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Misshandlungsprozess

Sinas Bruder bricht Aussage weinend ab

02.03.2010 | 19:06 Uhr
Sinas Bruder bricht Aussage weinend ab

Hagen. Im Misshandlungs-Prozess vor dem Hagener Landgericht spielte sich am Dienstag eine kleine Tragödie ab: Sinas jüngerer Bruder Lukas (14), der ebenfalls gequält worden sein soll, saß im Zeugenstuhl.

Nur knapp 1,50 Meter entfernt zog seine Mutter Maike P. (38) auf der Anklagebank ein wehleidiges Gesicht und presste Tränen. Offenbar zuviel Druck für den schmächtigen Jungen, dessen Schilderungen mehrmals durch einen Weinkrampf unterbrochen wurden.

„Du musst dich hier nicht länger quälen und diesen Interessenkonflikt gegenüber deiner Mutter weiter durchstehen”, versuchte Staatsanwältin Marie-Jose´e Lagemann den sichtlich aufgewühlten Jugendlichen, der eher wie ein Zwölfjähriger wirkt, mit einfühlsamer Stimme zu beruhigen. Sie erinnerte ihn nochmals daran: „Du brauchst hier keine Angaben zu machen.”

Alle Blicke in dem großen Sitzungssaal sind nun auf Lukas gerichtet. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Der kleine Mann im viel zu großen schwarzen Konfirmandenanzug und der marineblauen Krawatte versucht tapfer einen weiteren Anlauf: „Da war nie was”, sagt er mit zittriger Stimme, „gar nichts”, und wird dabei aus Richtung der Anklagebank von seiner Mutter kopfnickend unterstützt. Unter dem Tisch knetet Lukas derweil nervös seine Hände, und seine Beine wippen aufgeregt hin und her.

Aussage abgebrochen

Doch als er schließlich mit den schweren Anschuldigungen, die er seinerzeit bei der Polizei zu Protokolll gegeben hatte, konfrontiert wird, scheinen verdrängte Erinnerungen wieder in ihm aufzusteigen: Die Geschichte von Schwester Sina, die in einer Badewanne schlafen musste - oder die wuchtigen Schläge mit dem Holzkochlöffel, die beide nahezu regelmäßig bekommen hätten. Sollen die behaupteten, jahrelangen systematischen Quälereien etwa nur ein Hirngespinst sein? Erneut bricht Lukas seine Zeugenaussage ab, beginnt zu weinen und schluchzt: „Ich möchte nichts mehr sagen.”

Es scheint, als sei jetzt ein Riesendruck von ihm gewichen. Der schwer verhaltensauffällige 14-Jährige wird schon seit geraumer Zeit in einer Spezialeinrichtung in Kirgistan sonderpädagogisch und psychologisch betreut. „In Deutschlands konnten wir mit ihm nicht mehr arbeiten”, sagt Jutta Platte vom Jugendamt, „Lukas musste dringend aus diesem Umfeld hier raus.”

Die gelernte Sozialarbeiterin legte dem Gericht einen Zettel vor. Den hatte Sina am 28. Oktober 2008 im Jugendamt mit Hand geschrieben: „Wovor ich Angst habe?”, steht da, „vor meiner Vergangenheit, vor meiner Mutter Maike und ihren Freunden.”

Schuldfähigkeit wird geprüft

Richterin Heike Hartmann-Garschagen verkündete einen Beschluss: Maike P. und ihr mit angeklagter Lebensgefährte Ralf J. (42) sollen durch einen psychiatrischen Gutachter auf ihre Schuldfähigkeit untersucht werden. Dabei geht es auch um die Frage, ob sie in eine geschlossene Klinik eingewiesen werden müssen.

Fortsetzung am 23. März 2010.

Helmut Ullrich

Kommentare
29.05.2010
14:37
Sinas Bruder bricht Aussage weinend ab
von komisch | #25

was willst du den als antwort???
hier bekommst du bestimmt keine.
hier wo es jeder lesen kann.

...schreib mir.
sogeheim@mail.ru

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Sinas Bruder bricht Aussage weinend ab
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2010-03-02 19:06
Hagen