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Nach Trickserei bekommt Rentner Fahrverbot

14.12.2009 | 17:44 Uhr
Nach Trickserei bekommt Rentner Fahrverbot

Hagen. Es ist die beliebteste Ausrede von ermittelten Verkehrssündern: „Ich hatte den Wagen an einen nahen Verwandten verliehen, möchte aber nicht sagen, an wen.” Dieser Trick kann böse Folgen haben. Wie in einem Fall aus Eilpe.

 Am 19. März, gegen 12.15 Uhr, hatte ein blauer Hyundai einen auf dem Kaufpark-Parkplatz abgestellten grauen BWM gerammt und dabei eine 45 Zentimeter lange Schramme in den Lack geratscht. Der Unfallverursacher, ein weißhaariger Mann, verschwand zunächst unerkannt. Fahrerflucht. Doch drei Zeugen hatten ihn beobachtet und auch das Autokennzeichen notiert.

Zeugnisverweigerungsrecht

Als Halter des Unfallfahrzeugs wurde von der Polizei eine 64-jährige Dortmunderin ermittelt. Sie gab wahrheitsgemäß an, sie hätte am Tattag ihr Auto nicht selbst gefahren, sondern „an einen nahen Verwandten verliehen”. An wen, das wolle sie nicht sagen, sie berufe sich auf ihr „Zeugnisverweigerungsrecht”.

Nach dem Gesetz ist tatsächlich niemand verpflichtet, nahe Angehörige, also Verwandte, Verschwägerte oder Verlobte, einer Strafverfolgung auszuliefern. Man darf dann die Auskunft verweigern und schweigen.

Doch so einfach lässt sich die Polizei nicht abschütteln. Ein „älterer, weißhaariger Mann” - diese Beschreibung hätte sehr gut auf den Ehemann der Autohalterin passen können. Also ging der nächste Anhörungsbogen an ihn.

Auch Rentner Manfred A. (66) behauptete, er selbst sei nicht der Unfallfahrer gewesen, sondern der „nahe Verwandte”.

Nun wurde es den Ermittlern zu bunt. Sie bestellten Manfred A. zur „erkennungsdienstlichen Behandlung” ein. Fingerabdrücke sollten ihm abgenommen - und Fotos von ihm gefertigt werden. Die Aufnahmen wollte man den drei Zeugen zu einer Identifizierung vorlegen. Der Rentner fühlte sich sicher: „Auf Anraten meines Anwalts werde ich der Vorladung nicht folgen.”

Richterliche Anordnung

Pech nur: Die erkennungsdienstliche Behandlung wurde schließlich sogar richterlich angeordnet. Manfred A. ärgert sich: „Es wurden dort richtige Verbrecherfotos von mir gemacht. Portraits von vorne, im Profil und Ganzkörperaufnahmen. Und das alles wegen 1200 Euro Blechschaden.”

Nicht nur, dass ihn die drei Zeugen später bei der Bildvorlage eindeutig als den flüchtenden Unfallfahrer erkannten, auch im Gerichtssaal wurde Manfred A. identifiziert: „Das ist er. Hundertprozentig.”

"Perfides verhalten"

Amtsrichter Dietmar Peter verhängte 1400 Euro Geldstrafe und ein dreimonatiges Fahrverbot wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Der Richter: „Hätten Sie sich nicht auf den angeblichen Verwandten berufen, hätten wir diesen ganzen Eiertanz hier nicht gebraucht.” Die Trickserei müsse sich zudem strafverschärfend auswirken. Sie sei ein „perfides Verhalten”.

Helmut Ullrich

Kommentare
15.12.2009
13:09
Nach Trickserei bekommt Rentner Fahrverbot
von observer1 | #7

@6: ich kenne eine Ganze Menge, die von DO nach HA fahren (ich selbst auch), aber bleiben Sie ruhig bei Ihrer schlechten Meinung von Hagen. ich als...
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2009-12-14 17:44
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