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Angst vor schleichendem Untergang im Theater Hagen

13.12.2012 | 17:00 Uhr
Angst vor schleichendem Untergang im Theater Hagen
Szene aus der aktuellen Inszenierung „Fly me to the moon“ am Theater Hagen.Foto: Theater Hagen / Stefan Kühle

Hagen/Düsseldorf.   Am Theater Hagen wird das Budget seit Jahren gekürzt, nun steht erneut eine Verknappung an. Zehn Prozent weniger sehen die Verantwortlichen für den Kulturbetrieb vor. Für Kultur-Fans wie den früheren Bundesinnenminister Gerhart Baum geht das zu weit: Er wehrt sich gegen die Sparpläne.

Im Ringen um eine tragfähige Zukunftslösung für das unter dramatischen Finanzdruck geratene Theater Hagen hat sich nun eine weitere ebenso prominente wie gewichtige Stimme zu Wort gemeldet: Der frühere Bundesinnenminister und heutige Vorsitzende des NRW-Kulturrates, Gerhart R. Baum (FDP), hat auf direkte Anfrage unserer Zeitung seine unbedingte Bereitschaft signalisiert, mit den politisch und kulturell Verantwortlichen in Hagen zu sprechen.

„Das Hagener Theater ist aus meiner Sicht schon ein ganz krasser Fall innerhalb der NRW-Kultur; es ist in dieser Situation eine Wunde, die richtig schmerzt. Wir dürfen das so erfolgreiche Traditionshaus auf keinen Fall schleichend untergehen lassen; aber noch fehlt es offenbar an echten Konzepten“, meint Gerhard Baum. Auf der Grundlage seiner jahrzehntelangen „Kenntnisse des politischen Betriebes“ biete er daher „sehr gern“ seine Hilfe an.

Als Vorsitzender des NRW-Kulturrats hat Gerhart Baum gerade in diesen Tagen gegenüber der Düsseldorfer Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) seine Bedenken gegen die Reduzierung der Kulturfördermittel im Haushaltsentwurf 2013 sehr deutlich formuliert. Baum: „Ich habe mich übrigens auch mit den Kultursprechern aller Landtagsfraktionen unterhalten und dabei erfahren, dass sowohl auf Regierungs- wie auch auf Oppositionsseite die geplanten Kürzungen einvernehmlich kritisiert werden.“

„Kunst und Kultur sind kein Luxus"

Der Haushaltsentwurf sieht eine Verringerung der Kulturfördermittel von derzeit 0,04 Prozent auf 0,03 Prozent vor, also von 196 Millionen Euro auf 180 Millionen Euro. „Das entspricht einer zehnprozentigen Verringerung“, erklärt Gerhart Baum, „und das bei einem ohnehin derart geringen Etat, der im Gesamthaushalt praktisch gar nicht zu Buche schlägt. Ich halte das für völlig unverhältnismäßig.“

Kultur
Sorge um Zukunft des Hagener Theaters

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Außerdem stehe diese Planung im eklatanten Gegensatz zur Regierungserklärung von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD): „Kunst und Kultur sind kein Luxus - und dürfen es gerade in schwierigen Zeiten nicht sein“, hatte sie formuliert. Genau an diese Worte will sie nun der NRW-Kulturrat noch einmal erinnern und auch daran messen.

Notwendige Planungssicherheit

Bezüglich eines neuen Kulturfördergesetzes, das im kommenden Jahr möglichst in Kraft treten soll, bezieht der Kulturrat eine positive Haltung: „Wir verbinden damit die Hoffnung, dass Kulturpolitik aufgewertet wird. Wir erwarten, dass das Gesetz die Förderung von Kultur und Kunst stärkt“, hat der Kulturrat wissen lassen. Unter anderem komme es dabei aber auch darauf an, den Städten und Gemeinden einen Handlungsspielraum zu ermöglichen, sie zu motivieren, Kunst und Kultur zu fördern. Zudem sollte die Kulturpolitik verlässlich formuliert werden, um den Künstlerinnen und Künstlern entsprechende Planungssicherheiten in ihrer Arbeit gewährleisten zu können.

In Bezug auf die heikle Situation des Hagener Theaters sieht aber Gerhart Baum aus der Düsseldorfer Perspektive durchaus einen Hoffnungsschimmer: „Ich habe irgendwie den Eindruck gewonnen, dass da noch irgendwas im Busch ist, dass es doch noch Hilfe vom Land für Hagen geben könnte. Schließlich geht es am Beispiel Hagen auch ganz grundsätzlich um den Kulturstandort Nordrhein-Westfalen.“

Andreas Thiemann



Kommentare
16.12.2012
18:24
Angst vor schleichendem Untergang im Theater Hagen
von Computernutzer1 | #13

Aus dem obigen Artikel lassen sich nur Argumente für den Erhalt des Theaters herauslesen - warum lässt man das Theater nicht einfach in Ruhe ?! Wissen die Akteure, die sich die Entscheidungsmacht über "Wohl und Wehe" herausnehmen, welche Konsequenzen TATSÄCHLICH entstehen - auch für die kunstschaffenden Beschäftigten und ihre Familien - gerade jetzt zur Weihnachtszeit und in der laufenden Spielzeit? Welcher Aufschrei bei Schlecker und bei OPEL jeden Tag oder müssen die Künstler und Beschäftigten am Theater Hagen nicht ebenso um ihre Existenzen bangen?! Erschreckend auch die gedankenlose Kaltschnäuzigkeit dazu von einigen Kommentatoren unten...

15.12.2012
17:45
Ich kann es nicht mehr hören!
von erbsenzaehler | #12

Wie oft in einer Woche wollen Sie denn noch dieses Thema wälzen?
Es ist nicht genug Geld vorhanden! PUNKT

Entweder kommt das Theater mit weniger Geld aus oder es muß sein Angebot einschränken. Fragen sie mal Benutzer von Bus und Bahn, wie schnell so etwas geht.
Alternativ müssen die Kartenpreise erhöht werden. Auch das klappt bei Bus und Bahn in schöner Regelmäßigkeit.

Und bitte keine Geheule, daß das Abendland untergeht oder die Stadt Hagen unattraktiv wird. Das machen die steigenden Gebühren, Schulschließungen und das dilletantische Verhalten des Stadtrates und der Verwaltungsspitze.

15.12.2012
15:37
Angst vor schleichendem Untergang im Theater Hagen
von spatzenfreund | #11

@10 wie sähe denn ihre lösung der suche nach "sinnvollen lösungen" aus? womit wollen sie erhalten und fördern? mit krediten vielleicht?

15.12.2012
10:14
Angst vor schleichendem Untergang im Theater Hagen
von altesholz | #10

na gut, das sind aber keine argumente. es gibt leute, die brauchen auch keinen sport und keine sportplätze, sollen sie deshalb abgeschafft werden? kultur muss vielfältig und gleichmäßig unterstützt und finanziert werden. wenn das gros der öffentlichen mittel nur immer zum theater und in das kunstmuseum fließen, ist das ein ungleichgewicht. dadurch werden andere sparten zerstört, obwohl sie teilweise besser laufen und in der bevölkerung breiter gestreut sind. die einseitige großförderung von kunst und theater in hagen ist ein fehler. deshalb muss man das theater und die kunsteinrichtungen nicht gleich schließen. man muss nur nach sinnvollen lösungen suchen, um das eine zu erhalten und die anderen einrichtungen ebenfalls fördern.

14.12.2012
14:03
Angst vor schleichendem Untergang im Theater Hagen
von Jo-IT-Maen | #9

da kann ich susan2012 nur zustimmen,ich brauche das theater nicht kostet millionen und ist nur für wenige die macht und geld haben.100,-euro mehr für eine karte und alles ist gut.wenn nicht zumachen!!
so, jetzt können die befürworter des theaters wieder über uns herfallen. die stadt stirbt aus
kulturbanausen usw. vielleicht ist ja ein wort falsch geschrieben also nur zu ihr wichtigen retter des abendlandes

14.12.2012
12:36
Angst vor schleichendem Untergang im Theater Hagen
von Susan2012 | #8

Dann kann der Herr Baum doch mal was von seinem eigenen Geld zusteuern - Wie wäre das? Dieser ganze Kulturkrempel interessiert nur einen ganz geringen Teil der Bürger - also warum sollen dann eigentlich alle dafür zahlen. Es gibt wichtigere Dinge in Hagen die zu erledigen sind und nicht jede Kleinstadt braucht ein eigenes Theater und ein eigenes Museum. Müssten die sich selbst finanzieren, wäre da schon seit Jahren Schicht im Schacht und das wäre auch gut so.

13.12.2012
23:32
Angst vor schleichendem Untergang im Theater Hagen
von spatzenfreund | #7

wenn man das theater erhalten will, muss woanders gespart werden. dies dürfte doch klar sein. ich habe hier auch noch nie gelesen, dass beispielsweise die stadthalle eine große lobby hat. es geht hier nicht mehr um kulturentwicklung, sondern um eine geordnete abwicklung der einrichtungen, auf die der bürger am wenigsten wert legt, damit genug geld für den dauerhaften fortbestand der anderen einrichtungen vorhanden ist, die bei den bürgern am beliebtesten sind. eigentlich sollte diese zeilen der kämmerer schreiben und zeigen, wie man verantwortlich die finanzen der stadt managt. hagen braucht klare perspektiven, auch wenn es weh tut!

13.12.2012
23:24
Angst vor schleichendem Untergang im Theater Hagen
von spatzenfreund | #6

@6 dies sind die größten ausgabenposten, denke ich. und es dürfte klar sein, dass wir bei den bibliotheken und kleinkunstformen nicht weiter sparen dürfen.
also muss mal über das fortbestehen dieser großen ausgabenposten nachgedacht werden. dazu müssen aber erst mal die zahlen auf den tisch. welche einrichtung macht wieviel verlust? können wir uns eine stadthalle und ein theater gleichzeitig leisten? brauchen wir 4 museen? können wir sie uns noch leisten? ist es sinnvoller, das theater oder die stadthalle zu schließen? oder doch lieber emils bilderladen? ohne zahlen werden wir noch ewig herumrätseln. und: kann man kunst aus dem osthaus-bestand zu geld machen? welche bilder wurden nie gezeigt und nie verliehen? hat schon mal jemand "raus aus den schulden" angeschaut? da wird auch erst mal die situation analysiert.

13.12.2012
21:02
Angst vor schleichendem Untergang im Theater Hagen
von altesholz | #5

unter "kunst und kultur" verstehen diese herrschaften nur das schumachermuseum und das stadttheater mit anhang. etwas anderes gibt es bei diesen leuten nicht. ob das ein beschränktes weltbild und mangelhafte bildung ist?

13.12.2012
20:26
Angst vor schleichendem Untergang im Theater Hagen
von tuecking | #4

#2 überlassen sie das doch der famosen beate hauck vormals hobein und ihrem einzigartigen kulturfahrplanpark. sie wird zielsicher und kompetent viele sponsoren und investoren ausfindig machen, die alten klamotten aus den museumsarchiv rausholen und am ende sogar meiner alten heimatstadt ihre geschichte nehmen. sie tut, was von ihr verlangt wird. sie ist dafür die beste wahl.

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