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Millionen-Skandal um Museumskosten

13.12.2009 | 10:53 Uhr
Millionen-Skandal um Museumskosten

Hagen. Das Finanzfiasko rund um die tatsächlichen Betriebskosten des neuen Kunstquartiers an der Hochstraße droht sich zum nächsten Hagener Millionen-Skandal auszuwachsen.

Schöner Anblick in der Dunkelheit - aber die Betriebskosten für den Museumskomplex laufen völlig aus dem Ruder.

Unserer Zeitung liegt eine Echtkosten-Berechnung der Hagener Gebäudewirtschaft (GWH) vor, wonach die Stadt für Emil-Schumacher- und Karl-Ernst-Osthaus-Museum sowie die angrenzenden Büroflächen in dem Verwaltungs- und Bürotrakt alljährlich 1 522 344 Euro aufbringen muss. Eine Kostenexplosion im Vergleich zu den im Januar 2008 präsentierten Zahlen von unglaublichen 111,4 (!) Prozent.

Schon vor knapp zwei Jahren musste der städtische Fachbereich Immobilien, Wohnen und Sonderprojekte kleinlaut einräumen, was Skeptiker von Beginn an vermutet hatten: Die ursprünglich vorgegaukelten und niemals auf fachliche Plausibilität seriös überprüften Unterhaltungs- und Personalkosten aus der Ära der seinerzeit verantwortlichen Dezernenten Johann Dieckmann und Annekathrin Grehling, die 2002 immerhin Grundlage des entscheidenden Ratsbeschlusses zum Bau des 27,8 Millionen Euro teuren Museumsensembles wurden, entbehrten jeglicher Realität. Dabei waren möglichst geringe Folgekosten seinerzeit ein zentrales Argument für die Zustimmung zu dem Bauwerk.

Auch nachgebesserte Zahlen aufgehübscht

Zuletzt addierten sich die jährlich anfallenden Kosten für die Reinigung des Gebäudes sowie der Glasfassade (135 000 Euro), für Energie (45 000 Euro), für Bauunterhaltung und -wartung (218 000 Euro), für die Aufsichtsstellen (280 000) sowie einen Hausmanager (42000) nach Angaben des städtischen Fachbereichs für Immobilien immerhin schon auf stolze 720 000 Euro. Knapp ein Drittel mehr als vor dem Bau des Leuchtturmprojektes offiziell kommuniziert wurde. Aber auch die nachgebesserten Zahlen aus 2008 waren offensichtlich erneut massiv angehübscht, um die Jahreskosten auf ein politisch gerade noch verdauliches Maß zu deckeln.

Inzwischen entpuppt sich auch diese 2008er-Kalkulation, die damals die Atmosphäre für die potenziell noch für dieses Jahr angedachten Eröffnungsfeierlichkeiten nicht vergiften durfte, als absolute Luftnummer. Seit die ersten Erfahrungswerte mit dem Echtbetrieb des Kunstquartiers vorliegen, kalkuliert die GWH im Vergleich zu den 2008-Zahlen mit jährlichen Mehrkosten von 802 344 Euro!

Diese setzen sich wie folgt zusammen: Reinigung von Gebäude und Glasfassade: 185 248 Euro (+50 248 Euro/+37,2 Prozent); Energie: 327 844 Euro (+282 884 Euro/+628,6 Prozent); Bauunterhaltung und -wartung: 287 100 Euro (+69100 Euro/+31,7 Prozent); Aufsichtsstellen: 608 400 Euro (+328 400 Euro/+117,3 Prozent); Hausmanager: 79 000 Euro (+37000 Euro/+88,1 Prozent).

Nächtlicher Wachdienst vergessen

Ein Wachdienst, der nachts im Museumsquartier nach dem Rechten sieht, wurde in den bisherigen Berechnungen gleich ganz vergessen, schlägt aber in der Realität mit 34 712 Euro zu Buche.

Somit addieren sich die tatsächlichen Jahreskosten in den Augen der GWH-Experten auf mehr als 1,5 Millionen Euro. „Bereits im Wahlkampf habe ich darauf hingewiesen, dass die Kalkulationen zu den Folgekosten beim neuen Kunstquartier möglicherweise sehr ambitioniert sind”, zeigt sich Oberbürgermeister Jörg Dehm von dieser Entwicklung nicht wirklich überrascht. „Wir werden uns mit diesem Thema im Verwaltungsvorstand am Dienstag intensiv auseinandersetzen. Ich habe die zuständigen Beigeordneten und die Fachverwaltung gebeten, bis dahin dezidiert Stellung zu den Zahlen zu beziehen. Danach werden wir uns gegenüber der Öffentlichkeit und der Politik zu diesem Komplex äußern.”

Den Kommentar zum Text lesen Sie hier.

Martin Weiske

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Kommentare
11.05.2010
12:56
Millionen-Skandal um Museumskosten
von winni n. | #111

als bis vor kurzem noch-hagener lach ich mich kaputt. nicht zu finanzierendes museum. im neuen bad ist längst nicht alles ok und durchplant. aber hagen hats ja. gut das mich das nicht mehr kratzen muss.

07.05.2010
22:37
Millionen-Skandal um Museumskosten
von dummersteuerzahler | #110

Die Presse wird bald wieder ruhig sein. Dafür werden schon ein paar Kunstfreunde mit Einfluß sorgen. Mich wundert sowieso, dass die Sache hier so breit getreten wird.

15 von Kunstfreund5800 , am 11.12.2009 um 22:34

UND RECHT BEHALTEN HAT DER KUNSTFREUND!!!

07.05.2010
22:33
Millionen-Skandal um Museumskosten
von Klapperschlange | #109

Ich habe eine bescheidene Frage:

Hat sich Beitrag 1 - 3 im Thema geirrt?

07.05.2010
22:28
Millionen-Skandal um Museumskosten
von Klapperschlange | #108

Nun, dieser Artikel gibt nichts NEUES in Hagen bekannt, sondern nur die alte Masche!

Wenn es um Pflichtaufgaben der Stadt geht, wird sich mit peinlichen und haarsträubenden Argumenten gewehrt, KEIN GELD - OHHHAAAAAA - wird sind ja sooooo arm. Da sollen wir unmündigen Bürger mal schön den Mund halten und gefälligst Verständnis haben. Aber obendrein noch jede Menge ehrenamtliche Arbeiten übernehmen.....weil die Stadt ja so arm ist. Und Spenden natürlich - und diese Gelder dann an die Nachbargemeinden verschenken, weil wir ja hier eh nix auf die Kette kriegen....

Aber wenn es um sogenannte Prestige-Objekte geht, da darf es nicht zu wenig kosten! Da ist die Stadt plötzlich steinreich - während gleichzeitig angeblich nicht mal das Geld für ein paar Parkbänke vorhanden ist.

Und immer die selbe Masche: Es kostet Summe X! Eine kleine Weile später: Ooooooch, sorry, wir haben uns verrechnet..... was vergessen.......was übersehen....... aber jetzt steht der Prunkbau ja schon halb da rum und da müssen die Steuerzahler jetzt durch - und den Mund halten natürlich!

Ich habe nichts gegen Kunst, nichts gegen Kultur, aber ich habe was gegen die Hagener Bande, die angesichts einer vergammelnden Stadt, unterbezahlter Feuerwehrleute und unzähliger nicht erfüllter Pflichtaufgaben den unverschämten Nerv hat, ein weiteres Museum zu finanzieren, ein Spaßbad ohne Umkleidekabinen, Kunst an und auf der Brücke...nicht zu vergessen der Briefkasten mit Schreibfehler......4000 € lt. Presse.

Verantwortlich ist letzendlich niemand - wie immer.


I

14.03.2010
09:47
Millionen-Skandal um Museumskosten
von Zirkusdirektor | #107

Ich bin der Hundertste.Glückwunsch.

04.03.2010
16:28
Millionen-Skandal um Museumskosten
von HagenerLümmel | #106

#98 Es wird keinerlei Konsequenzen geben, weil der OB Jörg Dehm schon längst von der Kunst-Theater-Clique in Hagen eingefangen wurde. Es zappelt nun wie alle seine Vorgänger wie eine Marionette an den Fäden jener Leute, die allen Hagener Bügern ihren Kunst- und Kulturgeschmack aufzwingen.

04.03.2010
08:30
Millionen-Skandal um Museumskosten
von coolercamper | #105

Rechenfehler??? Oder bewusst falsch berechnet!!!
Wer ist dafür verantwortlich? Was passiert mit den Verantwortlichen? Ich finde das Verhalten kriminell, ein Fall für die Staatsanwaltschaft! Es muß Konsequenzen geben.

26.02.2010
11:34
Millionen-Skandal um Museumskosten
von Medley | #104

@Kölnercollegeboy

Das Problem scheint nur, dass die Mehrheit in Hagen diese Kunst nicht versteht, weil sie zu herausragend ist.

Unfug. Kunst kann man, muss man aber nicht verstehen. Hauptsache sie gefällt einen. Kunst ist vorallem Geschmacksache. Sie soll zum emotionalen oder/und geistigen Wohlbefinden beitragen. Und dieses Wohlbefinden gestaltet sich halt bei jedem Menschen individuell anders, insofern der Eine sie in ihrer Ausformung als herausragend oder der Andere sie auch für bescheuertes Geschmiere hält. Beides ist zu akzeptieren, weil es halt Ansichtssache ist. Mir persönlich gefallen die Arbeiten von Schuhmacher, auch wenn ich sie ob der von dir unterstellten Herausragung nun leider überhaupt nicht verstehe. Das rechtfertigt dann aber trotzdem keine Millionen Euro-Geldverschwendung. Generell kann Kunst aber immer kostendekend sein. Warum denn auch nicht?! Ein Musiker zB. kann, wenn er denn nur berühmt genug ist, ob seiner Massenwirkung ein ganzes Stadion für sein Konzert anmieten und erwirtschaftet mit den Einnahmen aus den Eintrittsgeldern zu 99% nicht nur die Kostendeckung, sondern macht dazu(was ja eigentlich auch der Sinn der ganze Mühe ist) auch noch dicke Gewinne. Ist er hingegen weniger bekannt, weil er oder seinen Darbietungen zB. zu herausragend sind, so tritt er eben nur in einer Halle oder in einem kleinen Club oder in einer Kneipe auf. Die Verpackung muss immer zum Inhalt und zum Konsumenten des Produktes der Kunst passen. Hätte man daher das ES-Museum etliche Nummer kleiner und bescheidener gebaut, wer weiß, vielleicht wäre dann diese Einrichtung der Stadt Hagen nicht nur einer Nehmer sondern auch ein Geber für die klamme Haushaltskasse geworden.

05.02.2010
22:41
Millionen-Skandal um Museumskosten
von rathausbooster | #103

@ morgenmuffel Wenn Sie das CDU-Parteibuch haben oder der CDU nach eigenem Bekunden nahe stehen oder gut buckeln können, auch wenn Sie höherqualifiziert sind als Herr Dehm, dann haben auch Sie eine Chance in der Stadtverwaltung hoch zu kommen.

05.02.2010
19:29
Millionen-Skandal um Museumskosten
von morgenmuffel | #102

Mein Verdacht bestätigt sich: Unter der SPD-Führung wurden die Pöstchen in der Hagener Verwaltung echt nur nach Parteizugehörigkeit und nicht nach Qualifikation vergeben.
Von daher bin ich froh, dass J. Weber nicht OB geworden ist. Welch ein Glück, dass jetzt ein Verwaltungsfachmann den S...-haufen in der Hagener Verwaltung durchforstet.

Die konnte dort ja noch nicht mal eine vernünftigte Betriebskostenkalkulation aufstellen - die leiterin der Kämmerei - welch ein Armutszeugnis! Die dame würde ich verklagen, wenn ich im Rechtsamt der Stadt Hagen sitzen würde....

Hallo Herr Dehm - falls sie noch jemand mit langer Verwaltungspraxis inklusiver Weiterbildung im Immobilienbereich suchen - bitte umgehend bei mir melden!

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