Schulen schließen oder zusammenlegen
27.03.2010 | 14:00 Uhr 2010-03-27T14:00:00+0100
Menden. Schließen oder zusammenlegen — diese Optionen prüft zurzeit eine Arbeitsgruppe aus Politik und Verwaltung für viele städtische Schulen. Das Ziel: sparen.
Rückläufige Schülerzahlen sowie der Druck der Kommunalaufsicht auf die hoch verschuldete Stadt rücken dabei Maßnahmen in den Blickpunkt, die noch vor wenigen Monaten ein Tabu waren.
Am stärksten von den in vertraulicher Runde beratenen Maßnahmen betroffen wären die Hauptschulen. Für Lendringsen und Bösperde wird die Schließung diskutiert. Die Anmeldezahlen liegen schon jetzt in beiden Fällen unterhalb der notwendigen Marke. Die Bösperder Hauptschule könnte nach einem Anmeldestopp ab 2011 auslaufen. Die Lendringser Hauptschule hingegen könnte mit der Realschule Lendringsen zu einer Gesamtschule zusammengeführt werden.
Für die Grundschulen sind weitere Verbünde im Gespräch. So könnte aus der Bodelschwinghschule Platte Heide und der Anne-Frank-Schule ein weiterer Verbund entstehen. Der Schulverbund aus Albert-Schweitzer-Schule Lendringsen und Bischof-von- Ketteler-Schule könnte um die Adolf-Kolping-Schule Hüingsen erweitert werden. Die Schweitzer-Schule stünde damit ab 2013 möglicherweise leer und für eine andere Nutzung zur Verfügung.
„Die Ideen scheinen realistisch zu sein”
Im Mendener Verbund West-/Josefschule wird der Umzug der Westschule in die Josefschule angedacht. Damit wäre der Komplex Westschule als neues Domizil für VHS und Musikschule frei. Offen ist in der Arbeitsgruppe noch die Zukunft der kleinen Michael-Schule Schwitten und der Grundschule Halingen. Letztere könnte davon profitieren, dass sie als einzige jahrgangsübergreifenden Unterricht anbietet.
Die betroffenen Schulleiter zeigen sich von den weit reichenden Überlegungen überrascht, äußern im WP-Gespräch aber Verständnis für die Vorschläge. Hans Schäfer, Schulleiter der Hauptschule in Lendringen, hält die Erstellung eines Arbeitspapiers zur Mendener Schullandschaft generell für begrüßenswert: „Es ist gut, dass sich frühzeitig Gedanken über weitere Entwicklungen gemacht werden. Die Ideen aus Politik und Verwaltung scheinen mir relativ realistisch zu sein.” Allerdings könne man eine Gesamtschule noch nicht planen, „denn noch sind die Vorgaben der künftigen Landesregierung nicht klar”.
Gerd Puls, Schulleiter der Adolf-Kolping-Grundschule in Hüingsen, will abwarten, „was von diesem Arbeitspapier übrig bleibt”. Er ist gespannt auf die Reaktion der Eltern und der Parteien. „Prinzipiell kann ein Schulverbund auch eine Chance sein. Immerhin wird so sichergestellt, dass unser Schulstandort erhalten bleiben wird.”
Josefschulrektorin Felicitas Ismar mochte sich inhaltlich nicht zu den Gedankenspielen äußern: „Das ist Sache der Politik.” Ismars Philosophie: „Wir wollen durch Offenheit Vertrauen schaffen und so auf die Westschule zugehen.”
09:58
@FritzchenMüller:
Ihre Überlegungen zur Gesamtschule sind sehr interessant, Danke dafür.
Die Lage der St. Michael-Schule in Schwitten sehe ich allerdings anders: die kirchliche Trägerschaft hatte m.E. keine Zukunft mehr, dort war die Schließung sicher. Durch die Kooperation mit dem Lahrfeld besteht wenigstens eine geringe Chance auf Bewahrung des Standortes..
00:17
Bewahrt die kleinen, übersichtlichen Schulen, in denen sich Kinder sicher fühlen können, weil alle Lehrer und Mitschüler sie kennen! Und jagt die Leute mit den Taschenrechnern aus den Ministerien und Bezirksregierungen, mitsamt den Technokraten und den letzten drei, völlig unfähigen Minister-Darstellerinnen.
Das ist der erste Schritt zur Befriedung der Schullandschaft.
13:59
Mich wundert, dass es angesichts der angedachten Veränderungen in der Mendener Schullandschaft hier im Forum so ruhig bleibt. Liegt es daran, dass alle Familien mit schulpflichtigen Kindern in den Ferien sind oder ist man einverstanden mit den Vorschlägen? Was sich zunächst ziemlich nüchtern anhört, birgt bei näherer Betrachtung erheblichen Sprengstoff! Fakt ist, dass viele Mendener Familien die Hauptschulen - meines Erachtens zu Unrecht - meiden und ihre Kinder lieber auf eine Gesamtschule schicken. Es ist unter Berücksichtigung der Anmeldezahlen in Hemer und Fröndenberg daher nur folgerichtig, dass eigentlich in Menden eine Gesamtschule sinnvoll wäre. Nun überlegt man, diese in Lendringsen zu etablieren, weil da die Kooperation zwischen Real- und Hauptschule gut funktioniert. Allerdings hat die Sache einen Haken: Wer die Berichterstattung über die Gründung der Hemeraner Gesamtschule verfolgt hat weiß, dass 1/3 der neu aufzunehmenden Schüler eine mindestens eingeschränkte Gymnasialempfehlung haben müssen. Dies wird auch die neue Mendener Gesamtschule nachweisen müssen, da ihr sonst die Genehmigung versagt wird. Bei zwei bestehenden städtischen Gymnasien und einem in privater Trägerschaft wird hier ein neues Fass aufgemacht. Die Schülerzahlen sind rückläufig und die Übertrittsquoten an die Gymnasien liegen relativ konstant bei ca. 35%. Wer rechnen kann weiß, dass die Eröffnung einer neuen Gesamtschule zum Ausbluten der Gymnasien führen kann. Ist das ernsthaft gewünscht? Ich kann das nicht glauben. Daher mein Vorschlag: Das Schulgesetz sieht schon jetzt die Möglichkeit von Verbundschulen vor. Diese könnte man in Lendringsen bilden. Um dem Elternwunsch nach einer Gesamtschule Rechnung zu tragen wäre es viel sinnvoller, sie am Schulzentrum in Menden zu etablieren. Dort liegen HGG, Real- und Hauptschule in unmittelbarer Nachbarschaft zusammen. Wenn diese Schulen eine neue Gesamtschule bilden würden - Kooperationen bestehen ja heute schon z. B. bezüglich der Mensa - hätte man viele Probleme auf einmal gelöst. Da das HGG ein durchaus passables Renommé in Menden hat, kann man weiterhin mit ordentlichen Anmeldequoten von Gymnasiasten rechnen. Die Gesamtschule hätte also hinreichend Schüler mit Gymnasialempfehlung, was in fast allen Städten ein enormes Problem ist bei Neugründungen und darüber hinaus ist die räumliche Nähe aller Schulen gegeben - Lehrer und Schüler könnten so problemlos die Gebäude wechseln, je nach Bedarf. Ein kleines Bonbon könnte es obendrein noch geben. Da die Hauptschule bereits Ganztagsbetrieb ist, hätte man den Vorteil - anders als in Hemer - an der Gesamtschule den Ganztagsbetrieb zu etablieren. In Hemer kämpfen sie darum, bislang noch nicht erfolgreich. Aber in Menden gibt es schon den Ganztag; das muss die Landesregierung erst mal verkaufen, dass sie einen bestehenden Ganztag einkassiert.
Was die Grundschulen betrifft, erscheinen die Überlegungen sinnvoll zu sein. In Schwitten muss man jetzt allerdings fürchten, dass es zu einer Schließung kommt. Da waren die Eltern wahrscheinlich schlecht beraten, aus dem konfessionellen Status auszusteigen. Allerdings hört man schon Gerüchte, dass die Wahl, die die Eltern getroffen haben, möglicherweise anfechtbar ist. Die Stimmen sollen nicht öffentlich ausgezählt worden sein - da kann die Stadt als Träger manipuliert haben. Ich bin gespannt, was uns sowohl an den Grund- als auch weiterführenden Schulen in nächster Zukunft in Menden erwartet. Allen Sparzwängen zum Trotz kann man im Interesse der Kinder und Familien nur hoffen, dass das Wohl dieses Personenkreises oberste Priorität hat, denn sonst wird Mendens Zukunft ganz düster aussehen.
12:18
Realistisch ist alles aber ob man in der Lage ist, das alles umzusetzen??? Das ist fraglich