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Mord an Wolfgang Schepp

Von Tätern fehlt jede Spur

12.11.2007 | 18:10 Uhr
Von Tätern fehlt jede Spur

Hagen. Vor einem Jahr wurde der Hagener Multimillionär und Immobilien-Kaufmann Wolfgang Schepp Opfer eines brutalen Raubmordes.

Der Hagener Unternehmer Wolfgang Schepp wurde Opfer eines Raubmordes. Fotos: Michael Kleinrensing

9. November 2006, 19.05 Uhr, längst hat die Dunkelheit des Abends die repräsentative Villa an der Bergruthe umschlungen. Der Beginn einer November-Nacht, die im diffus-grellen Lichtermix aus Polizei-Blaulichtern und Erkennungsdienst-Strahlern enden sollte. Eine Bluttat, die bis heute unaufgeklärt blieb. „Daher ist für mich auch der emotionale Schlusspunkt nicht erreicht”, meint die Tochter des Erschossenen im WP-Exklusiv-Interview. Dennoch lässt sie keinen Zweifel daran, dass sie von der verantwortlichen Mordkommission um den Leiter Ralf Neumann keine Antworten mehr erwartet.

Tochter besuchte Vater am Morgen des Mordes

Die 37-Jährige Tochter von Wolfgang Schepp, die aus persönlichen Gründen ungenannt bleiben möchte, hatte noch am Morgen jenes 9. November 2006 ihren Vater auf Emst besucht. Die studierte Management- und Business-Frau mit internationaler Berufserfahrung, die auf ihrer Visitenkarte sich als Mitglied der renommierten britischen Immobilienexperten-Vereinigung Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) ausweist, hatte wenige Monate zuvor damit begonnen, das Immobilien-Portfolio des 55-Jährigen mitzubetreuen. „Er war nie ein Mann großer Gefühle. Doch in seinen letzten Monaten zeigte er mehr Gelassenheit und merkte, dass es neben dem Geschäft auch noch andere Dinge im Leben gibt”, erinnert sich die Mutter dreier Söhne an den Abschied an jenem Morgen: „Plötzlich erzählte er, wie glücklich er mit seiner Familie und seinen Enkeln sei.”

Ein Jahr nach dem Mord an Wolfgang Schepp. Seine Tochter vor einem Bild des Hagener Malers Emil Schumacher.

Gut zwei Stunden später erreichte die Schepp-Tochter ihre Familie auf dem landwirtschaftlichen Hof in Niedersachsen. „Mein Vater hat unser Landleben nie verstanden. Er liebte seine Geburtsstadt Hagen.” Als sie am Abend der Anruf der Mutter ereilte, dass ihr Vater Opfer eines Überfalls geworden sei, kehrte sie noch in der Nacht nach Hagen zurück.

Schuss in die Brust war tödlich

Mit einem Schuss in die Brust hatten zwei Unbekannte den Hagener getötet, als dieser gerade aus der Sauna kommend die Täter überraschte. Bargeld auf dem Nachttisch, wertvolle Gemälde an den Wänden und eine Sportwagensammlung in den Garagen ignorierten die Raubmörder bei ihrer Flucht. Umso offener bleibt das Motiv: Ging es wirklich nur um Schmuck und eine Uhrensammlung oder doch um einen Rachakt?

Spekulationen, die sich nicht zuletzt aus dem ungewöhnlichen beruflichen Werdegang von Wolfgang Schepp ableiten. Der Sohn eines Teppichlegers, der weite Teile seiner Jugend bei der Großmutter verbrachte, startete als Kfz-Elektriker eine Ausbildung bei Barlmeyer am Märkischen Ring. Dort lernte er auch seine Frau kennen, die parallel eine Ausbildung zur Bürokauffrau startete. Wenig später bewies Schepp überdurchschnittliches Autoverkäufer-Talent bei Ford und machte sich bald mit der Firma City-Car an der Eckeseyer Straße selbstständig. Gehobene Limousinen bildeten den Mittelpunkt seines Sortiments. Bei diesen Geschäften gingen auch Fahrzeuge an Halbwelt-Größen. „Teile der Medien haben dabei ein Bild von meinem Vater gezeichnet, in dem ich ihn nicht wieder fand.”

Kleinbetrieb wurde Weltunternehmen

Den entscheidenden unternehmerischen Schritt wagte Schepp aber gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Dieter Curland, mit dem er ein zahntechnisches Labor in Meinerzhagen erwarb. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der nach Breckerfeld verlagerte Kleinbetrieb zu einem Weltunternehmen für patentierte Dentalhalte- und Implantat-Elemente. Als Leiter von Vertrieb und Verkauf ließ Schepp das Unternehmer rasant auf den internationalen Märkten wachsen. „Wenn man verkaufen kann, spielt die Ware keine Rolle”, beschreibt seine Tochter den Hagener als einen geschäftlichen Jongleur mit bombastischem Ehrgeiz und hohem mathematischem Verständnis. „Er konnte Zins und Zinseszins schneller im Kopf berechnen als andere auf dem Taschenrechner.”

Ein ökonomisches Gespür, das Schepp auch beim Verkauf des Unternehmens Mitte der 90er Jahre bewies. Noch bevor die Gesundheitsreform auch der Dentalbranche diverse Fallstricke in den Weg legte, ging der Betrieb „ZL Microdent” in den Besitz der Hanauer Heraeus Holding über. Ein Verkauf, der den Hagener Unternehmer zum Multimillionär machte.

Bundesweite Immobiliengeschäfte

„Geld, das mein Vater mit seinem Bauchladen zielgerichtet vermehrte”, blickt die 37-Jährige voller Respekt auf die bundesweiten Immobiliengeschäfte und Projektentwicklungen des Emsters. Die Poco- und Ratio-Ansiedlungen unweit des Vorhaller Kreisels, mit denen Schepp zuletzt in seiner Heimatstadt sichtbare Spuren hinterließ, gehören eher zu den kleineren Erfolgsgeschichten der „WS Beratungs- und Handels GmbH”. Spektakulärer und auch architektonisch bemerkenswerter stellen sich hingegen Einzelhandelsinvestitionen in zentralen 1a-Lagen in Chemnitz, Lübeck, Erfurt oder Wiesbaden dar. „Vor allem die attraktiven Gewinnmargen haben meinen Vater an Immobiliengeschäften gereizt. Langfristige Beteiligungen an Unternehmen waren einfach nicht sein Ding. Er wollte Projekte lieber entwickeln, entstehen und schließlich auch beendet sehen.”

Dabei gehorchte er bei seinen Investitionsentscheidungen weniger strategischen Überlegungen als seinem untrüglichen Fingerspitzengefühl. Ein Talent, dass ihn gleichzeitig zum unnachgiebigen, knallharten Verhandler machte, dessen impulsive Ausbrüche durchaus legendär und gefürchtet waren. „Er war in Verhandlungen nicht nett, wenig kalkulierbar, kein Diplomat”, weiß auch seine Tochter, „aber er hatte einen unglaublichen Durchsetzungswillen”.

Wirbel um Kündigung für Bank

Charakterzüge, die auch ein Hagener Kreditinstitut einmal schmerzlich zu spüren bekam: Aus Verärgerung über einen geschäftlichen Dissens kündigte er dort kurzerhand sämtliche Konten, erwarb wenig später die zentral gelegene Bank-Immobilie und drohte die Kündigung des Mietvertrages an. Erst ein Besuch des Frankfurter Vorstandes in Hagen konnte das Ärgste noch abwenden.

Heute führt die 37-Jährige, die den Begriff Workaholic keineswegs als Schimpfwort empfindet („Nach einer Woche Urlaub werde ich unausstehlich, selbst die Wochenenden sind mir manchmal zu lang.”), die Schepp-Geschäfte weiter. „Ich habe mich oft mit meinem Vater gefetzt, weil ich einfach ähnlich ticke”, formuliert die analytisch-strukturiert denkende Frau, die den Satz „Dinge auf den Punkt bringen” zu ihrem Arbeitscredo erkoren hat. Den Schwerpunkt ihrer Projektentwickler-Tätigkeit sollen die Mittelstädte in einem Radius von etwa 200 Kilometer rund um Hagen bilden.

Kunsterbe soll erhalten bleiben

Ebenso beabsichtigt die 37-Jährige, das Kunsterbe von Wolfgang Schepp nicht nur zu erhalten, sondern auch zu erweitern. „Mein Vater war zunächst kein großer Kenner, sondern eher genial aus dem Bauch heraus.” Schnell hatte der Unternehmer begriffen, dass Bilder auch eine lukrative Investition in die Zukunft darstellen. Zunächst investierte er scheinbar wahllos in Werke von Monet und Manet oder zählte sogar einen van Gogh zu seinem Privatbesitz. Später konzentrierte sich Schepp mit seiner Sammlung auf die Hagener Größen Emil Schumacher und Christian Rohlfs. Letztere Bilder sollen Anfang 2008 im italienischen Ascona, wo Rohlfs lange Jahre gelebt und gewirkt hatte, im Rahmen einer Exposition präsentiert werden. Im Anschluss wird die so genannte „Hagen'sche Sammlung” (Hagen & Schepp), die seit dem Tod des Kaufmanns um weitere Stücke ergänzt wurden, in Schleswig in Schloss Gottorf zu bewundern sein. Auch ein weiteres Schumacher-Motiv erwarb die Tochter kurz nach der Bluttat in einer Düsseldorfer Galerie: „Das Bild hatte mein Vater noch ausgesucht, als Original aber nicht mehr gesehen. Als ich das Werk bei der Übergabe erstmals auf der Staffelei erblickte, war dies das entscheidende Signal für mich, seine Kunstaktivitäten auszubauen.” Ein weiteres Standbein der wertvollen Privatsammlung werden obendrein noch Bilder von Lyonel Feininger bilden.

Dass die Öffentlichkeit nur wenig über die auf Leinwand gebannten Kunstschätze im Privatbesitz des Hageners ahnte, passte trotz des selbstbewussten geschäftlichen Auftretens ebenfalls zum Naturell von Wolfgang Schepp: „Er war sich durchaus bewusst, dass manche Kreise in Hagen ihn nicht haben wollten”, ist sich seine Tochter der Zurückhaltung mancher gesellschaftlicher Gruppen durchaus bewusst. „Mein Vater hat niemals seine Wurzeln oder seine alten Bekanntschaften und Beziehungen verleugnet. Selbst auf die Gefahr hin, dass dies - wie vor einem Jahr - missverstanden wurde. Er war in jeder Hinsicht souverän, war wirtschaftlich, vor allem aber im Innersten unabhängig. Er ließ sich nicht vereinnahmen, nicht von denen, die vielleicht ein Kainsmal auf der Stirn tragen, aber auch nicht von denen, die Macht, Reichtum und Ansehen ihr Eigen nennen.” Öffentliche Auftritte waren ohnehin nie das Parkett, auf dem Wolfgang Schepp sich wohlfühlte. Selbst zu seinem 50. Geburtstag trug er bei einer Feier im privaten Kreis drei flüchtig notierte Sätze mit Hilfe eines Spickzettels vor.

Wagenpark verkauft

Einzig wenn es um seinen Wagenpark ging, liebte der Emster den großen Auftritt. So manch ein Besucher seines Privathauses an der Bergruthe musste zunächst die Luxuskarossen-Sammlung in seinen Garagen bewundern, bevor er ins Wohnhaus geladen wurde. Inzwischen sind die Edel-Limousinen und Sportwagen längst veräußert.

Viele geschäftliche Aktivitäten von Wolfgang Schepp möchte die 37-Jährige im Geiste ihres Vaters fortführen. Ihren Lebensmittelpunkt hat sie von Niedersachsen zurück nach Hagen verlegt. „Nach dem Abitur wollte ich so schnell wie möglich weg aus dieser Stadt, heute denke ich, es ist schön, hier zu sein.” Natürlich habe es direkt nach der Bluttat - auch angesichts der offenbar im Sande verlaufenden polizeilichen Ermittlungen - Momente gegeben, wo sie überlegt habe, mit der Familie Deutschland ganz zu verlassen. Ein Gedanke, den sie längst verworfen hat: „Denn dann gewinnt das Böse.”

Martin Weiske

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Kommentare
27.12.2007
17:47
Von Tätern fehlt jede Spur
von Zandra | #1

Warum hast Du Ihn dann nicht gewarnt!! Warum weißt Du dann jetzt nicht wer Ihm das angetan hat!!! Was bezweckst Du mit diesem Kommentar meinst Du nicht das Du damit seiner Familie wehtun könntest!! Wenn Du Ihn richtig gekannt hättest, denke ich müsstest Du wissen, dass er so einen Kommentar sicher nicht gut heißen würde!

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