramen”, die sich bei bis zu 40 der insgesamt 86 Eigentümer der Immobilie am Laaspher Höhenweg abspielten. Nach Ansicht von Schatz könne das Haus „wohl als Mahnmal für das größte Abzockmodell aller Zeiten” angesehen werden.
Vorwürfe gegen Bank
Seine Vorwürfe richtete er gegen eine Bank, die im Jahr 1990 über ihre heute nicht mehr vorhandene Filiale in Erndtebrück die Finanzierung des Modells vorangetrieben habe. Eigenkapital hätten die Käufer nicht gebraucht, so Schatz; im Vertrag hätte als „Gesamtaufwand” die Summe von 10,5 Millionen Mark gestanden. „Um das Doppelte zu viel”, schätzt der Kaufmann vom Inn. Und heute sei die Bank zu keinerlei Kompromiss bereit; so müssten Renter immer noch monatlich 300 Euro Zinslast abtragen. Hermann Schatz: „Schlimm!”
Vor diesem Hintergrund glaubt der Verwalter wohl nicht daran, dass die WEG noch einmal in das recht herunter gekommene Haus investieren wird. Vielmehr solle versucht werden, die Immobilie „an jemanden zu verkaufen, der dem Objekt mit viel, viel Geld eine neue Perspektive bietet. Es reicht nämlich nicht”, so Schatz weiter, „einfach einen Pott Farbe an die Wand zu streichen.”
Stadt muss auch etwas bieten
An die Bad Laaspher Politiker und Bürger gerichtet, meinte Schatz, „eine Stadt kann nicht nur etwas von einem Investor verlangen, sie muss auch etwas bieten” - Von der einheimischen Bevölkerung sei das Hotel samt Restaurant oder Kegelbahnen leider nicht angenommen worden.
Im Jahr 1990 hatte die WEG das Hotel von der „Prospector GmbH” erworben. Deren Geschäftsführer war seinerzeit Helmut Fitz aus Bad Arolsen, der bereits 1979 in den Besitz der Immobilie gekommen war. Die war Jahre vorher vom örtlichen Kur- und Badearzt Dr. de la Camp gebaut worden. Allerdings blieb ihm der erhoffte wirtschaftliche Erfolg versagt. Letzter „Rettungsanker” sollte noch der Wunderheiler Köhnlechner sein, der dort wohlhabende Krebspatienten heilen sollte. Aber der Deal kam nicht zustande; das Haus kam in die Zwangsversteigerung und damit wie erwähnt an Helmut Fitz.
Modernisierungsmaßnahmen
Heute arbeitet dessen Sohn Alexander Fitz als „Chief Executive Officer” der deutschen Ramada-Kette, die den Pachtvertrag mit der WEG Bad Laasphe per 31. Januar 2010 nicht verlängert hatte, - ebenfalls mit Sitz in Bad Arolsen.
Sie ließ gestern auf Anfrage mitteilen: „Die Ursachen für den Schritt liegen vor allem in der Tatsache begründet, dass sich die Eigentümergemeinschaft nicht entschließen konnte, dringende Modernisierungsmaßnahmen in dem in die Jahre gekommenen Objekt vorzunehmen. Somit gab es aus Sicht sowohl der Betreibergesellschaft (Prospektor Hotelbetriebs- und Immobilien-GmbH) als auch des Franchisegebers (Ramada) keine tragfähige Basis für eine Fortführung der Verträge.”
Für Gäste bleiben genügend Betten übrig
Verena Heers, Geschäftsführerin der TKS in Bad Laasphe, sieht die Schließung des Hotels mit gemischten Gefühlen: „Natürlich ist das schlimm, denn es gehen 180 Gästebetten verloren. Das wird sich in der Statistik bemerkbar machen. Andererseits haben wir noch 400 Betten in Hotels und Pensionen.” Mit diesem Potenzial könne Bad Laasphe „den Gästen genügend Alternativen anbieten”, so Heers.
Dass örtliche Gaststätten oder Einzelhändler nun finanzielle Einbußen erleiden könnten, glaubt Heers nicht. Die meisten der vorwiegend Clubreisenden hätten das Haus ohnehin kaum zu einem Abstecher in die Laaspher Altstadt verlassen.
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