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Bürgerinitiative will Raser ausbremsen

16.07.2007 | 13:49 Uhr

Hohenlimburg. Die gute Nachricht vorab: Die Bürgerinitiative "B 236" und die Behörden ziehen an einem Strang, wenn es am morgigen Mittwoch darum geht, den Landesbestrieb Straßen NRW von einer Entschärfung der Bundesstraße 236 zwischen Ergste und dem Schä

Die schlechte Nachricht: Selbst wenn die vor allem bei Motorradfahrern beliebte und einschlägig bekannte Strecke in den vergangenen Monaten häufig zum Schauplatz schlimmer Unfälle geworden ist, stufen die Verkehrsexperten die Chancen für Tempolimit, Sperrungen oder bauliche "Bremsen" nicht besonders hoch ein.

Das wurde gestern im Ordnungsamt der Stadt Hagen deutlich, als die BI-Mitglieder Ingrid Hofbauer und Elke Leidecker einen dicken Aktenordner mit 1447 Unterschriften an Amtsleiter Peter Schmidt überreichten. Anschließend fuhren die beiden Schälk-Anwohnerinnen zum Landesbetrieb und überreichten eine weitere Ausfertigung der Unterschriften.

Die Akte, die Peter Schmidt zum gestrigen Termin vorlegte, spricht eine deutliche Sprache: Von der Fahrbahnerneuerung im Oktober 2005 bis Ende 2006 ereigneten sich auf dem Straßenstück, das zu Hagener Stadtgebiet zählt, zwölf Unfälle, von denen elf auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen seien; neun Unfälle ereigneten sich am Wochenende. Die traurige Bilanz: Ein Toter, mehrere zum Teil schwer verletzte Motorradfahrer und Pkw-Insassen, die oft schuldlos in die brenzligen Situationen geraten.

Kein Wunder, denn die Straße, die durch den Kreis Unna verläuft, sich etwa einen Kilometer lang über Hagener Stadtgebiet schlängelt und dann im Märkischen Kreis an der Autobahnfahrt in Letmathe mündet, ist in einschlägigen Internetforen als "geile Rennstrecke" bekannt, auf der Geschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern möglich sind.

Die Anwohner sind mit ihren Nerven am Ende. "Wir haben überhaupt nichts gegen normale Motorradfahrer, die sich an die Höchstgeschwindigkeit von 50 oder 70 Km/h halten", erklärt Ingrid Hofbauer, die an dem schmucken Haus mit der Nummer 17 geboren und aufgewachsen ist. "Aber man schreckt permanent auf, wenn man das Dröhnen der Raser hört und bekommt irgendwann Angst und Beklemmungen." Auch Elke Leidecker ist es Leid, "die Raser zu hören und auf den nächsten Knall zu warten". Ganz zu schweigen von den schlimmen Bildern, die nach jedem Unfall in ihrem Gedächtnis bleiben. Beide haben mehrmals versucht, mit den Bikern, die im Übrigen jeder Altersklasse zuzuordnen sind, zu reden - vergeblich. Viele seien aggressiv geworden oder einfach weitergefahren. Hofbauer: "Die Ignoranz ist wirklich erschreckend."

Stefanie Kabeck, Sachgruppenleiterin für Verkehrssicherheit beim Ordnungsamt Hagen, kennt die Strecke selbst und weiß um die Gafahr. Trotzdem wird es für sie nicht leicht, den Landesbetrieb zu überzeugen. "Die Strecke ist kein Unfallschwerpunkt", erklärt sie, denn dafür müssten sich mindestens drei Unfälle an der selben Stelle und mit der selben Ursache ereignen. So bitter es klinge: "Es ist einfach noch nicht genug Schlimmes passiert."

Auch Michael Hoffmann, Leiter Verkehrssicherheit der Polizei Hagen, war in den vergangenen Wochen oftmals mit seinen Kollegen vor Ort und kann die Problematik sowohl als Motorradfahrer als auch als Anwohner einer viel befahrenen Straße bestens einschätzen. Das Dilemma bestehe seiner Ansicht nach darin, dass das Gefährdungspotenzial bereits mit etwas 70 Km/h rapide ansteige, die Strafen für eine solche Geschwindigskeitsübertretung aber noch nicht einmal zur Anzeige führten.

Aber wie soll man der Raserei Einhalt gebieten? "Ein Tempolimit ist völlig zwecklos", so Peter Schmidt, "daran halten sich diese Art Motorradfahrer ohnehin nicht." Ein generelles Verbot für Zweiräder sei weder sinnvoll noch praktikabel. Denkbar sei vielleicht, zumindest an den Wochenenden die Strecke nur für Motorradfahrer mit Ausnahmegenehmigung freizugeben. Auch das Aufrauhen der Fahrbahn, so genannte Sohlenfräsen, seien denkbar, weil die Strecke dadurch ihren "Grip" und damit auch ihren Reiz für die Biker verlieren würde.

Wie es weitergeht, wird sich nach der Sitzung im Landesbetrieb klären. Chaoten wie etwa der "Kurvengeier", der seine Irrsinns-Fahrt auf Video gefilmt und ins Internet gestellt hat, dürften auch an den Schreibtischen in Hagen, Arnsberg oder Düsseldorf keinen Zweifel am bestehenden Handlungsbedarf lassen.

Von Christian Janusch

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Kommentare
17.05.2011
11:51
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von lc1961 | #2

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06.06.2008
19:13
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von xyr1300 | #1

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