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Die Tücken des Frostes

Tauwetter verschafft Klempnern Konjunktur

15.01.2009 | 20:00 Uhr
Tauwetter verschafft Klempnern Konjunktur

Mittwochabend kurz vor 20 Uhr. In der Redaktion meldete sich eine Leserin: „In dem leerstehenden Haus am Drostenhof 9 rauscht es gewaltig. Dort ist offenkundig ein Wasserrohr gebrochen. Was ist zu tun?”

Ein Anruf bei der Polizei. Die Beamten der Wache Hohenlimburg informieren den Notdienst der Mark-E.

Keine zwölf Stunden später sind gestern Morgen die Mitarbeiter der Mark-E wieder vor Ort. Es rauscht weiter heftig. Offenkundig ergießt sich weiterhin das Wasser ungehindert in die Kellerräume. Wahrscheinlich ist die Wasseruhr geplatzt.

Die Mark-E-Mitarbeiter können jedoch nicht an diese Stelle vordringen. Eine Tür ist verschlossen. Deshalb wird der sich in der Straße befindende Hausanschluss abgedreht. Somit ist die größte Gefahr gebannt.

In die Luft fliegen

Weil auch die Gaszufuhr noch nicht abgesperrt war, zeigten die Mark-E-Mitarbeiter Weitsicht und baten Fachkollegen um Unterstützung. „Sonst könnte die Bude irgendwann einmal in die Luft fliegen.”

Das wäre nicht nur gefährlich, sondern auch schade, denn dieses Haus gehört zur Wohnhauszeile mit ausgeprägten Jugendstilelementen, die nach Einschätzung von Fachleuten zu den schönsten in Westfalen zählen. Deshalb sollten die Häuser erhalten bleiben.

Wem das Jugendstil-Haus gehört, konnte gestern nicht geklärt werden. Der Besitzer hat sich vor rund 18 Monaten aus dem Staub gemacht.

Hochkonjunktur

Hochkonjunktur hatten in den vergangenen Tagen insbesondere die Klempner. Denn durch das eisige Wetter sind schlecht isolierte Leitungen mit Leichtigkeit zugefroren. Durch das Tauwetter bersten sie jetzt. „Da ist beispielsweise eine ganze Garage abgesoffen, in der noch drei Autos standen. Am nächsten Tag hätte man auf der Eisfläche dort Schlittschuh laufen können”, erinnerte sich Heizungsbauer Peter Dowerk an den Einsatz vom Wochenende.

Tropfen erst beim Tauen

Die klassischen Rohrbrüche passieren immer dort, wo Wasser- und Heizungsleitungen liegen, die während der eisigen Kälte nicht genutzt werden oder schlicht schlecht isoliert sind. „Und man merkt erst, dass etwas nicht stimmt, wenn es schon wieder taut, denn dann erst tropft es an den defekten Stellen”, erklärte Meinhard Bieke, Gas- und Wasserinstallateur-Meister sowie Zentralheizungs- und Lüftungsbauer-Meister.

Installateurmeister Heribert Ramb, Inhaber des Fachbetriebes Schnickmann, hat bereits seit dem 7. Januar mehr zu tun, denn schon vor über einer Woche sind die ersten Leitungen wieder aufgetaut. „In einem Keller ist die Wasseruhr geplatzt, da spritzte das Wasser nur so heraus”, berichtete er von einem Notfalleinsatz.

Entwarnung kann noch nicht gegeben werden, denn noch immer kann es passieren, dass Hausbewohner nicht alle Rohrbrüche bemerkt haben. „Manchmal sind die Stellen versteckt oder man hat noch nicht in allen Räumen nachgesehen”, so Meinhard Bieke.

Verhindern könne man das Bersten der Wasserleitungen nur dadurch, dass man vor dem Winter kontrolliere, ob sämtliche Leitungen richtig verlegt und isoliert worden sind. „Außerdem hilft es, Räume mit Wasserleitungen zu heizen”, ergänzte er.

Rechtzeitig hat der Hohenlimburger Bauverein reagiert. „In den leerstehenden Gebäuden haben wir frühzeitig den Frostschutz überprüft und die Heizungen auf Frostbetrieb eingestellt”, so Marion Golling, Geschäftsführerin des Hohenlimburger Bauvereins. „Zusätzlich haben unsere Mitarbeiter die Wasserleitungen entleert und dann abgesperrt.”

Mit ganz anderen Problemen hat momentan Friedhofsgärtner Jens Büße zu kämpfen. „Der Boden ist noch immer bis in eine Tiefe von 20 Zentimetern gefroren”, sagte er und versuchte, mit einem Spaten ein Loch für ein Urnengrab zu schaufeln. Doch es sei schon schlimmer gewesen. „In der vergangenen Woche war der Boden bis auf 50 Zentimeter gefroren.”

Stemmhammer als Hilfe

Für ein Urnengrab müsse er eine Tiefe von rund 90 Zentimetern erreichen: „Das war schon schwierig, ich habe dann den Stemmhammer als Hilfe genommen”, erinnerte er sich.

Außerdem habe das Ausheben der Urnengräber zum Teil vier Mal so lange gedauert, wie normalerweise. Hätte es in dieser Zeit Begräbnisse mit Särgen gegeben, wäre der Mini-Bagger zum Einsatz gekommen. Trotz der Anstrengungen in den vergangenen Tagen, „einen Muskelkater habe ich nicht bekommen”, witzelte er.

Volker Bremshey und Kerstin Wegener

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