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Die vielen Gesichter der Armut und Hilfe in Hagen

07.03.2012 | 17:50 Uhr
Die vielen Gesichter der Armut und Hilfe in Hagen
Die Köpfe hinter dem neuen Ratgeber „Menschen in Not" (v.l.): Anne Sandner, Gerd Steuber, Jochen Marquardt, Bernd Becker, Anna Vierhaus und Dieter Osthus.Foto: Michael Kleinrensing

Hagen. Die Not in Hagen wächst und hat viele Gesichter: „Jeder Achte ist auf Unterstützung angewiesen“, sagt DGB-Kreisvorsitzender Jochen Marquardt. Allein jedes vierte Hagener Kind unter 15 Jahren auch, weiß Gerd Steuber, Fachbereichsleiter Jugend und Soziales.

Daher haben das Bündnis für eine sozial gerechte Stadt Hagen, der Fachbereich Jugend und Soziales und die Gleichstellungsstelle der Stadt Hagen erneut gemeinsam das Handbuch „Menschen in Not“ herausgegeben. Schon die erste Auflage war 2009 ein Erfolg und wurde stark nachgefragt. Das aktualisierte Heft liegt nun in einer Auflage von 5000 Exemplaren vor und ist auf Nachfrage in den Bürgerämtern und vielen sozialen Institutionen erhältlich. Außerdem kann die Broschüre unter www.hagen.de heruntergeladen werden.

Mut fassen und Probleme zu bewältigen

Das Handbuch „Menschen in Not“ wendet sich an Menschen mit geringem Einkommen oder geringer Rente. An Menschen, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Ihnen will die Broschüre mit Hilfsangeboten von A bis Z Orientierung und Unterstützung geben: finanzielle und materielle Hilfen, persönliche Beratung und fachliche Informationen.

Mit 176 Seiten umfasst die aktuelle Auflage von „Menschen in Not“ noch mehr kompakte Informationen als das Vorgängerheft. „Die Not ist gestiegen, und wir reagieren darauf“, lobt Dieter Osthus einerseits die vielen Initiativen und das Engagement vieler Ehrenamtlicher als einen „Leuchtturm“, um Mut zu fassen und Probleme zu bewältigen. Gleichzeitig fragt der Dechant im Dekanat Hagen-Witten der katholischen Kirche aber auch: „Wie stark muss dieses Heft noch werden, um der Vielfalt der Not zu begegnen? Das macht mich sehr nachdenklich.“

Ein Stück weit hilflos

Gleichstellungsbeauftragte Anna Vierhaus fürchtet beim Blick in die Zukunft die weiteren Sparmaßnahmen im verschuldeten Hagen. Schon jetzt seien viele Betroffene in Not überhaupt nicht mehr erreichbar, verweist sie insbesondere auf die zunehmende Altersarmut. „Da ist man ein Stück weit hilflos.“

Trotz alarmierender Alltagserfahrungen in den Kirchengemeinden, Suppenküchen und Kleiderkammern und sozialen Einrichtungen formuliert Bernd Becker, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Hagen, die Marschrichtung im gemeinsamen Kampf gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit in Hagen so: „Unser Ziel muss es sein, dass manche der aufgelisteten Angebote überflüssig werden.“ Am besten schon in den nächsten zwei oder drei Jahren. Damit die nächste Neuauflage von „Menschen in Not“ nicht noch dicker wird.

Carolin Annemüller

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