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Mit Herzlichkeit und Witz gegen den Frost

15.02.2010 | 10:27 Uhr
Mit Herzlichkeit und Witz gegen den Frost

Hagen. Respekt: 25 000 Karnevalisten des Hagener Nordens trotzten gestern tapfer und mit närrischer Gelassenheit den Winterunbilden 2010.

Während nach den nächtlichen Neuschnee-Massen die Straßen im übrigen Stadtgebiet sich den Bürgern am Sonntag alles andere als optimal geräumt präsentierten, war der Zugweg rund um den „Boeler Dom” flockenfrei. Der optimale Untergrund für frechen Straßenkarneval zum Schmunzeln, Tanzen und Mitsingen. Getreu der Oberloßrockpaar-Losung „Mit Wärme im Herzen der Kälte trotzen”.

Wenn um 13.30 Uhr von der Treppe des Boeler Amtshauses das Volk mit einem zackigen „Guten Morgen” begrüßt wird, hat es nicht etwa einen Kommunalbediensteten jäh aus dem Büroschlaf gerissen. Vielmehr verkündet der Oberloßrock dem übernächtigten Narrenvolk traditionell am Karnevalssonntag seine elf närrischen Gesetze. Allerdings blieb die Zuschauerzahl bei Dauerfrost und leichtem Schneefall eher übersichtlich. Denn die Boeler Jeckenschar erschien gestern erst spät, aber dennoch zahlreich: Erst kurz vor Zugbeginn säumten wieder Tausende die Straße - gerne kostümiert, bevorzugt in wärmende Textilien gehüllt und mit ebensolchen Getränken ausgerüstet. Als die ersten Wagen die mit Schlaglöchern übersäte Hagener Straße hinaufholperten (Oberloßrock Christopher: „Die Krater stopfen wir mit dem Bockmist aus Hagen”), herrschte an den am Straßenrand platzierten Bistrotischen bereits beste Partylaune.

Spardruck kann die Laune nicht verderben

Davon dürfte der voraushetzende Schutzmann Hans Dratius bei seinem Tempo nur wenig mitbekommen haben. Angesichts der Kälte flitzte der historisch uniformierte Frontmann des Zuges so eilig los, dass schnell große Löcher zwischen den einzelnen Nummern entstanden. Doch die nachfolgenden Fußgruppen, Kapellen und Prunkwagen ließen sich nicht beirren und behielten ihren sympathisch-entschleunigten Tritt bei. Selbstbewusst demonstrierten die Narren in Richtung Arnsberg, dass sie in Sachen Tierheim Herrn Diegel gerne einen Riegel vorschieben würden: „Die Tiere in Hagen sind kein Fall für den Asia-Grill”, so die Botschaft. Aber auch das Thema Sparen bleibt aktuell: der (Volme-)Treppenwitz am Rathaus sowie die Sorge um die Zukunft des Hengsteybades waren ebenso Themen wie ein Stadtaffen-Bändiger, der die destruktive Primaten-Riege im Rathaus zu domptieren versuchte.

Tapfer tanzten die Phoenix-Cheer-Girls gegen die Kälte an.

Ansonsten diktierte der Zeitgeist das Themenspektrum der Motive: Schweinegrippe, Fußball-WM oder auch die TV-Erlebniswelt mit Top(f)-Model, frauensuchenden Bauern oder Auswanderer-Romantik bis in galaktische Gefilde. Übrigens: Einen Ehrenorden verdienten sich die Phoenix-Cheer-Girls in ihren kurzen Röcken und knappen Tops, die ausgerechnet hinter dem Motto-Schild „Herz & Schmerz” im Flockenwirbel tanzten, während ihre Trainerin im dicken schwarzen Mantel vorweg stolzierte.

In diesem Sinne noch einmal der gut gemeinte, aber unverzichtbare karnevalistische Tipp für den heutigen Rosenmontagszug: Zieht Euch warm an!

Martin Weiske und Michael Kleinrensing (Fotos)

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