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Mit dem Firmen-Kadett und geschenktem Sprit in den Urlaub

13.03.2010 | 13:00 Uhr
Mit dem Firmen-Kadett und geschenktem Sprit in den Urlaub

Menden. Viel hat sich verändert in ihrem Berufsleben im Laufe der vergangenen sechs Jahrzehnte. Doch eines eint Albert Plümper, Willy Cöppicus und Friedhelm Kleine: Die drei Mendener haben vor 60 Jahren ihre Ausbildung beim Autohaus Bichmann gestartet.

Beim Autohaus Bichmann gab es in früheren Jahren auch eine Tankstelle.

Willy Cöppicus

Willy Cöppicus (74) hat am 15. Dezember 1950 — etwas später als damals üblich (1. April) — als kaufmännischer Lehrling bei Bichmann angefangen: „Damals war das Arbeitsamt quasi neben Bichmann. Dort sagte man mir: ,Du hast Glück. Geh' mal rüber. Bei Bichmann wird jemand gesucht.' Nach der Lehre bin ich Bichmann treu geblieben. Ich habe 40 Jahre als Verkäufer hier gearbeitet. Das war eine schöne Zeit. Ich habe hier insgesamt 11 000 Autos verkauft. Auch nachdem ich am 22. März 2000 in den Ruhestand gegangen bin, habe ich hier noch weitergearbeitet. Ich habe dann Überführungen und Zulassungen — auch für Großkunden — gemacht. Auto gefahren bin ich immer gerne. Staus habe ich meinen Überführungen nie gehabt. Und ich bin fast immer ohne Navi ans Ziel gekommen. Ich habe noch nie einen Unfall gehabt.

Eigentlich wollte ich fahren, bis ich 75 bin. Aber vor einem Jahr hatte ich einen Herzinfarkt, danach habe ich dann aufgehört. Ich habe es nie bereut, bei Bichmann gearbeitet zu haben. Es war hier immer eine familiäre Atmosphäre, und ich hatte fantastische Chefs und Arbeitskollegen.”

Albert Plümper

Albert Plümper (74) hat am 1. April 1950 als Autoschlosser-Lehrling bei Bichmann angefangen: „Bei uns in Oesbern gab es damals zwei Gesellen, die auch bei Bichmann arbeiteten. Ich bin dann mit meinem Vater zu Bichmann gefahren und habe meine Zeugnisse mitgenommen. Dann habe ich sofort die Zusage bekommen. Das war damals ganz unproblematisch. In der Ausbildung bin ich dann jeden Tag von Oesbern mit dem Fahrrad nach Menden gefahren.

Nach der dreieinhalbjährigen Lehre bin ich übernommen worden. Ich habe dann bis 1957 hier gearbeitet. Danach habe ich zu einer VW-Werkstatt in Wickede gewechselt. 1961 habe ich meine Meisterprüfung gemacht. Danach habe ich als Werkstattleiter in Hüsten gearbeitet. Von 1974 an habe ich dann — bis ich 63 wurde — beim Straßenverkehrsamt als stellvertretender Zulassungsleiter gearbeitet. Ich bin zwar nicht ein riesengroßer Autofan, aber für Technik hatte ich schon als Kind immer ein Faible. Deshalb wollte ich meine Ausbildung auch gerne in der Autobranche machen.

Als ich meine Ausbildung bei Bichmann gemacht habe, hat Carl Bichmann ein so genanntes Urlaubsauto angeschafft. Das war ein Opel Kadett, den durfte man sich ab freitagabends für eine Woche kostenlos ausleihen. Zusätzlich haben wir 30 Liter Sprit umsonst dazu bekommen. Damals waren weite Fahrten ja nicht unbedingt selbstverständlich. Wir hatten mal einen Kunden, einen Lehrer, der stellte uns sein Auto in die Werkstatt mit dem schriftlichen Hinweis „Bitte einmal durchsehen. Große Fahrt geplant: Hagen — Schwerte — Dortmund und zurück.”

Friedhelm Kleine

Friedhelm Kleine (75) hat ebenfalls ab dem 1. April 1950 eine Ausbildung zum Autoschlosser bei Bichmann absolviert: „Mein Vater war mit Carl Bichmann befreundet. Da war schnell klar, dass ich hier meine Lehre machen konnte. Ich habe bei Bichmann bis 1956 gerarbeitet, danach war ich bei R & G Schmöle. Ich wusste schon früh, dass ich mich selbstständig machen wollte. Eigentlich stand das für mich schon am ersten Tag meiner Lehre fest.

Ich habe dann 1960 meine Meisterprüfung gemacht. Ich habe mich erst an der Papenhausenstraße, später dann am Bräukerweg selbstständig gemacht. Heute habe ich den Betrieb am Bräukerweg vermietet.

Früher haben wir in der Autowerkstatt mehr mit den Händen gearbeitet. Heute läuft viel mehr per EDV.”

Corinna Schutzeichel

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