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Höffken-Prozess

Die „unheimliche“ Felgenvermehrung in der Schweiz

19.06.2012 | 18:31 Uhr
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Die „unheimliche“ Felgenvermehrung in der Schweiz
Rüdiger Höffgen steht weiter vor Gericht.

Attendorn / Dortmund.   Das erste Opfer der Finanztransaktionen à la Rüdiger Höffken im Zusammenhang mit der Insolvenz von RH Alurad heißt Salvatore Anastasi. Den hat Höffken Mitte 2008, wenn nicht um den Verstand, dann doch um den Schlaf gebracht.

Anastasi, Steuerberater und zuständig für die RH Alurad Suisse, schrieb Mitte 2008 an die RH Suisse-Geschäftsführung einen Brief, in dem er sich wundert, dass sich der Wert des Lagerbestands der RH Suisse in nicht einmal einem halben Jahr von rund einer Million auf anderthalb Millionen Schweizer Franken erhöht habe. Das nennt Salvatore Anastasi „unheimlich“. In einem weiteren Brief steigert er seine Beobachtung in „sehr unheimlich“, weil dem wachsenden Bestand an Felgen in der Schweiz keine Rechnungen gegenüberstehen. „Ich habe nicht mehr geschlafen“, beschwerte sich der Steuerberater.

Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts bemühte sich gestern um Aufklärung. Zur Erinnerung: Die Staatsanwaltschaft wirft Höffken vor, bereits Ende 2007 gewusst zu haben, dass RH Alurad nicht mehr zu retten gewesen war und Werte, teilweise in die Schweiz, beiseite geschafft zu haben.

In diesem Zusammenhang befragte das Gericht gestern erneut den ehemaligen leitenden Angestellten Jörg S. Dabei ging es um einen Kredit, den Rüdiger Höffken bei der Sylter Bank auf das Haus auf Sylt aufgenommen und dann treuhänderisch über den Umweg der beiden Schweizer Töchter Atticus und RH Alurad Suisse der polnischen Tochter RH Alurad Polska und RH Rentals zur Verfügung gestellt hatte. Zu diesem Schritt war Höffken durch die Banken gezwungen worden, die Ende 2007 ein höheres finanzielles Engagement der Familie Höffken forderten.

Die Darlehnsverträge datieren aus Ende 2007 und hatten eine Laufzeit bis Ende 2012. In den Gerichtsakten finden sich aber Hinweise, dass die Verträge „auf Anweisung von Rüdiger Höffken“, so S. gestern, rückwirkend geändert wurden. Höffken soll nach Beratung eines Kölner Anwalts seinen Mitarbeiter angewiesen haben, die alten Verträge wegzuwerfen und durch (rückdatierte) neue zu ersetzen, in denen eine Laufzeit bis zum 30. Juni 2008 festgesetzt war. In dieser kurzen Zeit konnten sie natürlich nicht zurückgezahlt werden. Die Verträge mussten nun verlängert werden, was sich die RH Alurad Suisse durch Sicherungsabtretungen „bezahlen“ ließ.

Vereinfacht: Das Gericht geht der Frage nach, ob das, was in Attendorn und Polen noch von Wert war, möglicherweise der RH Suisse als Sicherheit für eine „getürkte“ Kreditverlängerung überschrieben worden ist.

Dazu passt auch der Alptraum des Salvatore Anastasi. Denn im Februar 2008 bekam RH Suisse von RH Polska 14120 Felgen geliefert, die sie kaum hätte bezahlen können. Der Schweizer Tochter ging es finanziell schlecht, die Geschäfte liefen mau und sie war mit hohen Leasingkosten belastet. 13 000 Franken monatlich für eine zusätzlich angemietete Halle und 3600 Euro monatlich für den von Höffken gefahrenen Rolls Royce. „Warum dann in die Schweiz?“ fragte Richter Beumer. „Dort“, so S., „sollten keine Mittel abgezogen werden.“

Gunnar Steinbach

Kommentare
20.06.2012
16:01
Die „unheimliche“ Felgenvermehrung in der Schweiz
von kumpelanton | #1

Ganz toll, dass Sie ein Foto von ihm haben. Aber was soll der Leser so damit anfangen?

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