Das aktuelle Wetter Menden 7°C
Hönne-Insel

Sparkasse zeigt sich interessiert an Gewoge-Angebot

28.02.2009 | 10:00 Uhr
Sparkasse zeigt sich interessiert an Gewoge-Angebot

Menden. Überraschende Entwicklung in Sachen Hönne-Insel: Die Mendener Wohnungsbaugenossenschaft Gewoge will den brachliegenden Mittelteil des Geländes kaufen und 80 bis 90 Miet-Wohneinheiten errichten.

Gewoge-Chef Manfred Döring. Foto: Martina Dinslage

Ihr Interesse hat die Gewoge in dieser Woche schriftlich der Sparkassen-Tochter S-Pro-Bau unterbreitet. Und die zeigt sich interessiert.

Einst war die Hönne-Insel als Gesamt-Projekt gedacht: Exklusive Stadtwohnungen, Häuser und Villen sollten auf der alten Schmöle-Industriebrache entstehen. Jetzt könnte es am Ende eine Dreiteilung geben. Rechts die Reste des nur schwer zu vermarktenden Exklusiv-Wohnens, links der große Block „Service-Wohnen” der Katholischen Hospitalgesellschaft. Und in der großen Mitte würde es auf 6 380 Quadtratmetern bodenständig werden, wenn die Gewoge-Pläne Wirklichkeit werden.

„Wir wollen erschwinglichen Mietwohnraum für breite Bevölkerungsschichten der Innenstadt schaffen”, so Gewoge-Geschäftsführer Manfred Döring. Erklärtes Vorbild ist das noch im Bau befindliche neue Gewoge-Haus an der Gartenstraße. Für die Hönne-Insel gibt es zwar noch keine Detail-Pläne, Döring skizziert aber die Grundzüge: „Wir wollen entlang der Bodelschwinghstraße ein größeres Gebäude bauen, das aber nicht wie ein Klotz wirkt. Zur Hönne hin wird die Bebauung dann kleiner bis hin zu Ein- und Zweifamilienhäusern.”

Das Ganze solle durchaus mit der bisherigen Bebauung in Einklang gebracht werden. So schnell wie möglich würde die Gewoge mit dem Projekt beginnen wollen, dann aber die Gebäude nacheinander bauen: „Wir wollen nur heimische Handwerker berücksichtigen.” Wirtschaftlich sei die Gewoge so erfolgreich, dass sie das Projekt finanziell problemlos stemmen könne.

Sparkasse interessiert

Gestern hat Döring auch Gespräche mit Bürgermeister Düppe geführt — wegen „der besonderen Bedeutung für die Stadt”. Und die Sparkasse zeigt sich vorsichtig interessiert. Ein offizielles Gewoge-Angebot liege zwar noch nicht vor, so Sparkassen-Sprecher Klaus Wüster: „Aber natürlich freuen wir uns über das Interesse und sehen dem Konzept gespannt entgegen.” Momentan rede man auch mit verschiedenen anderen Interessenten. Nach längerer Ruhephase hätten sich überraschenderweise in jüngster Zeit mehrere gemeldet.

Info
Kommentar

Lebenslüge Hönne-Insel eingestehen

Irgendwie passt die Entwicklung doch sehr zur aktuellen Lage: Vorbei die Zeiten des Luxus, vorbei die hochtrabenden Träume. Jetzt ist wieder Bodenständigkeit angesagt — auch auf der Hönne-Insel. Sollte die Gewoge tatsächlich zum Zuge kommen, dann dürfte alles ein Stück bescheidener ablaufen. Und das wäre auch gut so.

Die Sparkasse, ihre Tochter S-Pro-Bau und all' die Politiker, die damals — dem Expertenvotum zum Trotz — für die Pläne gestimmt hatten, sollten sich endlich die Lebenslüge eingestehen: Die Exklusiv-Variante ist kein Opfer einer Krise auf dem Immobilienmarkt geworden, sie war von Anfang an viele Nummern zu groß für Menden. Eine klare Fehlentscheidung und ein Millionengrab. Dass jetzt am Ende die Gewoge triumphieren könnte, die vor zehn Jahren für ihre einfachen Pläne noch belächelt wurde, ist die Ironie der Geschichte. Michael Koch

Nichtsdestotrotz ist Döring zuversichtlich, dass die S-Pro-Bau auf die Gewoge-Offerte eingeht, denn sie sei mit ihrem Exklusiv-Konzept gescheitert: „Das konnte nicht funktionieren. Die Wohnungen sind mit einem Verkaufspreis von mehr als 2 150 Euro pro Quadratmeter und 12 000 Euro für einen Pkw-Stellplatz zu teuer. Für eine Zweiraumwohnung mit Stellplatz verlangt die Sparkassen-Tochter einen höheren Kaufpreis als die Gewoge für ein Reihenhaus mit Kaufgrundstück.” Deshalb habe man in fünf Jahren von den 25 gebauten Stadtwohnungen auch nur zehn verkauft.

Es sei aber ein großer Trugschluss, daraus zu folgern, dass es keinen Bedarf an innerstädtischen Wohnungen gebe — so wie es S-Pro-Bau-Geschäftsführer Frieder Altrogge gesagt habe. Im Gegenteil: Der Bedarf sei riesengroß. Allerdings nicht nach Eigentums-, sondern nach Mietwohnungen.

Das zeige sowohl eine aktuelle Bedarfs-Ermittlung des NRW-Bauministeriums für Menden als auch die Erfahrung der Gewoge mit den elf neuen Stadtwohnungen in der Gartenstraße. Döring: „Obwohl wir sie noch nicht angeboten haben, werden wir bereits mit Anfragen überhäuft.”

Wenn das Konzept so überzeugend ist, warum sollte die S-Pro-Bau oder ein anderer Bauträger das Projekt nicht selbst verwirklichen? Manfred Döring: „Weil wir als Wohnungsbaugenossenschaft ein ganz anderes Geschäftsmodell haben. Die Gewoge kalkuliert eine Mietwohnung über den gesamten Lebenszyklus des Hauses. Eine Baugesellschaft rechnet aber kurzfristig, will schnell den maximalen Gewinn erwirtschaften.”

Michael Koch



Kommentare
28.02.2009
19:05
Sparkasse zeigt sich interessiert an Gewoge-Angebot
von derbösebodo | #3

Das alles hätte man schon vor zehn Jahren bekommen können, hätte man nur auf den damaligen Vorstandvorsitzenden der GEWOG Herrn Fischer gehört, und die Stadt Menden hätte Millionen Euro eingespart, die jetzt in der Hönneinsel versenkt sind und unwideruflich auf Kosten der Mendener Bürger verloren sind.

28.02.2009
16:43
Sparkasse zeigt sich interessiert an Gewoge-Angebot
von osis | #2

Ohne Geld gehts ja nicht...

Aber erst Denken, dann planen und bitte keine Insellösung. (Ja, ist ein doofes Wortspiel, ich weiß).

Wir brauchen Konzepte für eine Stadtentwicklung, nicht für einen Flickenteppich ohne Bäume.

28.02.2009
16:28
Sparkasse zeigt sich interessiert an Gewoge-Angebot
von Ruhrik | #1

Interessant und hoffnungsvoll. Allerdings sollte man diesmal das Geld und die Geier aussen vor lassen.

Aus dem Ressort
„Immer wieder überrascht, wie engagiert Mendener sind“
IMW-Spende
Ohne diese Menschen wäre Menden weniger liebens- und lebenswert. Sie unterstützen andere in schwierigen Lebenssituationen und übernehmen Aufgaben, für die in öffentlichen Töpfen oft kein Geld ist. Mendener Selbsthilfegruppen sind gestern vom Initiativkreis Mendener Wirtschaft (IMW) mit insgesamt...
Neuer Anlauf für Waldkindergarten in Menden
Öko-Nachwuchs
Eine Elterninitiative wagt einen neuen Anlauf für einen Waldkindergarten in Menden. „Das Interesse ist da“, sagt Antragssteller Stephan Venus. Mit einem neuen Argument wollen die Naturfreunde in der Politik um Zustimmung werben.
Polizei köderte Bewerber mit Unterwäsche
Serie „So war es früher“
Was würde man heute jemandem bieten müssen, damit er sich zum Beispiel als Bürgermeister-Kandidat bewirbt? Würden Socken und Unterwäsche Anreiz genug sein? Wohl kaum. Damals aber, 1945, als kaum einer was hatte, war genau diese Aussicht auf Socken, Unterwäsche und Dienstkleidung ausschlaggebend für...
Stadtwerke Menden wollen Reaktionen auf Preiserhöhung ernstnehmen
Interview
Die Stadtwerke erhöhen zum Jahreswechsel die Strompreise. Jede Kilowattstunde wird um 0,54 Cent teurer. Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Reichelt und Vertriebsleiter Philipp Haberle erklären im Interview mit Redakteur Arne Poll, warum sie die Erhöhung für gerechtfertigt halten.
Schwieriger Tag für viele Bösperder
Baustelle
Dass die Stunden der Komplettsperrung der Holzener Dorfstraße mit erheblichen Auswirkungen kommen würde, war klar. Aber selbst der städtische Verkehrsexperte Andreas Nolte musste gestern gegenüber der WP eingestehen: „Für einige Anwohner war es ein harter Tag.“ Das galt ab dem frühen Morgen für alle...
Fotos und Videos
Das Handball-Wochenende
Bildgalerie
Handball
Das Fußball-Wochenende
Bildgalerie
Fußball
Üben für den Ernstfall
Bildgalerie
Fotostrecke