Menden im Maßstab 1:300
30.04.2010 | 06:00 Uhr 2010-04-30T06:00:00+0200
Menden. Wie ihre Stadt vor rund 200 Jahren ausgesehen hat, davon können sich Mendener zukünftig selbst ein Bild machen. Und zwar bis ins kleinste Detail.
Georg Hanke, Klaus Kimna, Wolfgang Kißmer, Norbert Klauke und Willy Stehmann haben in 2600 Recherche- und Arbeitsstunden ein Modell der Stadt um 1829 gebaut. Ein Schatz für Menden.
Bürgermeister Volker Fleige machte am Donnerstag bei der Vorstellung des Modells keinen Hehl aus seiner Begeisterung. Brauchte er auch nicht, denn die Anlage spricht bereits beim ersten Blick für sich. Fleige nannte sie einen „Meilenstein” und machte den ehrenamtlichen Bauherren ein „Riesenkompliment”. Das Mendener Stadtmodell umfasst exakt 333 Gebäude und wurde im Maßstab 1:300 auf Grundlage des Urkatasters von 1829 gebaut.
Wolfgang Kißmer (Fleige: „Der Bauherr und Planer”) beschrieb gestern die akribische Recherchearbeit in Archiven, Bauamt und Katasteramt. Für jedes Gebäude wurde ein Datenblatt angefertigt über den Zeitraum von 1785 bis 1900 mit Angaben über Bauart, Gebäudegröße, Besitzerwechsel und Bewohner, zum Großteil sogar mit Angabe des Berufes. „Damit können wir auch Aussagen machen über das Sozialgefüge in der Stadt”, erläuterte Kißmer.
400 Stunden Malarbeit
Allein 400 Stunden Malarbeit stecken in dem Mendener Stadtmodell. Wolfgang Kißmer dankte Georg Hanke für dessen Einsatz besonders: „Er hat die Klötzchen durch Farbe zum Leben erweckt.” Unter anderem zeichnete Georg Hanke etwa 6000 Fenster ein. „Ich habe versucht, möglichst exakt jeden Balken nachzumalen”, erzählt Hanke, der manchmal schon geflucht habe, „weil alles so klein ist.”
Stadtarchivar Norbert Klauke begleitete die Arbeiten mehr als drei Jahre lang. Bei all den liebevoll und authentisch gestalteten Details betonen die ehrenamtlichen Bauherren aber auch: „Es handelt sich nicht um eine 100-prozentige Kopie, sondern um unsere Vorstellung eines möglichen Stadtbildes um 1829.” Zwei Gebäude, das Kessemeierhaus und die evangelische Kirche, die zwar erst später erbaut worden sind, befinden sich wegen ihrer geschichtlichen Bedeutung dennoch bereits in dem Modell.
Dank des ehrenamtlichen Einsatzes ist das Stadtmodell für Menden auch in finanzieller Hinsicht ein echter „Glücksfall”. Fleige: „Professionell erstellt hätte es uns etwa 45 000 Euro gekostet.”
Am kommenden Sonntag wird das Stadtmodell ab 10.30 Uhr erstmals im Rathaus öffentlich zu sehen sein. Bis dahin erhält es noch ein Holzgestell und eine Glashaube, gesponsert von den Firmen Weber und Beierle sowie den Rotariern. Im Rathaus soll es zunächst verbleiben und dort auch bei Stadtführungen gezeigt werden. Fleige versprach aber schon gestern einen Ehrenplatz. Auch wenn es derzeit noch Zukunftsmusik sei, den Poenigeturm öffentlich zugänglich zu machen: „Ich könnte mir vorstellen, ihn mit dem Stadtmodell wieder zum Leben zu erwecken.”
19:30
@ hagelbette
Gute Frau, war das damals nicht Besatzungsrecht - hessisches? Und das erste Mal, dass sich die Mendener den Anordnungen eines Nichtkatholiken beugen sollten? So etwas fällt einem richtigen Mendener doch heute noch schwer ... ;-)
16:00
Menden war ja auch kein Dreckloch, schon am 23.6.1804 gab es eine Polizeiverfügung durch Oberleutnant Jesse unter § 7 steht:
Sollen die Straßen wöchentlich 2x Mittwochs und Samstags vor jedem Haus und zwar bis zur Mitte der Straße gekehrt werden, bei Strafe von 1Rthr.
Am 24.6.1804 wird die Polizeiverordnung von der Kanzel publiziert zugleich mit einer Proclama wegen Wegräumung der Mistfälle, Holzhaufen, Wagen und Karren von der Straße. Wäre heute in manchen Ecken auch sinnvoll. Zudem sollte es ja auch ein schönes Modell sein, unschöne Dinge sehen wir jeden Tag man muß die Augen nur aufmachen.
15:10
Habe mir heute vormittag das Modell in natura angesehen. Jawohl, es ist ein schönes Modell: Kein Unrat in den Gassen, die Hauptstraße ist nicht von Karrenspuren zerfurcht, die Gärtlein sind aufgeräumt und die Gewässer leuchten blau.
Es ist sicher auch kein 100 % akkurates Modell: Wer davor steht, weiß sofort um die Unmöglichkeit, für die genaue Lage jedes einzelnen der tausende Fachwerkbalken zu garantieren.
Aber es ist ein gutes und richtiges Modell, weil es den Betrachter der Zeit näher bringt und das Interesse weckt, mehr darüber zu wissen.
Dieses Interesse kann befriedigt werden, denn für jedes Haus ist über einen längeren Zeitraum dokumentiert, wer von wann bis wann dort gewohnt und was er/sie gearbeitet hat. Das bringt erst richtig Leben in die Bude!
Mal sehen, was Heimatforscher, Stadtführer und Pädagogen daraus zu machen verstehen ...
13:56
Die Erbauer des Models haben, soweit ich das gelesen und verstanden habe, niemals behauptet, dass ihr Model dem Urzustand entspricht. Also sollte man die Sache possitiv sehen und den Erbauern für ihre Arbeit danken. Warum muss man immer alles mit der Lupe betrachten und sofort kritisieren?
12:39
Dann haben Sie Recht.
08:59
Sehen Sie, man sollte sich erst einmal informieren !
Man kann zum Beispiel sich mal das Modell heute
ansehen bevor man vorschnell ein Urteil abgibt.
Die evangelische Kirche war ab 25.11.1834 bis 1864 an der Bahnhofstrassse und stand dort wo heute die Bäckerei Niehaves zu Kaffee und Kuchen einlädt. Im Haus gegenüber war die Wohnung für den Lehrer, Küster und Organisten Carl Bernau später für Pastor Gustav Quade. 1897 wurde das Gebäude abgerissen. Der Vorgängerbau des sogenannten Kessemeier Hauses wird 1832 in den Versicherungslisten gelöscht und der Nachfolger unter dem Namen Leser Rothschild 1834 mit 4580 Rthr bewertet, wird also zwischen 1832 und 1834 gebaut worden sein. Ich denke in so einem geringen Zeitlichen Abstand ist die Aufnahme schon wegen ihrer Bedeutung gerechtfertigt.
01:21
Wie kommen Sie auf 1834?
Ich gehe von der Heilig-Geist-Kirche 1864 aus.
22:14
Hallo ichhier,
1829 bis 1834 sind keine 30 Jahre !
Mathe 6 setzen !!
19:49
@5
Weil jede Fälschung der Geschichte zwingend ein Schritt in die falsche Richtung ist.
In meinen Augen kann und darf Geschichte keine Bauwerke- Personen oder Geschehen 30J. in der Zeit versetzten.
Wenn ich das alleine so sehe ist das.... komisch,
zeigt es doch das wir aus unserer Geschichte nichts gelernt haben.
15:05
@ 1
So kann man Alles niedermachen! Warum nicht einfach Eine tolle Leistung - und fertig?
Die kleinen Fehler oder Ungereimtheiten, die bei einem so großen Werk IMMER bleiben, sollte man als Besserwisser mit den Machern direkt diskutieren. Wahrscheinlich sind sie für Hinweise sogar dankbar.
Und ansonsten freuen wir uns alle, dass es Mendens Vergangenheit jetzt in solch anschaulicher Form zu besichtigen gibt. Kommt es da wirklich auf zwei von 333 Gebäuden an?