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Unterirdisch laut

02.12.2010 | 16:48 Uhr
Unterirdisch laut
Die Band Rooky im alten Bunker: Joel Hesper, Jonas Ritzel, Manuel Dose, Maurice Koch, Joel Schulte und Tim Schöpe (vin links). Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool

Hattingen. Im alten Bunker unter der Mörikestraße rocken Nachwuchsbands. Die dicken Betonwände halten den Lärm im Innern.

Früher sollte der Bunker an der Mörikestraße die Menschen vor dem Krieg schützen. Dazu wird er heute nicht mehr gebraucht. Ein Glück. Schutz bietet das unterirdische Gemäuer neben der Feuerwache aber noch immer. Und zwar Ohrenschutz. Denn von der lauten Rockmusik aus den Proberäumen unter der Erde kommt draußen nichts an.

Sechs Bands haben sich im alten ABC-Bunker eingerichtet. Eine davon heißt Rooky. Joel, Jonas, Manuel, Maurice, Tim und der zweite Joel rocken hier, was das Zeug hält. Und das Zeug hält. Während in anderen Kellern längst die Einmachgläser aus dem Regalen springen würden, sind die massiven Betonwände an der Mörikestraße nicht zu erschüttern.

Wie ist es denn so, im Bunker zu sein? „Kalt“, ruft Manuel, seine Bandkollegen lachen. Dabei ist es dort unten zurzeit geradezu mollig warm im Vergleich zur beißend-kalten Außentemperatur. „Es ist gut, wenn man etwas eigenes hat“, fügt Tim hinzu. Seit dem Frühjahr sind Rooky in ihren Proberaum im Bunker gezogen, vorher haben sie in ihrer Schule, der Gesamtschule Welper, geprobt. 55 Euro pro Monat zahlen sie für ihre kleine Rock-Welt. Das ist auch für Schüler bezahlbar. „Das ist das Billigste, was man kriegen kann“, sagt Joel.

Noch einen Vorteil haben die Jungs erkannt: „Wenn es mal brennt, ist es gut, dass direkt nebenan die Feuerwehr ist“. Zurzeit brennt im Bunker aber höchstens die Luft, wenn die Stromgitarren kreischen, die Bässe wummern und die Druckwellen des Schlagzeugs das Zwerchfell kitzeln.

Noch versuchen sich die sechs Rookys an den Liedern anderer Bands. „Nevermind“ von Nirvana zum Beispiel, oder „Wonderwall“ von Oasis. „Wir schreiben jetzt aber auch unsere eigenen Songs“, erklärt Joel. Rockig soll sie sein, die eigene Musik, und ein bisschen punkig. „So Richtung Green Day“, umschreibt er.

Die Umgebung jedenfalls passt zum Stil der Nachwuchsband. Die Zeit unter der Erde scheint eigenen Regeln zu folgen. An der Wand im Eingangsbereich zeigt ein Kalender das Jahr 1994 an, präsentiert von „Sauels Frische Wurst“. Riesige gelbe Metalltüren, einst dazu gedacht, Menschen vor Atomangriffen, biologischen und chemischen Kampfstoffen zu schützen, erinnern daran, dass diese Räume nicht zum Vergnügen eingerichtet wurden. Mittlerweile aber haben auch die Jugendlichen ihre Spuren hinterlassen. Die Wände sind bunt gestrichen, Teppiche verlegt. Und manche bunkern sie hier sogar ihre Wäsche – eine alte Socke im Nebenraum zeugt davon.

Nina Estermann



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