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Bäcker Lintz liefert Torten auch mal nachts

08.02.2010 | 08:00 Uhr

Menden. Eigentlich schlug er zunächst eine andere Laufbahn ein. Erst mit 28 Jahren erlernte Andreas Lintz das Bäckerhandwerk. Heute führt der 49-Jährige den Familienbetrieb in vierter Generation mit Leib und Seele.

Nach dem Schulabschluss lernte Andreas Lintz den Beruf des Energieanlagenelektronikers und war bei Grohe beschäftigt. Nach einiger Zeit bei der Bundeswehr arbeitete er im Bereich Kfz-Mechanik und -Elektrik. Für seinen Vater Gerhard Lintz stand fest, dass Andreas Lintz eigentlich seinen beruflichen Weg gefunden hatte. „Meine Interessen lagen ganz eindeutig im elektrischen und elektronischen Bereich”, blickt Andreas Lintz zurück.

Beruflich völlig von vorne angefangen

Deshalb entschied Gerhard Lintz, dass er den Betrieb mittelfristig verkaufen würde. Das war für Andreas Lintz der ausschlaggebende Punkt, beruflich doch noch einmal völlig von vorne anzufangen. Bei einem befreundeten Bäcker absolvierte er eine auf ein Jahr verkürzte Bäcker-Ausbildung, um ins elterliche Unternehmen einsteigen zu können. Danach folgte die Meisterschule. Neun Tage, nachdem er seinen Meisterbrief in den Händen hielt, übernahm Andreas Lintz am 31. Dezember 1991 offiziell die Bäckerei und Konditorei. Auch seine Ehefrau Riccarda, die als Sozialpädagogin im Club 78 arbeitete, kündigte ihre Stelle und arbeitete fortan im Familienunternehmen mit.

Backen ist kreativ

War es rückblickend die richtige Entscheidung, beruflich völlig umzuschwenken? „Ja, eindeutig”, sagt Andreas Lintz. „Zum einen könnte ich auf Dauer nicht damit umgehen, in einem Angestellten-Verhältnis zu arbeiten und immer noch jemanden über mir zu haben. Und zum anderen ist Backen kreativ. Das ist eine andere Welt, und die hat mir auf Anhieb unheimlich gut gefallen.”

Früher Wohnzimmer, heute Ladenlokal

Andreas Lintz investierte nach der Geschäftsübernahme erheblich, tauschte den kompletten Maschinenpark inklusive der Backöfen aus. Damit führt er die Bäckerei in der vierten Generation.

Firmengründer war 1906 sein Urgroßvater Aloysius Nettelnbusch. „Damals haben die Bäcker die Brotteige und die Blechkuchen, die die Bäuerinnen zubereitet hatten, einfach nur abgebacken”, weiß Andreas Lintz. Der Haupterwerb seines Urgroßvaters blieb die Kleintierzucht. Im Laufe der Jahre wurde mehrfach um- und angebaut: „Dort, wo heute unser Ladenlokal ist, war früher unser Wohnzimmer”, erzählt Andreas Lintz von der Geschichte des Gebäudes in der Heidestraße 74.

Buttercremetorte für 15 Pfennig

Andreas Lintz' Großvater Heinrich Lintz übernahm den Betrieb 1930 mit seiner Frau Wilhelmine und hat seinem Enkel viel von den Anfängen des Bösperder Unternehmens — heute gibt es noch ein zweites Geschäft in Lendringsen — berichtet. „Im Jahr 1915”, blickt Andreas Lintz zurück, „kostete eine Buttercremetorte 15 Pfennig. Das konnte sich damals kaum jemand leisten.”

31 Jahre später folgte in dritter Generation Gerhard Lintz. Heute hat er seinen Lebensmittelpunkt im Ausland, aber wenn er in seiner alten Heimat weilt, steht er jeden Tag in der Backstube: „Ruhestand hat für die Lintz' nie gegeben”, sagt sein Sohn Andreas Lintz.

Mitternachts- und Festtagstorten

Besonders wichtig ist Andreas Lintz die Beratung seiner Kunden. So hat es auch schon mal über eine Stunde gedauert, bis ein Kunde hundertprozentig zufrieden war mit der Planung seiner Hochzeitstorte: „Wir machen da keine Verkaufsgespräche, sondern Beratungsgespräche.”

Seit drei Jahren liefert die Bäckerei Lintz auch auf Bestellung Mitternachts- und andere Festtagstorten aus. Zuständig für die Auslieferung ist Sohn Alexander (21). Im vergangenen Jahr wurden noch mehr Festtagstorten als in den Vorjahren bestellt: „Die späteste Bestellung war für halb zwei Uhr nachts”, erinnert sich Alexander Lintz.

Echtes Familienunternehmen

Die Bäckerei Lintz ist ein echtes Familienunternehmen. Nach dem Tod seiner Ehefrau Riccarda vor wenigen Jahren sind auch Andreas Lintz' Schwestern Corinna und Stephanie mit eingestiegen. Ob die Bäckerei Lintz auch in fünfter Generation als Familienunternehmen geführt wird? Tochter Rebecca geht noch zur Schule, und Sohn Alexander studiert Mechatronik. Dennoch arbeiten beide in ihrer Freizeit im Familienunternehmen mit. „Ob die beiden mal die Bäckerei übernehmen möchten oder nicht, steht noch nicht fest”, sagt Vater Andreas Lintz. „Da lasse ich ihnen vollkommen freie Hand.”

Corinna Schutzeichel

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