"Führer befiehl, wir tragen die Folgen"
02.02.2009 | 19:25 Uhr 2009-02-02T19:25:25+0100Gevelsberg. ...
... Eine eher ungewohnte Facette des Widerstands im Deutschland der Nazi-Diktatur betrachteten Jürgen Taake, Thomas Scherffig und Norbert Neukamp am Freitagabend im Filmriss-Kino: "Humor, Lieder und Satire der NS-Zeit" war deren eineinhalbstündiges Programm untertitelt.
Dass jede Diktatur zum - versteckten, weil mit Gefahr für Leib und Leben verbundenen - Spott herausfordert, liegt in deren Natur. "Führer befiehl, wir tragen die Folgen", ist ein Beispiel der seinerzeit kursierenden prägnant umgewandelten Phrasen des Regimes, die in der Gesellschaft kursierten.
War dies eine ganz offene Verhöhnung des Führerkults, waren manche Lieder des Widerstands geist- und witzreich und wurden von den SS-Schergen sogar mitgesungen: Das von Johann Esser und Wolfgang Langhoff getextete "Moorsoldatenlied", von Scherffig und Taake in Auszügen gesungen und von Neukamp am Klavier begleitet, ist das bekannteste Beispiel dafür. Im emsländischen Lager von Börgermoor gesungen, endet es mit den Zeilen: "Doch für uns gibt es kein Klagen, ewig kann´s nicht Winter sein, einmal werden froh wir sagen, Heimat, Du bist wieder mein."
Weitere der nicht sämtlich gesanglich vorgetragenen Stücke stammten aus den Federn berühmter Literaten bzw. Komponisten wie Berthold Brecht, Erich Kästner, Claire Waldorf, Kurt Tucholsky, Bruno Walz, Michael Jany und des Kabarettisten Werner Fink. Auch umgedichtet wurde: Das Lied von den "Zehn kleinen Negerlein" sang man abgewandelt über die "10 kleinen Meckerlein", deren erster beispielsweise den gnomenhaften Goebbels auslachte - alle zehn finden sich am Ende in Dachau wieder.
Lili Marleen, in 50 Sprachen übersetzt und inoffizielle Hymne der Weltkriegssoldaten aller Länder, war im "Filmriss" als deutschsprachige Aufzeichnung der BBC zu hören. Feindfunk hören - Grund für Gestapo-Verhöre oder Kriegsgericht.
Jiddische Lieder und amerikanischer Jazz, letzterer im Dritten Reich als entartete "Negermusik" gegeißelt - viele Menschen haben die heimliche Flucht in Kunst und Kultur gesucht, um dem uniformierten Einheitsbrei von Reichsschrifttumskammer und täglicher Propaganda wenigstens zeitweise zu entgehen.
Dem rund 30-köpfigen Auditorium im Filmriss-Foyer gefiel die witz- und abwechslungsreiche Aufführung: Eine Wiederholung in Nachbarorten zu entsprechenden Anlässen ist in Planung des Künstler-Trios.
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