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Barock und Rock

Jon Lord bei den Philharmonikern

17.02.2008 | 15:03 Uhr
Jon Lord bei den Philharmonikern

Hagen feiert Jon Lord.

Von Monika Willer

Hagen. Jon Lord bringt der Rock-Generation und ihren Kindern das vergessene klassische Erbe zurück. Der britische Musiker, Komponist und Grenzgänger zwischen den Stilen wurde jetzt bei zwei ausverkauften Festkonzerten zum 100-Jahr-Jubiläum der Hagener Philharmoniker stürmisch gefeiert.

Jon Lord, Mitbegründer und Keyboarder von Deep Purple, hat die Band vor gut fünf Jahren verlassen, um eigene Wege zu gehen. Der 66-Jährige wollte sich nicht dem Altherren-Club der Rock-Rentner anschließen, die mit ihren immer gleichen historischen Hits durch die Welt touren. Dafür ist Jon Lord auch ein viel zu guter Musiker, der bereits vor 40 Jahren versucht hat, seine Liebe zum Rock und seine Leidenschaft für Sinfonik künstlerisch zu vereinen.  Das „Concerto for Group & Orchestra” von 1969 stand entsprechend im Mittelpunkt der beiden Konzerte in der Hagener Stadthalle und verblüffte die Klassik-Gemeinde ebenso wie das Pop-Publikum durch seine Fülle an Farben, seinen Reichtum an Rhythmen und Harmonien und seine wunderbaren Melodien. 

Das „Concerto” ist ein groß angelegtes dreisätziges Stück, das Lord mit außerordentlichem Sinn für Klangfarben-Kombinationen komponiert hat. Lord kontrastiert im ersten Satz Orchester und Band, lässt beide regelrecht miteinander streiten. Das Andante beginnt mit sakral und mittelalterlich anmutenden Akkorden von Harfe und Röhrenglocken. Wieder greift die Band das Thema auf, und jetzt kommt die entscheidende Wende. Zu den Instrumenten gesellt sich die Stimme. Der hochbegabte junge Hagener Tenor Jefferey Krueger setzt ein, und der Gesang ist es, der das Orchester und die Band zur Fusion bringt.  Im Schlusssatz verschmilzt Lord dann beide Klangkörper mit fantastischen Dialog-Effekten: So spielen sich das Rock-Schlagzeug und die große philharmonische Schlagzeug-Gruppe die Einsätze lustvoll zu. In diesem spannenden „Concerto grosso” nach barockem Vorbild ist alles enthalten: Volkslied und Choral, Romantik und Pop-Balladen, Jazz-Harmonien und Rock-Rhythmen.  Barock und Rock haben viel gemeinsam: die Freude am Improvisieren, die Freiheit des solistischen Auftretens innerhalb eines stabilen harmonischen Gerüsts. Jon Lords Hommage an die alten Meister ist mit dem „Concerto” demnach nicht beendet. Stücke wie „Telemann Experiment”, „Sarabande” und „Gigue” beziehen sich auf Georg Philipp Telemann und seine Kollegen. Hier greift Jon Lord endlich selbst in die Tasten. Und wenn er am Flügel oder an der Hammondorgel sitzt, dann hört man, wie sich der Orgelvirtuose Lord vor dem Orgelvirtuosen Johann Sebastian Bach verbeugt. Zwei Lieder komplettieren das Programm. „One from the Meadow” und „Wait a while”, gesungen von der großartigen Sopranistin Tanja Schun.  Die Zugabe ließ endgültig alle Herzen schmelzen: „Music was my first love” von John Miles mit Jefferey Krueger als Solisten. Die Philharmoniker haben hörbar Freude an diesen Grenzgängen. Auch die Band, die „Dead Composers Rocking Society”, fühlt sich wohl in der Nachbarschaft so vieler Kollegen vom Klassik-Fach. Dirigent Gwennolé Rufet hat den Riesen-Apparat sicher im Griff, und Jon Lord strahlt vor Freude und vor Musizierlust. Mit Crossover bezeichnet man Brückenschläge zwischen Rock und Klassik. Crossover gibt es aber ebenfalls im Publikum, das Konzert-Abonnenten und Pop-Fans in Begeisterung vereint. Jon Lord bekannte, wie sehr er 1969 mit dem „Concerto” gegen die Mauern des Establishments angerannt ist. Hätten sich Rockmusiker und Orchestermusiker eher zu gemeinsamen Projekten getroffen, würden die Philharmonien heute vielleicht nicht vor so großen Problemen mit dem Hörer-Nachwuchs stehen.

Monika WILLER

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Kommentare
19.02.2008
16:21
Jon Lord bei den Philharmonikern
von Ein Konzertbesucher | #8

Ganz ehrlich: So herausragend, inspirierend und künstlerisch wertvoll der Auftritt Lords war, so unsachgemäß und daneben wirkt der verfasste Bericht dazu.
---------
Der 66-Jährige wollte sich nicht dem Altherren-Club der Rock-Rentner anschließen, die mit ihren immer gleichen historischen Hits durch die Welt touren. Dafür ist Jon Lord auch ein viel zu guter Musiker...

Interessant. Eine schöne Wertung (Rentner) neben der Anmaßung, das Lord im Grunde zu gut für den Rest ist. Deplazierter Kommentar.

Das „Concerto for Group & Orchestra” von 1969 stand entsprechend im Mittelpunkt der beiden Konzerte in der Hagener Stadthalle und verblüffte die Klassik-Gemeinde ebenso wie das Pop-Publikum...

Pop-Publikum? Wo saß dieses denn? Weder handelt es sich bei dem dargebotenen um Pop, noch sollte das die Zielgruppe gewesen sein!

Lord kontrastiert im ersten Satz Orchester und Band, lässt beide regelrecht miteinander streiten.

Falsch. Lord sagte selbst, beide Seiten würden ihren Raum einnehmen und sich musikalisch behaupten, bevor sie zueinander fänden. Das Wort Streit klingt wir ein Konflikt. Genau gegen dieses Denken arbeitet Lords Musik doch.

Das Andante beginnt mit sakral und mittelalterlich anmutenden Akkorden von Harfe und Röhrenglocken. Wieder greift die Band das Thema auf, und jetzt kommt die entscheidende Wende. Zu den Instrumenten gesellt sich die Stimme. Der hochbegabte junge Hagener Tenor...

Auch falsch. Der Tenor setzte erst im zweiten Teil ein, der erste Teil wurde (so Lords Ankündigung) instrumental geplant.

Mit Crossover bezeichnet man Brückenschläge zwischen Rock und Klassik. Crossover gibt es aber ebenfalls im Publikum, das Konzert-Abonnenten und Pop-Fans in Begeisterung vereint.

Unfassbar.Man mag zwar neudeutsch das Wort Crossover anwenden, der Begriff ist aber nicht auf aber Rock und Klassik beschränkt. Allgemein ist der musikalische Brückenschlag gemeint.

Hätten sich Rockmusiker und Orchestermusiker eher zu gemeinsamen Projekten getroffen, würden die Philharmonien heute vielleicht nicht vor so großen Problemen mit dem Hörer-Nachwuchs stehen.

Nicht nachvollziehbar. Zum einen gibt es viele solcher Projekte, zum anderen erwächst der Hörer-Nachwuchs nunmal aus einer gewissen musikalischen Genese. Da es sich nicht um Pop handelt, spricht dieses Projekt einfach nicht jeden an, da solche Musik (wie einige andere Richtungen) keiner Mode unterworfen ist und zeitlosen Bestand hat.
--------
Natürlich sehe ich das Ganze auch subjektiv - ganz klar. Aber ein solcher Bericht sollte den Spagat zwischen Objektivität und Subjektivität besser hinbekommen. (ein allzu frenetischer Fan wäre gleichfalls zu subjektiv, würde er dazu etwas schreiben)
Leider gewinnt man den Eindruck, als wäre hier musikalische Urteilskraft weniger vorhanden bzw. als wäre dieses Konzert nicht besucht, sondern lediglich weitererzählt worden. Tut mir leid.

Das Konzert/Experiment/Lebenswerk Lords war das Schönste, was in den letzten Jahren dem gepflegten, offenen, interessierten und auch musikalisch nicht in Schubladen denkenden Hörer zugänglich gemacht wurde. Dies sollte nicht mit einem Zugeständnis an ein Pop-Publikum verwässert werden.

Meine Meinung.

17.02.2008
15:12
Jon Lord bei den Philharmonikern
von wolfgang kraft | #7

Ich habe Jon Lord nunmehr zum dritten Mal solo live gesehen (mit Deep Purple außerdem mehrfach). DIESES Konzert am 15.2. war der absolute Hammer! Vielen Dank an alle, die das ermöglicht haben. Bin mit meiner Frau 1.000 km gefahren, um uns das zu gönnen... :-)

17.02.2008
15:06
Jon Lord bei den Philharmonikern
von Annette Bernard | #6

Hallo Claudia!
Hier kannst Du noch mal alles nachlesen und die Kommentare sprechen ja auch für sich!!!
Liebe Grüße
Annette

16.02.2008
13:16
Jon Lord bei den Philharmonikern
von Thomas.Lau | #5

Jon Lord in echt, hier:
http://www.derwesten.de/nachrichten/video/kultur/2008/2/12/news-23112821/detail.html

16.02.2008
13:13
Jon Lord bei den Philharmonikern
von K.B. | #4

Ich sage nur geil, dass war einfach Spitze :-))

16.02.2008
12:44
Jon Lord bei den Philharmonikern
von Dominik L: | #3

Ich war dabei! Juhu, war das geil.

16.02.2008
06:43
Jon Lord bei den Philharmonikern
von Uwe Huchel | #2

Ja, das war ein Erlebnis vom Allerfeinsten! Zumal es das einzige Konzert in D in diesem Jahr war. Ein dickes Dankeschön an die Veranstalter und das Orchester.

16.02.2008
01:43
Jon Lord bei den Philharmonikern
von ffolkes | #1

Klar, dass die Stadthalle rappelvoll war.
Hätte Hagen eine Mehrzweckhalle für 5000 Zuschauer - auch diese wäre rappelvoll gewesen.
Ja, wäre, wenn....Hagen eine solche Halle hätte!
Hat Hagen aber nicht. Warum auch?
Hagen ist und bleibt Provinz.
Solche Highlights können in Hagen nur wenige geniessen.
Basketball und Schulsport - nur dafür braucht man eine (3000er) Halle - für nichts anderes!
Für eine 5000er Halle besteht offenbar kein Bedarf.

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